Warum der Mensch zum Irren verdammt ist

Ich habe in der letzten Zeit über alles Mögliche nachgedacht, vor allem über uns Menschen, nachdem ich sie – einschließlich mich – beobachtet habe. Immer nur die Gedanken in Fragen angeschnitten, kurz oberflächlich beantwortet und dann wieder fallen lassen, weil ich mich eigentlich auf etwas anderes konzentrieren musste: auf meine momentanen Prüfungsthemen, in die “Wahrnehmungspsychologie” fällt. Immer wieder kämpfe ich mich durch das Thema durch, dividiere mich mit ihm auseinander, um dann wieder glücklich und fasziniert mit ihm zu verschmelzen.

Später, im Bett, fiel mir dann immer wieder auf, dass einige dieser recht trocken wirkenden Befunde dieser psychologischen Disziplin, einige meiner Fragen über die Menschen in meiner Umgebung im Speziellen und der Menschheit im Allgemeinen beantworten können. Diese Flow-Effekte irgenwdo im Dunkeln der Nacht, während man vorher noch schlaflos an die Decke starrte, sind Euphorie pur. Man will sie jemandem mitteilen, unbedingt mitteilen, welche Zusammenhänge man endlich verstanden hat, welches Puzzleteil sich gerade mit welchem ver-dockt hat und “klick” gemacht hat, aber es geht nicht. Leider ist es oft so, dass man die kleinen Erleuchtungen in der Nacht nicht in Sprache transportieren kann. Deshalb werde ich jetzt gar nicht über diese berichten, sondern sehr allgemein bleiben.

Den Forschungsergebnissen in dieser o.g. Disziplin zu Folge, nimmt der Mensch seine Realität nicht in einer 1:1 Relation wahr, sondern bringt mit seinem Gehirn und der Spezifität seiner Sinnesmodalitäten (von denen wir meinen, es handele sich nur um Sehen, Hören, Schmecken/Riechen und Tasten – die man aber in Wirklichkeit noch in Einzelteile separieren könnte) und den teils vordeterminierten und teils erlernten kognitiven Strukturen (Gedächtnis) wirklich Einiges an Konstruktivität mit, die uns zu “Erschaffern” unserer eigenen Illusionen machen, unserer eigenen wahrgenommenen Realität. Die physiologischen Mechanismen dahinter möchte ich gar nicht näher erläutern. Aber kurzgefasst heißt das: Wir nehmen die physikalische Realität in unserer Umgebung nicht so wahr, wie sie tatsächlich ist, sondern passen sie entsprechend unserer Sinnes-”Fähigkeiten” an. Mal im Ernst: Denkt Euch das mal richtig durch, dann wisst Ihr, wie unglaublich dünn die Welt ist, die wir meinen, verstanden zu haben. Selbst der Forscher, der zu diesen Erkenntnissen gelangt, kann völlig falsch liegen oder nur aufgrund verloren gegangener Information einerseits und einer Übergewichtung anderer Informationen andererseits zu den Schlussfolgerungen kommen.

Unser visuelles System zum Beispiel (das übrigens nicht nur retinal abläuft, sondern einige, hoch spezialisierte kortikale Durchgänge machen muss, die gleichzeitig ablaufen und überhaupt ermöglichen, dass Form, Farbe, Geone, semantische Bedeutung eines Objektes mit den gedächtnisbasierten Inhalten zusammen kommen können, um erkannt zu werden): Anstatt die Umgebung in verschieden intensiven Lichtwellen wahr zu nehmen, verstärkt es Kontraste und Kanten zwischen Objekten durch laterale Inhibition, die es gar nicht gibt und “produziert” Farben, wo es eigentlich nur verschiedenwelliges Licht gibt. Könnt Ihr Euch eine Welt ohne Farben vorstellen? Bzw., könnt Ihr Euch vorstellen, sehen zu können, aber keine Farben zu erkennen? Ich nicht wirklich. Und dennoch: Es gibt keine Farben. Es gibt sie einfach nicht. Sie spielen eine zentrale Rolle gerade in meinem Leben, aber es gibt sie einfach nicht. (Ich muss die Tatsache immer wiederholen, weil ich sie nicht fassen kann).

