Die anhängliche Nostalgikerin

Nostalgie ist eine Form der Anhänglichkeit, und sie ist auch eine Form der Revolte gegen die Gegenwart. Oft wird sie als Schwäche empfunden, aber im Grunde ist sie unheimlich stark. Nostalgische Menschen können jahrelang aus ihren Erinnerungen zehren und neue Kraft schöpfen, auch wenn sie zeitgleich die Hoffnung für das Heute in Frage stellen. Ich bin anhänglich, und ich bin eine Nostalgikerin. Doch diese Nostalgie macht mich zu einem sehr treuen Menschen. Einem Menschen, der nicht vergessen kann, dass er einst geliebt hat und aus dieser intensiven Erinnerung die Liebe weiter aufrechterhalten kann. Mein Elefantengedächtnis begleitet mich seit meinem zweiten Lebensjahr. Ich kann weder das Herrliche noch die Angst vergessen. Der See in mir, der all die Eindrücke einverleibt und sogar intensiviert hat, wird mich immer verletzen und vieles, das in Vergessenheit geraten sollte, von Neuem erleben lassen; doch zeitgleich wird er mir die Schatztruhe sein, aus der ich immer wieder schöpfen kann. Ich weiß jetzt, was ich antworten werde, wenn jemand mich fragt, woher ich all die Kraft herhole. Ich werde ihm sagen, ich bin stark, weil ich eine anhängliche Nostalgikerin bin. Ich werde ihm nicht erzählen, dass nur die Gegenwart zählt, ich werde ihm meine Wahrheit erzählen – nämlich, dass mein Ziel es nie sein wird, einfach nur frei und glücklich und frei von Sorge zu sein, sondern dass ich mehr will, als in einem distanzierten Zustand der Meditation das Negative an mir vorbeiziehen zu lassen. Dass meine Kraft aus der Strenge der Verantwortung wächst, und dass meine Strenge und Verantwortung aus der Liebe entspringt, die für mich mehr ist als nur atmen, existieren und sie zu bekennen. Ich werde erzählen, dass meine Liebe ein Gelübde ist, ein Band, das der Nabelschnur ähnelt. Und ich werde diesen Standpunkt für mein eigenes Leben verteidigen, weil ich so sein will, wie ich bin. Weil ich jede Konsequenz meiner teilweise vorhandenen Selbstdestruktivität tragen möchte, weil ich voll und ganz dahinter stehe – und weil alles andere für mich nur ein halbes Dasein wäre. Weiterlesen

Dieser Ort

Ich erinnere mich so an diesen Ort, als sei er aus einem fernen Traum. Wie war das nochmal? Da war das Meer, und eigentlich war es ein Ozean – und dahinter war nichts außer die Kraft, die mal angsteinflößend mal tröstlich war. Und dann war es so, als wäre ich wieder an der Nabelschnur meiner Mutter. Die Schnur, die einen nicht nur mit der wohlriechenden Mutter sondern mit dem ganzen Universum verbindet. Warum kann ich hier die Ruhe nicht haben, die ich dort hatte?





Generation Y: Die angepassten Okay-Studenten

Ich möchte euch einmal diesen unverschämten Artikel einer Dozentin vorstellen, die ein wenig Werbung für ihre Generation auf unsere Kosten machen möchte. Dabei schildert sie Aussagen von Studierenden, die in meinen Ohren absolut unrealistisch wirken. Dieser Artikel wurde auf der Uni-Köln Seite veröffentlicht. Es wurde von den Studierenden dort darum gebeten, dass ich meinen Kommentar dazu weiterverbreite. Hier erst einmal der Artikel: Generation Y: Die angepassten Okay-Studenten. (Mein Kommentar – leicht abgeändert zum besseren Verständnis):

Für mich grenzt dieser Artikel an Ignoranz, und wenn ich ehrlich bin, glaube ich ihr auch einige Aussagen, die Studierende angeblich getätigt haben sollen, nicht (z. B. „Uns bringen diese Diskussionen nichts …” – Wir waren jedesmal hellauf dankbar, wenn irgendetwas im Seminar vom Lehrplan abwich). Weiterlesen

Bedingungen

Am Ende des Tages hat man nur das, was man gegeben hat und durch diesen Weg erhalten hat: eine Art Gewissheit, dass man mit anderen in tatsächlicher Berührung stand. Dass das eigene Tun, das eigene Lächeln und die Zuwendung sich nicht spurenlos in der Zeit verlieren. Die Natur hat nichts Barmherziges an sich. Wer sich gierig verhält, wird anfangs aufsteigen wie die mächtige Sonne und sich am Ende des Tages selbst verbrennen. Mit „sich selbst“ ist hier aber nicht ein einziges Individuum gemeint, sondern die ganze Spezies oder gar der ganze Planet. Die Natur ist nämlich nicht gerecht, macht keinen Unterschied zwischen individueller und kollektiver Schuld. Wenn sie antwortet, dann vollkommen vernichtend. Aber wir können nicht behaupten, sie hätte uns nicht mal sanft mal hart gewarnt. Das können wir nicht behaupten. Weiterlesen