Dieses kleine Kerlchen habe ich gerade auf der Festplatte gefunden, mitten in einer lebenswichtigen Mission zur Erettung unseres Planeten. Sein weißes Bäuchlein braucht definitiv eine bessere Tarnung!
Ich vermisse sie alle
Manchmal vergehen die Tage nicht nur einfach, sondern ich muss sie zu ihrem Ende schleppen. Widerwillig lassen sie meine Gedanken los, widerwillig lassen meine Ängste die Erinnerungen an sie frei. Am Schlimmsten sind die Phasen, in denen man sich einsam gegen alles stemmen muss, weil nur noch Stemmen einen wachhält gegen die eigene Müdigkeit. Künstliche Adrenalinkicks, danke, Körper, dass du trotz deiner Raffinesse manchmal so leicht zu manipulieren bist. Wie Stein liegt die Müdigkeit in meinem täglichen Rucksack, will getragen werden; ignorieren kann ich sie nicht. Am Ende des Tages, irgendwo verfangen in den Seilen eigener Niedermacher, ist man sowieso alleine. Kafka sagte einst [sinngemäß], die Hölle des anderen, kenne niemand. Wie Recht er hat. Ich glaube, tief in den unberührtesten Punkt unserer Selbst, können wir nur alleine hin.
Seit gestern frage ich mich ohne Unterbrechung, warum ich Filme und Serien mag, die das Archaische in uns ansprechen. Vielleicht sollte ich das Uns in diesem Zusammenhang weglassen, ich bin empfänglicher dafür als andere. Ich muss immerzu an die Iren denken. Sie hatten das selbe Schicksal wie wir vor hunderten von Jahren, nur dass sie ihre Feinde heute nicht anbeten und aus ihnen Heilige gemacht haben. Als ich gestern die letzten fünf Folge der letzten Staffel von Spartacus zu Ende geschaut und ungefähr eine halbe Stunde geschluchzt habe, ist mir bewusst geworden, dass ich nichts über mich und uns als Menschen weiß. Man ist immer auf der sicheren Seite, wenn man die Menschheit als die mieseste Spezies dieser Erde bezeichnet, weil es einfach stimmt, wir sind scheiße. Schaut uns doch an: Wir töten Delfine, Delfine (!), die auf uns zukommen, weil sie uns von Natur aus mögen. [Siehe Dänemark]. Das musste ich letztens verdauen, immer wieder dieses blutrote Meer anstarrend, und Delfine, die erst in der Sekunde, in der Haken und Messer in ihnen stecken, bemerkten, dass das hier eine menschliche Tradition ist und sie zum Spaß geschlachtet werden – wie damals bei den Gladiatorenkämpfen in der Arena. Abschlachten als Tradition, als menschliche Ur-Lust – nur worauf? Was passiert(e) eigentlich mit dem Fleisch? [Mit dem Delfinfleisch und dem der Gladiatoren damals - und überhaupt all den Leichen?]
Ohne Unterlass
Randvoll – Deiner überdrüssig
Überschwappend bewaffnet
Mit einem Überfluss an
messerscharfen Worten
Bewerfe ich Dich
ohne Unterlass
Und Du vergisst
Wer ich bin und
Wer wir waren
Dunkle Schönheit
[Unbenannt]
Seine Insignien
Die Sonne ermüdet meine Augen. Glaub’ mir, du hast uns vergessen, mein Herz. Du kannst in deiner schönen Hülle zu mir kommen und dabei nichts empfangen, nichts vergeben und deine Körperwärme von mir stehlen und schaffst es dennoch, mich zu emahnen, dass du zweifellos gekommen bist; dass du abwesend anwesend warst und damit selbstzufrieden bist. Also ergeb’ ich mich.
Deine Fröhlichkeit beleidigt unseren Schwur auf Ehrlichkeit. Du lächelst wie ein Engel, mein Herz. Ein Lächeln mit unbewegtem Blick. Und wie du bei jeder deiner Regungen die Unwahrheit sprichst. Deinen Körper eine Geschichte runterhangeln lässt, die ihren Wert in jenem Moment verloren hatte, in dem du die Spuren eines anderen in dir empfingst.
Deine Finger knirschen vor Anspannung, während du von Jugend sprichst. Dein Geruch ist längst von jenem anderen eingefangen, während du dich in alter Gewohnheit an mich schmiegst. Deine Hand sucht mit der Unbeholfenheit des ersten Males mein erschlafftes Glied; du wunderst dich, es verwundet dich – aber Fragen stellen? – Das tust du nicht.
Wir sind nicht mehr jung, mein Herz. Ich glaubte einst deinen dunklen Augen. Doch heute führen sie nur in eine Vergangenheit, von der nur eine Hülle übrig ist. Und in dir noch immer seine Insignien. Sie brennen. Weniger in dir, aber dafür am unerbittlichsten in mir. Mein Herz, ich vergesse nicht. So kann ich nicht.
Von Kräutern und Antidepressiva
Ich habe ein neues Antidepressivum gefunden. Neben einem tiefenreinigenden Hausputz und dem gnadenlosen Ausmisten und Ordnungschaffen, bei dem jedes weggeworfene – vorher jedoch messihaft verstaute – Objekt wie eine große Entlastung wirkt [nach Trennungsschmerz natürlich], habe ich bemerkt, dass die Pflege des Balkons und das Pflanzen von Kräutern vielleicht mindestens genauso stark als Gegengift fungiert – wenn nicht sogar stärker. Den Balkon zu schrubben und gemeinsam mit Mr. Serious Erde ausheben und wieder draufstreuen, die Saat begießen, und das mit einer aufgeregten Vorfreude auf das neue Leben, wirkt fantastisch! Hiermit nun empirisch anhand einer n=1-Stichprobe erwiesen. [So!] Wenn wir irgendwann unseren eigenen Garten haben [Mann, hört sich das spießig an! Außerdem muss man in der Großstadt für eine eigene Wohnung mit Garten etwas mehr sparen als irgendwo in ruhigen Gegenden], dann werde ich soviel Gemüse pflanzen und pflegen und hegen, bis ich von Glückshormonen überschwemmt werde! So sieht’s aus. Und ja, die Sonne hat auch so ihre Wirkung, wobei ich keine offizielle Sonnenanbeterin bin [Ich könnte echt wieder einen bronzeartigen Teint vertragen, ich kann so verdammt weiß werden!]. Im Moment begnüge ich mich aber noch mit Balkonkräutern; und, wenn sie rausschauen, dann werde ich das wieder fotografieren. Meine Schwiegermama hat uns lila Basilikum aus Teheran mitgebracht. Darauf bin ich ganz besonders gespannt. Ob sie hier überhaupt gedeihen können? Pesto werde ich damit vermutlich nicht machen. Wir essen ja über eine Hand voll gemischte Kräuter einfachso als Beilage mit den persischen Gerichten. Aber das ist eine andere Geschichte. Muss ich auch einmal erzählen.