Nicht einmal komplett Farbenblinde können sich eine Welt ohne die speziellen Verarbeitungsprozesse ihrer Sinnesmodalitäten vorstellen und der “echten (physikalischen) Realität” etwas näher kommen. Selbst diese haben nämlich Kontrastverstärker und Rezeptorsäulen, die auf Strukturen wie “Gesichter”, auf “horizontale Säulen” und “vertikale Säulen” ein schönes Neuronenfeuer erzeugen und bedeutsame Figuren mehr und schneller verarbeiten, als “Unbedeutsame”. Auch sie sind den “Gestaltprinzipien” unterlegen, die uns einfach durch die physiologische Eigenheit unserer visuellen Rezeptorsysteme und Verarbeitungsstrukturen einfach eine Realität vorgaukeln, die es so nicht gibt. Wir nehmen wahr, was für unser Überleben wichtig ist – und das nehmen wir noch nicht einmal so wahr, wie es wirklich ist. Wir selektieren unbewusst aus einem gigantischen Pool von Umweltreizen Dinge aus, die für die momentane Handlungssteuerung (oder Reaktion) benötigt werden, aber wir beschließen das noch nicht einmal eigenständig mit unserem angeblichen freien Willen, sondern es wird einfach so beschlossen. Ohne unser Zutun.

Wir schaffen es noch nicht einmal, eine Wahrnehmungstäuschung (vor allem Visuelle) dann endlich in richtiger Weise zu korrigieren (auf der perzeptuellen Ebene, wohl doch auf der Kognitiven), wenn uns explizit gesagt wird, dass es sich um eine Täuschung handelt und wir das eigentlich anders zu betrachten haben. Wir stehen da, schauen auf die Leinwand, auf das Bild, das zwar mit dem Bild auf unserer Netzhaut, aber dennoch nicht mit der Schlussfolgerung unseres Gehirns übereinstimmt, wissen um diesen Umstand, aber glauben nach wie vor unserem Gehirn mehr als den tatsächlichen Fakten. Wir kriegen die Illusion einfach nicht aufgelöst. Wir hören auf das Geräusch, das es gar nicht gibt, das wir aber dennoch hören, weil unser Gehirn uns sagt “Deinen Erfahrungen nach, müsste jetzt dieser und jener Ton tatsächlich da sein, deshalb hören wir ihn jetzt!” und kriegen es nicht hin, das Geräusch nicht zu hören. Wir kriegen es wirklich nicht hin – und das ist unglaublich faszinierend.

Außer, dass es viele weitere Fragen zur Selbstkontrollfähigkeit des Menschen aufwirft und wir uns – wenn wir ehrlich sind – immer mehr der Tatsache bewusst werden müssen, dass es soetwas wie einen freien Willen (wie wir in spirituell angehaucht, glücklich und von uns selbst fasziniert immer wieder in den Raum werfen) gar nicht gibt, müssen wir uns wirklich ernsthaft fragen: Was und wie ist die Welt, in der wir leben, eigentlich wirklich? Welche Informationen haben wir jemals grundlegend richtig verarbeitet? Durch welchen Informationsverarbeitungsprozess sind mal ausnahmsweise keine Informationen verloren gegangen oder welche hinzugedichtet worden?

Jetzt applizieren wir diese basalen Erkenntnisse auf die soziale Wahrnehmung und soziale Umwelt, die wir haben. Auf die Art und Weise, wie Meinungen gebildet werden, wie Informationen weitergetragen werden, wie Moral sich in unsere Köpfe einschleicht und selbst dann festgefressen ist, wenn sie nicht moralisch ist, wie Religion entsteht, wie die Liebe zu bestimmten Farben und die Abneigung zu bestimmten Stereotypen aufkommt, wie es zur Spiritualität kommt und wie Menschen bereit sind, die Realität zugunsten der eigenen Konstruktion zu zerstören – kurz: Wie Doppelmoral und Krieg entsteht.

