Was es noch zu sagen gibt

Es fällt mir schwer, das zu sagen: Aber ich glaube, es gibt von mir aus nicht mehr viel zu sagen. Ich hatte im Laufe all der Jahre des Bloggens immer wieder einmal Schreibblockaden oder kreative Tiefs, doch das ist es schon lange nicht mehr. Ein kreatives Tief, davon ist nicht mehr die Rede, denn wo ich mich vor zehn Jahren noch als ein Mädchen mit Schreibpotenzial und mögliche Künstlerin sah, weiß ich, das bin ich nicht (mehr) – und ich will es auch gar nicht mehr sein (um ehrlich zu sein, ich kann das Wort “Kunst” nicht mal mehr hören so sehr wurde es missbraucht). Eine Blockade habe ich heute nicht mehr nur, weil ich trotz aller Mühe keine Worte finde, sondern weil ich schlicht und ergreifend keine Lust mehr habe, mich und meine Gedankengänge zu erklären. Ich las letztens einen Artikel über Fremdenhass und verbrannte Asylantenheime; und der Autor schrieb (ungefähr), dass die Zeiten vorbei seien, in denen das Wort noch etwas ändern konnte. “Wenn ich hier nun ausführlich schriebe, warum es falsch ist, Flüchtlinge schlecht zu behandeln, wird keiner dieser Hater sagen ‘Alter. Das war so falsch, was ich tat.'” – Und genauso sehe ich das inzwischen. Die, die wirklich Einfluss hätten oder auch die Pflicht, die schweigen. Die, die nur ihr kleines Blog haben, schreiben sich die Finger wund, aber wer und wie viele lesen sie? (Ich gehöre nicht zu den Fingerwundschreiberinnen, nicht falsch verstehen.) Weiterlesen

Trümmer in der Schale

Du hast die Trümmer in eine Schale gelegt, sie zur Seite getan, deinen Anteil an ihrer Geschichte verleugnet und Blumen auf ihre Gräber gelegt. So warst du schon immer. Nie nur hier und nie nur dort. Dein Standpunkt ist stets überall zu finden – mit diesem undurchsichtigen Lächeln in deinen Händen, versprichst du, ohne dich zu binden. Man hält dich für gütig und verlogen, doch manche kennen dein Geheimnis. Du bist überall Zuhause und deshalb unendlich verloren. Und wer dich anbetet, wird zur Geißel seiner Ängste. An diesen ziehst du uns zu dir wie willenlose Engel. Und dein immerwährendes Lächeln, das uns durch Liebe und Verachtung bricht. Du hast die Trümmer in eine Schale gelegt, zur Seite getan, deinen Anteil an unserer Geschichte verleugnet und Blumen auf unsere Gräber gelegt. Wir glauben dir alles, weil wir sonst nichts mehr zu hoffen haben. Es gibt kein Licht für uns Motten, nur einen Traum davon, den wir auf ewig jagen.

Sackgassen

Aus einem Gespräch mit einem Freund, der in einer Sackgasse festsaß:

„Ich glaube, der ‚wahre‘ Sinn des Lebens erschließt sich den meisten erst, wenn sie körperlos sind. Doch für das Leben gilt: die meisten Menschen sehen einen Sinn, sie müssen ihn sehen, sich einen konstruieren, um weiterzumachen – trotz all der Vergänglichkeit. Für diese notwendige Ignoranz aller Absurdität zum Wohle eines konstruierten Leitfadens für das Leben, müssen Menschen verdrängen können; und das tun sie ganz hervorragend. Dann gibt es aber die, die vielleicht zu erschöpft sind, um verdrängen zu können. Wenn man die Schicksalsschläge, die man nebenbei hört, nicht mehr als nebenbei belässt, sondern hineinsinkt (meistens wohl unfreiwillig) oder Dinge in seinem Leben gesehen hat, die sehr nah an Tod, Elend, Leid und Verwesung liegen, dann fällt es immer schwerer, sich einen Sinn im Leben einzureden. All diese Sätze über ‘Erschaffe dich neu’ und ‘verwirkliche dich selbst’, all diese Luxusprobleme widern immer mehr an, hinterlassen den faden Nachgeschmack der Einsamkeit; das Gefühl des Irrsinns in einer irrsinnigen Welt, wo Rettungssanitäter statt Wiederbelebungen lieber an den Straßenrand pissen und über diese herrgöttliche Erleichterung danach sinnieren. Weiterlesen

Altern

Ich habe das Altern immer als einen Prozess gesehen, der einem das Loslassen vom Leben erleichtern soll. Vielleicht sind es die schwindenden Sinne, die Gebrechlichkeiten des Körpers, die Lebenserfahrung mit dem Werden und Gehen, das Einfallen des Gesichtes, das uns ermöglicht, in der letzten Sekunde das Leben loszulassen. Man stelle sich vor, wir würden alle mit hundert Jahren noch aussehen wie fünfundzwanzig: mit all der Vitalität, Schaffenskraft und der inneren Unruhe, die wir als in unserer hungrigen Jugendlichkeit in uns haben; und mit den daraus resultierenden Plänen und Träumen … Man stelle sich nun vor, in so einem Zustand wüsste man: Bald sterbe ich. Ist da die Variante mit dem langsamen Altern und damit einhergehender Akzeptanz der Endlichkeit nicht die bessere Alternative? Ist vielleicht genau diese schwindende Kraft in uns nicht unsere Rettung?