[Israel & Iran] Warum ein Krieg uns alle betrifft

Seit nun mehr als einer Woche ist die Initiative “Israel loves Iran” und der darauf folgenden Antwort der jungen Iraner “Iran loves Israel” am blühen und trägt schon erste Früchte. Abgesehen davon, dass Israelis und Iraner sich über Emails, Kommentare und Facebook-Freundschaften gerade kennenlernen, ihre Kulturen miteinander vergleichen und eine gemeinsame Geschichte finden, anstatt die ewig propagierten Unterschiede, sind sie sich vor allem in dem Wunsch einig, dass sie – als Völker dieser beiden Länder – keinen Grund sehen, einander zu hassen und zu bekriegen.

Noch immer gibt es zynische Kritiker, die mit den Herzen, Solidaritätsbekundungen und Facebook nichts anfangen können, diese wunderbare Initiative all zu gern belächeln und meinen, sie sei absolut sinnlos, wenn sie einen Krieg nicht verhindern könne. Wer die Wichtigkeit der Völkerverständigung nicht anerkennt, hat nicht verstanden, warum Politiker, bevor sie einen Krieg führen, Monate bis Jahre vorher eine große Medienkampagne starten, um das andere Volk als feindlich gesonnen und vor allem die Regierungen als unhaltbar gefährlich für die eigene Sicherheit hinstellen. Um einen Krieg zu führen, bemühen sich Regierungen noch immer um den Rückhalt des Volkes, um neben einem militärischen Konflikt nicht auch noch einen Internen in Schach halten zu müssen. Das lässt sich durch die neuere Geschichte hinweg beobachten. Nichts desto Trotz sollte diese Initiative nicht erst dann als sinnvoll erachtet werden, wenn sie es durch ihre aus ehrlichen und kritischen Fragen entstandene Bekundung erreicht, dass die israelische Regierung keinen militärischen Angriff startet. Natürlich gibt es Grund für Zweifel daran, dass diese Aktion tatsächlich eine kurzfristiges Zurückrudern der israelischen Regierung bewirkt, aber längerfristig ist so eine Annäherung nur positiv zu bewerten. Wenn solch eine Saat des Friedens und des Miteinanders gelegt wird, bleibt sie selten ohne positive Konsequenzen. Schon jetzt sind genau diese zu sehen.

Die plakativen Friedens- und Zuneigungsbekundungen werden immer kreativer. Es haben sich bereits viele iranische und israelische Grafikdesigner ran gesetzt und haben wunderschöne Konstruktionen ihres gemeinsamen Wunsches erstellt. Einige davon werden am Ende dieses Beitrages veröffentlicht. Doch besonders ein Bild hat Zigtausende Menschen aus beiden Staaten berührt, und genau dieses steht auch in der Kritik von einigen Antisympathisanten. Dabei handelt es sich um dieses Bild von zwei Liebenden, die ihre Pässe ins Bild halten. Der Mann hält einen israelischen Pass in der Hand und die Frau einen Iranischen.

Abwertende Stimmen sagen: “Solange Ahmadinejad kein israelisches Mädchen küsst und mit ihr eine israelische Hochzeit feiert, lasst mich mit diesem Unsinn in Ruhe!” Aus der Antwort lässt sich aber schlussfolgern, dass es sich dabei um einen konservativen Israeli handelt, der die Schuld bei diesem Konflikt tatsächlich bei der Islamischen Republik sieht. So kritikwürdig diese Regierung auch ist, vor allem gegen das eigene Volk, hat sie jedoch niemals einen Krieg gegen Israel angedroht.

Eine weitere positive Wirkung der Initiative ist, dass vor Kurzem mehr als 1000 Israelis gegen einen Angriffskrieg gegen Iran demonstrieren gegangen sind. In ihren Plakaten haben sie teilweise die Fotos aus der Facebookseite “Israel loves Iran” genommen, in denen Menschen Fotos von sich mit der Aufschrift verziert haben, um ihre Solidarität kund zu tun. Weitere Demonstrationen könnten folgen.