Warum machen wir die Fehler unserer Geschichte(n) immer wieder, selbst wenn wir ihre Fatalität aufgedeckt haben? Warum fallen wir immer wieder auf die selben Schlüsselreize oder “Verlockungen” rein, obwohl sie schon mehr als zehn Mal in der Geschichte der Menschheit zu Katastrophen geführt hat?

Warum schaffen es Menschen, sich für das Gute und die Gerechtigkeit auszusprechen, ihr Leben darauf auszurichten, moralisch immer auf der sicheren Seite zu sein, aber Anteile jener Werte, die sie selber lieben, weiter am Leben zu erhalten und ihre Schlechtigkeit und ihre Brutalität auszublenden? (Religion)

Warum schaffen es Menschen, sich selbstwertsteigernd darzustellen, im selben Atemzug aber Menschen mit den selben Fehlern, auf harte Weise anzugreifen und zu verachten?

Warum nehmen Menschen immer nur bestätigende Informationen für ihre eigene Einstellung oder ihr Selbstkonzept wahr, aber ignorieren und bekämpfen alle falsifizierenden Informationen auf eine so grobe Art, dass man schon lachen muss? Und das, obwohl alle Informationen (Gute und Schlechte) aus der selben Quelle kommen?

Das alles lässt sich teilweise mit der (trockenen) Wahrnehmungspsychologie erklären. Auch, wenn diese sich mehr mit den physiologischen Aspekten der Wahrnehmung beschäftigt, so erklärt sie auch alle sinnestäuschenden Vorgehensweisen, für die unser interpretierendes Gehirn “verantwortlich” ist. Wir müssen quasi die Welt einwenig anders und komprimierter wahrnehmen, damit wir in ihr handeln können, ohne reizüberflutet umzukippen. Auf dieser Ebene macht unser System völlig Sinn, ja, es ist sogar mehr als notwendig, nicht alle Informationen für eine Schlussfolgerung oder für eine Handlungsaktivation einzubeziehen. Das würde viel zu viel Zeit und Ressourcen kosten. (Was ich damit sagen will: Vorurteile haben ihre Vorteile!)

Aber welchen Sinn macht es für unsere soziale Umwelt, schädliche Komponenten, Gedanken, Ideen und Konzepte nicht auszumerzen? Welchen Sinn macht es, sich an schlechte Ideen festzuklammern, Ideen, die Armut, Krieg, Diskriminierung, Genozide verursacht haben und bis heute noch tun? Welchen Sinn macht es, dass Menschen bewusst Augen und Ohren zuhalten, wenn man ihnen die Notwendigkeit von Erneuerungen ihrer Gedanken erklären will? Welchen Sinn macht es, dass diese ignoranten Menschen die Erklärenden dann zu Feinden stigmatisieren und sie verfolgen und bekämpfen? Welchen Sinn macht es, hier selbst erlebte, selbst gesehene Informationen und Konsequenzen nicht in Frage zu stellen? Welchen Sinn macht es, für ideologische Konstrukte zu kämpfen, obwohl sie nur abstrakte Ideen sind, austauschbar, beliebig, Opfer eines Zeitgeistes und nicht etwa wertvolles Leben?

Der einzige Sinn, den ich sehe, ist die “Absicht” (und hier gehe ich wieder von einer Denkstruktur aus, die rein menschlich ist, aber nicht real sein muss, nämlich der Annahme, dass hinter allem eine Absicht stehen muss, obwohl diese Prämisse nur dazu dient, dem Geschehen in meinem beschränkten Kopf eine Kohärenz zu verleihen, wo es vielleicht gar keine Kohärenz gibt), dass ein Gleichgewicht zwischen Erschaffung und Zerstörung aufrechterhalten werden muss, damit die Welt in diesem Universum so existieren kann, wie sie existiert. Vielleicht gehört die Zerstörung zu einem wichtigen Selbstregulationsmechanismus zur Erhaltung von Was-auch-immer. Wenn dem so ist, dann gehört aber auch die Erschaffung, das positiv Konstruktive, die weniger ausgeprägte Ignoranz, die stärker ausgeprägte Verbundenheit mit anderen, die selbstkritischere Variante des Wesens “Mensch” zu diesem Prinzip.

