Klick

Die urbane Kälte verfolgt uns Schritt um Schritt. Das macht uns nichts. Die nächste Wiese ist ein paar Schritte weiter. Und wenn wir nur runterschauen, so dass unsere Sichtweite nur Gänseblümchen und Löwenzahn einschließt und nichts anderes, dann könnten wir fast meinen, wir wären frei. Links und Rechts kein Beton. Über uns keine Verkehrsampeln. Von hier und dort keine Abgase, keine Bäume, die man stutzt und in ihrer Umarmung beschneidet. Naturgeräusche können wir uns downloaden und mit großen abschottdichten Kopfhörern genießen; und die betongraue Ignoranz unserer ins Nirgendwo eilenden Mitmenschen einfach ignorieren.

Wir tun doch schon soviel. Wir schreiben doch Blogbeiträge und Statusmeldungen, wir diskutieren in Foren und teilen doch Videos, in denen jemand über jemanden redet, der irgendwann einmal vor unbekannten Zeiten irgendetwas gegen den Krieg gesagt hat. Und dann teilen wir Videos, in denen genau derselbe Mensch von der Notwendigkeit eines (anderen) Krieges spricht und fühlen uns wie Sherlock, nur dass unser Aufklärungsauftrag weitaus gigantischer zu sein scheint. Während wir dies tun, bestaunen wir nebenbei unseren vollen Warenkorb bei Amazon – und siehe da – da ist schon ein Like für unser Engagement (und noch eins und noch eins). Und wir beruhigen uns selbst mit „Ich tue doch schon alles“ und klicken auf „Bestellung abschicken“, atmen tief ein und aus und sagen uns „Das haben wir uns jetzt verdient“. Ein Klick führt zum Erfolg. Unsere Emailpostfächer mit der ersehnten Bestellbestätigung belegen das. Ein Klick führt zum Weltfrieden, die Likes beweisen das. Weiterlesen