Die Unterschiede

Wenn man sich die Fotos von Iranern und Israelis zu dieser Friedensbewegung ansieht, merkt man vor allem eines: Die jungen Iraner und Iranerinnen verstecken meistens ihre Gesichter, die jungen Israelis hingegen nicht. Auch darüber berichten sie einander gegenseitig. Über den Wunsch, sich zwar zeigen zu wollen, aber im Iran unter ernsthaften Konsequenzen leiden zu müssen, wenn man das Wort Israel als anerkannten Staat überhaupt erwähnt, geschweige denn, man seine Liebe zu Israelis kund tut. Bekannt ist auch, dass immer dann, wenn Iraner bei internationalen Sportwettkämpfen teilnehmen und kurz vor ihrem Ziel auf einen israelischen Gegner treffen, die iranischen Sportler nicht antreten dürfen. Oft ist es schon vorgekommen, dass Sportler jahrelang für den einen Wettbewerb trainiert haben, aber das Pech hatten, dass sie in einer Gruppe gelandet sind, in der sie gegen Israel antreten mussten. In dem Fall sind iranische Sportler verpflichtet, sich aus dem Wettkampf zurückziehen. Die Logik ist Folgende: Die Islamische Republik Iran erkennt Israel als Staat nicht an. Wenn es keinen israelischen Staat gibt, kann man auch nicht gegen seine stellvertretenden Sportler antreten.

Ohne die Tatsache verleugnen zu wollen, dass die Entstehung des israelischen Staates und die Art und Weise der Vertreibung und Ermordung von Palästinensern völkerrechtlich in keinster Weise moralisch zu legitimieren ist, sollte heute nicht mehr eine Entweder-Oder-Politik angestrebt werden, sondern die Zweistaatenlösung in für beide Seiten tragbarer Form als Ziel konstatiert werden. Israel als Staat nicht anzuerkennen, hält diesen Konflikt künstlich am Leben, weil er für die Islamische Republik rentabel ist. Auch für den israelischen Geheimdienst und die Regierung scheint es eher Recht als Schlecht zu sein, wenn islamradikale Gruppen wie die Hamas weiterhin asymmetrische Kriegsführung betreiben und durch Terrorismus eine immerwährende Atmosphäre der Angst erzeugen. Nur so kann die israelische Regierung seine aggressive Expansion nämlich fortführen und jeden militärischen Schritt legitimieren. Aus Angst vor weiteren Angriffen der Hamas, steht das israelische Volk dann hinter der Regierung. In diesem Fall geben sich die Islamische Republik und die israelische Regierung die Hand, denn was Israel braucht (Extremisten) fördert die islamische Regierung durch die finanzielle Unterstützung der Hamas. Die politischen Konflikte sind demnach keine Echten. Die Verbreitung von Hass auf beiden Seiten dient Instanzen für die Erhöhung der militärischen Macht in der Region.

Iraner und Juden

Iraner und Juden haben schon immer eine historische Verbindung zueinander gehabt. Die Iranischen Völker finden in den heiligen Büchern des Judentums Erwähnung. Kurosch der Große befreite einst das jüdische Volk aus der Gefangenschaft Babylons und schenkte ihnen die Glaubensfreiheit. Weiteres hierzu findet sich in diesem Artikel von Parse & Parse unter dem Titel “Die Liebesbombe der Israelis für die Iraner”.

Was wir tun können? Je mehr wir uns zu diesen Konflikten äußern, desto schlechter sind unsere Stimmen durch regierungsbezogene Entscheidungen zu umgehen. Wenn Israel einen Angriffskrieg auf Iran führt, braucht Israel Verbündete, denn im Alleingang wird sich dieser Krieg nicht gewinnen lassen, Iran ist weitaus mächtiger als Irak, Afghanistan und co. Die Konsequenzen eines solchen großen Krieges werden uns alle betreffen. Deutschland wird – aus historischen und den damit einhergehenden Gewissensgründen – hinter Israels Intervention stehen müssen. Wenn nicht, werden der Zentralrat und die USA großen Druck auf Merke ausüben, auch wenn Obama noch sehr zögerlich zu Israels Angriffsplänen steht. Wenn Deutschland – wenn auch nur moralisch – hinter Israel steht, wird das Land nicht mehr sicher vor Terrorismus sein. Immer, wenn Kriege ein Ungleichgewicht in den militärischen Ressourcen aufweisen – und das würde es bei einem Krieg zwischen Iran und Israel/USA – werden Mittel des Terrors genutzt, um direkt das Herz eines Landes zu treffen: und das ist immer die Bevölkerung. Wir sind also alle betroffen. Je mehr unsere Regierungen bemerken, dass wir über dieses Thema Bescheid wissen und dagegen sind, dass wir nicht mitmachen wollen, dass wir damit nichts zu tun haben wollen und in diesem Fall nicht die Augen zu und durch Taktik weiterverfolgen, desto schwieriger wird es auch für die deutsche Regierung, hier unvorsichtig mitzumischen und hinter die israelische Politik zu stehen.