Und obwohl ich vielleicht von der zwingendne Notwendigkeit beider Kräfte ausgehe, möchte ich dennoch nur den selbstkritischen, mutigen, erkenntnisreichen, hellen, gutmütigen Köpfen danken, die trotz all der fundamentalen Angst vor dem Zerfall der eigenen Identität und der Sicherheit, es geschafft haben, sich von indoktrinierten Gedanken und Ideen zu lösen, sie nicht mehr weiter zu verbreiten, sie nicht mehr verzerrend und schönredend einzuhämmern, sie nicht mehr auszuschmücken, um all den Schaden dahinter zu relativieren. Die bereit waren, um-zudenken trotz des riesen Kraftaktes, ihre Meinung und anerzogene Einstellung in Frage zu stellen, trotz der schmerzhaften Überschreitung der Hemmschwelle, zu anderen Schlüssen als Mama und Papa zu kommen. Diesen Menschen möchte ich meine Achtung aussprechen.

Warum ich nur diesen Menschen danke? Erstens, weil sie es sind, die m.E. ein Mindestmaß an Gerechtigkeit (auch nur ein Konstrukt, das sich in der Natur nicht finden lässt, sondern nur durch unsere Moralität entstanden ist) gewährleisten und zweitens: weil ich nun einmal selbst ein selektiver Mensch bin.

So, ich gehe mal weiter lernen.

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17 Gedanken zu “Warum der Mensch zum Irren verdammt ist

  1. Schatz ich werd nur kurz antworten weil ich seit 2 Monaten für das Thema nen Artikel formulieren versuch & noch nich fertig bin :roll: Ich denk dass wir in der Mitte von ner Entwicklung sind und die is noch nich am Ende. Das gibt viele Teile von uns die noch sehr animalisch sind. Aber wir müssen eben nich wie Tiere warten bis die natürliche Evolution das von allein ändern tut sondern wir haben abstrakte Intelligenz & Kreativität die Tiere nich haben. Und die können wir benutzen zum unsere animalischen Teile schneller los werden.

  2. Ja, Schatz. Das ist das, worum es hier geht. Unsere Intelligenz und Kreativität, unsere Wahrnehmungen und Schlussfolgerungen sind absolut fehlbar, weil sie eben auf Wahrnehmung basieren. Das, was ich damals schon laienhaft dachte, wird eigentlich durch die Forschung bestätigt.

    Andererseits hast Du sicher Recht: Wir haben andere Möglichkeiten als Tiere, gewisse zivilisatorische Probleme zu lösen! Aber wir sind dennoch nicht frei von unseren Ur-Instinkten. Und wir können dieses Problem auch nicht durch “reines Denken” lösen. Höchstens durch Genmanipulation. Der menschliche Geist als hohe Instanz ist ein gefährlicher Trugschluss, auch wenn er viele gute Wissenschaftler dazu beflügelt, End-Lösungen für unseren selbstproduzierten Scheiß zu finden.

    Übrigens können viele andere Tiere auch “Denken & Problemlösen”. Zwar nicht auf unserem Niveau, aber sie können es.

  3. Liebe Sherry,

    wieder ein Wahnsinnsartikel. Unglaublich spannend. Hast du vielleicht noch mehr Informationsmaterial zur Wahrnehmungspsychologie? Die integrierten Links im Text habe ich bereits geöffnet! Wenn ich mehr weiß, kann ich deine Schlussfolgerungen bestimmt noch besser verstehen!

    Bis dahin,
    Marcus

  4. @Schatz

    Klar nur denken is nich genug. Das hab ich gemeint mit “benutzen” dass wir eben so Sachen machen können wie genetisches Engineering etc. Also quasi unsere Evolution schneller machen.

