Ein Appell – oder Ausländerhass und die Grenzen der Aufklärung

[…] Kennzeichen rechtsextremer Bewegungen ist, dass sich die Verfolger aufspielen, als wären sie die Verfolgten. Dem kann man nur sehr begrenzt mit aufklärerischen Lobreden auf „unsere ausländischen Mitbürger“ begegnen und auch der vielfach geforderte „Dialog mit den Bürgern“ scheint nicht sonderlich erfolgsversprechend. […] Ganzer Artikel: NachDenkSeiten

Mein Appell an euch: Kleine dunkeläugige Kinder haben Angst. Sie fragen ihre Eltern, ob sie nun weg müssten. Auch wir haben ein ganz mulmiges Gefühl, das Selbe, das wir hatten, als wir uns damals, als wir nach Deutschland kamen, mit dem Nationalsozialismus beschäftigen mussten. Der Lehrplan erforderte all die tragischen Biografien, die Entwicklungen menschlicher Interaktion und Beeinflussung, wie es mit kleinen Vorurteilen begann und wie schnell daraus Hass wurde. Wie schnell dieser Hass zum schweigenden Abnicken größter Verbrechen wurde. Auch damals schwieg man, weil viele dachten, Nachbar Meyer würde all das auch für richtig halten, also musste es richtig sein.

Im Moment wissen viele meiner Freunde und Kollegen nicht, wie wir uns fühlen. Sie selbst neigen dazu, diesen “Haufen Irrer in Dresden” nicht ernst zu nehmen. Aber fünfzehntausend, das ist nicht nur eine abstrakte Zahl, das ist eine Menge, in der man untergehen kann. Sie verstehen noch nicht, dass wir uns nicht verstecken können. Wir sind stigmatisiert mit schwarzen Haaren und dunklen Augen. Eigentlich schöne Merkmale. Doch in den letzten Tagen habe ich kurz gedacht, um wie viel sicherer das Leben wäre, hätte ich doch blonde Haare, helle Haut und blaue Augen. Damals dachte ich nur, um wie viel leichter es wäre, heute um wie viel sicherer. Weiterlesen

Kleine Abrisse

Vielleicht sind es nicht unbedingt die Schrifsteller und Wissenschaftler unserer Zeit, die diese Menschen zu einer Bewegung gegen die staatliche Kriegshetze gegen Putin inspiriert haben, aber umso erfreulicher ist es, dass sich ungefähr dreitausend Menschen dazu entschlossen haben, sich vor dem Schloss Bellevue gegen Herrn Gauck zu stellen. Und das, obwohl diese Bewegung von den Medien massivst durch den Dreck gezogen wird. Doch je mehr Menschen dort erscheinen, desto näher kommen sie sich. Sobald sie einander kennenlernen und sich vom Gegenteil dessen überzeugen, was in den Medien über ihre Bewegung berichtet wird, relativieren sich die Denuzierungsversuche von selbst – und sie können sich wieder auf ihr Ziel konzentrieren: nämlich einen Krieg zu verhindern. Es gibt vielleicht doch noch Hoffnung, ich habe nur an der falschen Stelle gesucht. Unsere Künstler und Wissenschaftler sind viel zu sehr mit ihren eigenen Projekten beschäftigt; das Ruder haben andere in die Hand genommen, vielleicht sogar „wir selbst“. Das wird eines Tages in die Geschichte eingehen: Der Tag, an dem ein Land von seinen Fehlern in der Vergangenheit gelernt hat.

❊ ❊ ❊

Mir entschwindet immer häufiger der Wunsch, mich mitzuteilen. Mir fällt nicht mehr ein, warum das einst gut gewesen sein soll. Ich könnte natürlich über das schöne Leben sprechen. Dass die Lichter leuchten und überall Zimt und Lebkuchen zu riechen ist. Aber diese Dinge erscheinen mir so weit weg von meiner eigenen Lebenswelt. Ich glaube, ich mache eine persönliche kulturelle Revolution durch, eine, die mich von allem distanziert. Das bereitet mir Sorge. Ein wenig. Ansonsten ist es furchtbar befreiend. Da bin ich ganz wehrlos gegen. Weiterlesen

What I Be Project

„What I Be Project“, or when photographer Steve Rosenfield puts words on our fears and anxieties… In this series of moving portraits, the photographer seeks to show that we are all vulnerable, capturing his models with words describing their fears, their anxieties, their diseases, their past, the insults they have suffered in their lifetime… An incredible project involving several hundred people to be found in its entirety on What I Be Project […]“


Weiterlesen

Gezielte Ignoranz

Ich kann nichts mehr erklären. Mir fehlt die Zeit, die Motivation und die Leserschaft. Lesen kann jeder selbst, kombinieren auch. Also fange ich irgendwo mittendrin an: Dieses Land wird sich bald spalten – oder es kommt noch schlimmer und bürgerkriegsähnliche Zustände werden als Resultat einer arschhinhaltendenen EU-Politik zustande kommen; und das auch nur dann, wenn sich diese Nation entschließt, sich gegen die eigenen Politiker und einen aufkommenden Krieg zu wehren. Es gibt momentan viele, ineinandergreifende Kriegsschauplätze, sie führen uns alle an der Nase herum – direkt nach Russland, da sitzt im Moment unser Feind, sagen sie. Wer denkt, dass irgendjemand diesen Krieg überleben wird, der irrt. Man will den großen Bruder USA nicht enttäuschen, also opfert man uns. Merkel opfert uns. Nicht sich. Diese Nation hebt den Zeigefinger, aber nie die Faust, deshalb muss sich niemand da oben Sorgen machen. Derweil sitzen wir auf unseren wohlgepolsterten Hinterteilen und sinnieren über den Sinn unseres Daseins und was wir für Weihnachtsgeschenke kaufen könnten und was Kunst ist oder ein gutes Buch oder wie das Herbstbild aufgehübscht werden kann – und ob wir glücklich sind. Manche überlegen, wie sie selbst zur Waffe und Justiz greifen können, weil Tugce nun gestorben ist und in einer Gesellschaft Heldin war, in der es Gang und Gäbe ist, andere zielgerichtet zu ignorieren, wenn sie in Not sind. So sinnlos kann man sterben, Tugce: aus purem Anstand. Du hast uns vorgemacht, wie es geht, nur leider werden dich nun immer weniger Menschen nachahmen. Weiterlesen