  5. Das ist doch irre, wenn wir von unserer beschränktheit wissen und sie nicht überwinden können. Der Kampf gegen Vorurteile wird zum Kampf gegen Windmühlen.
    Just a fart out of the brain ;)

  6. Es ist schon wirklich erstaunlich, wie man Schwingungen oder Energien, oder wie auch immer man es nennen mag, tatsächlich auffangen kann, um dann unabhängig voneinander über bestimmte Dinge zu sprechen oder nach zu denken…

    In diesem Fall waren es wohl Deine Gedanken, die mich erreicht haben. (Insider!)

    Der Artikel ist wirklich sehr gut gelungen und regt zum Nachdenken kann. Da ich mich momentan mit demselben (psychologischen) Stoff beschäftige, finde ich die Aspekte, die Du hier versuchst “zuende” zu denken wirklich super.

    Besonders treffend finde ich den Schluss..
    :herz: Sehr schöner Beitrag, Schatz.

  7. @Marcus:

    Vielen, lieben Dank. Ich muss mal schauen, ob ich online eine gute Seite finde. Aber die besten Grundeinblicke bekommt in Lehrbüchern, die leider nicht online zu finden sind. Wobei, da fällt mir gerade ein… LOL, doch. Ein Lehrbuch habe ich digital. Ich schicke Dir das per E-Mail zu!

    @Minah-Schatz:

    Weißt Du, was mir Sorgen bereitet? Dass wir als Menschen mit bestimmten Machtmotiven (die fast jeder einwenig hat, wenn er nur die Gelegenheit dazu bekommt), andere genetisch manipulieren soll. Dass wir diejenigen sein werden, die entscheiden, was “effizient” ist und was nicht. Es gibt unglaublich viele SciFi Filme und Bücher dazu, und die Vision war nicht sehr spannend. :( … Ich glaube, dass wenn wir uns einige basale Instinkte weg-manipulieren lassen, wird es Konsequenzen haben, die wir mit keinem Super-Rechner der Welt vorsimulieren lassen können. Soviel Iput-Infos haben wir gar nicht, das wir dem Rechner zum Rechnen geben könnten. Echt Dilemma!

    :wange:

    @Angela:

    Schön, Dich zu lesen! :rose:

    So ist es. Aber wie sollten wir diese Beschränktheit auch einfach “überwinden”, wenn sie organisch begründet ist? Voll scheiße. :D

    @Nayla-Schatz:

    Ja, heute habe ich vielleicht das Thema eingeleitet, ich wusste ja davon. Und es hat mich beschäftigt. Aber es gab ja noch andere Phänomene. Haha.

    Danke. :herz:

    Sodääälsch’, gute Nacht. Ich will nicht schlafen. :eye:

  8. Hallo Sherry,
    vor ca. dreißig Jahren hatte ich mehr oder weniger die gleichen Gedanken. Einige Wenige aus Ost & West gaben mir folgende Worte mit auf den Weg: „Verzettele Dich nicht bei der Suche nach Antworten!“. Die Zeit bestätigt mir immer wieder meine Antwort: „Eure Worte kommen wenigsten von Herzen!“. Wir würden am nächsten Morgen feststellen, eine über Nacht zu diesem Thema geführte Konversation, nicht einmal richtig begonnen zu haben. … Dein Beitrag erinnert mich aber auch an die Filmtrilogie „Der Herr der Ringe“. Was werden wir in Anführungsstriche noch alles bis zur Vernichtung des „Einen Ringes“ erleben?! …
    Henry

    PS:
    @Marcus: „BRAINLOGS DIE WELT IM KOPF“ http://www.brainlogs.de/ (27.01.2011)

  9. Lieber Henry:

    Ich habe eine wissenschaftliche Seite und eine “andere”. Die Wissenschaftliche in mir liebt es, den Dingen haarspalterisch auf den Grund zu gehen, jede mögliche Ursache zu isolieren und auf ihren Effekt hin zu prüfen. Ich bin sozusagen ein “Need for Cognition” Typ, auch wenn das Denken manchmal ins Leere läuft, ich habe einfach Freude daran. Andererseits habe ich die nachlässige, super schlampige, rosa-rote-brillige, aufgelöste, wilde und kreative Seite in mir, die ständig in verschiedenen Welt- und Gottesbild Konzepten abhängt und dort ihr Zuhause sucht. Unpräzise bin ich auch noch. Das gehört zu mir, beides. Und es ist total toll so.

    Danke für die Seite, die’s klasse! Die check’ ich mal aus!

  10. Ich gehe davon aus, dass es soetwas wie DIE Wirklichkeit gar nicht gibt, Azizam. So wie es DIE Wahrheit gar nicht gibt. Es kommt immer auf den Betrachter (der Wahrnehmende und interpretierende Organ namens Mensch) an.

    Ich denke, dass in solchen Vorstellungen wie “die wirkliche Wirklichkeit” oder “die absolute Wahrheit” soviel Wahrheit steckt, wie in der Vorstellung, still zu stehen, während man sich tatsächlich mit rasender Geschwindigkeit durchs All bewegt.

  11. Das sehe ich anders, Schatz. Es gibt auf immerhin auf jeden Fall einen physikalischen Input. Also muss es irgendeine geartete – zumindest physikalisch messbare – Wirklichkeit geben. Wir wissen nicht, was es ist, aber es sollte sie geben.

    Sonst hieße es ja, dass es ohne uns, den Observer, keine Wirklichkeit geben würde. Wäre die Welt dann weg?

    Klar, kann man jegliche Wahrnehmungsfunktionen komplett aus-ankern und anzweifeln, dass es überhaupt irgendetwas gibt. (Descartes) Und klar können wir Dinge nur annehmen, aber auf der Basis macht Wissenschaft “leben” und forschen ja gar keinen Sinn.

    P.S.: Wir diskutieren gerade in Real darüber. Ich mache hier mal Stop. Hahahaha…

  12. Okay, ich verstehe. “Solange man nicht da ist, um etwas beobachten zu können, weiß man ja nicht, wie es sich verhält!” – Eines der komischen Vorkommnisse in der Quantenphysik. Beobachtung verändert die Realität.

    Wo wir wieder geendet sind… :roll:

  13. hey sherry, ein sehr interessanter beitrag mal wieder. wir sind dazu gezüchtet, die dinge nicht richtig wahrzunehmen, da haben philosophen psychologen physiker recht… deshalb ist der kampf der menschen gegeneinander um die eine absolute wahrheit auch wirklich amüsant anzuschauen. :-)

  14. Tolle Fakten und Gedanken!
    Eine Erklärung deiner Fragen wäre: die Menschen sträuben sich gegen das Sinnvolle und gegen eine objektive Realität zugunsten der Bewahrung ihres Status Quo… Sie haben Angst, etwas zu verlieren, was sie ausmacht, oder etwas, ohne das sie sich unglücklich wähnen… Sie denken oft nicht daran, dass es eine Befreiung sein kann, auf alte Muster zu verzichten…

    Tja, der Mensch ist, trotz seiner seltenen Höhenflüge, leider ein äußerst beschränktes Wesen…

    Bleibt uns nur übrig, zu versuchen, anders zu sein und zu handeln.
    LG
    Esra

  15. @darks:
    Ich find’s zwar weniger amüsant anzuschauen, aber Du hast im Grunde Recht. Ich hoffe nur, dass wir diesen Egozentrismus überwinden. Mir wird dennoch schlecht, wenn ich sehe, wie Leute versuchen etwas schön-zu-reden, was viel Leid gebracht hat. So wie “Hitler hat ja auch die Autobahnen…” Ja, stimmt schon. Aber deshalb bin ich ja kein Hitleranhänger.

    @Esra:
    Sehr weise Worte. Wie gesagt, ich hoffe, wir überwinden unsere Ängste, uns zu verlieren und schaffen es, eine gemeinsame Basis zu halten: Nämlich, wenn schon nicht die reine Wahrheit (weil nicht wahrnehmbar), so doch dann wenigstens die kollektive Ablehnung von Ideologien, die Leid bringen.

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