Hier noch eine Message von Israelis an das iranische Volk:

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23 Gedanken zu “[Israel & Iran] Warum ein Krieg uns alle betrifft

    • Ja, du hast Recht. Wir sollten tun, was wir können. Vielleicht lässt sich so eine Demo sogar in Deutschland organisieren. Wer weiß? Ich bin gerade sehr froh, dass die Israelis so fleißig sind.

  1. Weißt du was ich besonders schön finde? Wie sich diese wunderbare Message verbreitet! Viele Israelis fangen an, die “We love you”- Aktion auf Palestinenser zu beziehen. Und Menschen in Russland fangen an, ihre Solidarität und Liebe den Homosexuellen gegenüber auszudrücken. Ich kann einfach nicht sagen wie gerührt ich bin; wie sehr es mein Herz wärmt. Bei dem obigen Video steigen mir die Tränen in Augen.

    :herz:

    • Oh Gott, ja, Aida. Ich hab’s heute auch entdeckt dieses Video. Ist das nicht schön? Ja, einige Israelis haben das auch für die Palästinenser gemacht, die Reaktion darauf war aber nicht so wie bei den Iranern. Das kann man ihnen aber auch nicht zum Vorwurf machen, denn sie haben wirklich unter der israelischen Regierung gelitten und tun es heute noch.

      Es ist tatsächlich so, dass diese Aktion, so naiv sie auch angefangen hat, etwas wirklich Schönes – jetzt schon – hervorgebracht hat.

      :herz:

  2. Liebe Sherry,
    ein sehr guter Artikel, der trotz der positiven Aufforderung die problematischen Aspekte des Konflikts nicht vertuscht! Danke für die Zusammenfassung. Ich möchte diese Aktion weiterverfolgen und deinen Artikel werde ich ausserdem verbreiten.

    Herzlichst,
    Marcus

    • Danke, lieber Marcus. Ich finde den Artikel sehr leidenschaftslos, aber ich wollte mich zusammenreißen, damit er nicht wieder so “populistisch” wirkt. Er wurde ja auch auf zwei Magazinen schon veröffentlicht. Haha.

  3. Update: Zwei Strömungen sind enorm gegen diese Bewegung. a) Regierungsanhänger der Israelis oder jene, die kein Interesse daran haben, die harsche Politik Israels zu lösen, b) Einige viele arabischstämmige oder stark religiöse Menschen. Ich habe gerade in Facebook eine Diskussion, die ich führe. Beizeiten poste ich sie einmal hierein, um die Argumentation einwenig besser zu verstehen.

    • Nein, daran glauben wirklich nicht mehr viele, und ich kann’s ihnen nicht einmal verübeln.

  4. Danke für Deine Worte!

    Ich bin skeptisch was die Fähigkeit der Menschheit, sich zu zivilisieren, angeht. Daher berührt mich diese Kampagne sehr. Hoffentlich werden die Worte all dieser Menschen in Jerusalem und Teheran gehört…

    Liebe Grüße,

    Joachim

    • Auch ich bin skeptisch. Aber ich muss immer daran denken, wie wir Menschen manchmal dazu neigen, Dinge dennoch durchzuziehen, selbst wenn wir die Hoffnung aufgegeben haben, einfach nur, um es doch durchgezogen zu haben. Und wie verwundert waren wir selbst schon 1000 Mal im Leben, dass es am Ende doch geklappt hat? Und wie froh waren wir, dass wir es versucht haben?

      Ich glaube nicht, dass das hier einen Krieg verhindert, wenn er schon beschlossen ist, auch wenn er vielleicht verschoben werden kann. Aber wichtig sind für mich die längerfristigen Auswirkungen, die Veränderung unserer Wahrnehmungen von diesen beiden Völkern. Wenn ich ehrlich bin: Ich finde die israelische Politik so dermaßen kritikwürdig, dass ich nur an die Schandtaten gedacht habe, nie an die Menschen dort. Ich bin so froh, dass ich einige von ihnen nun direkt kennenlernen kann. Auf diesem Wege. Das heilt bestimmte Krater im Herzen, so naiv sich das auch anhören mag.

      Danke für’s Teilen, Joachim.

    • Auch ich bin skeptisch. Aber ich muss immer daran denken, wie wir Menschen manchmal dazu neigen, Dinge dennoch durchzuziehen, selbst wenn wir die Hoffnung aufgegeben haben, einfach nur, um es doch durchgezogen zu haben. Und wie verwundert waren wir selbst schon 1000 Mal im Leben, dass es am Ende doch geklappt hat? Und wie froh waren wir, dass wir es versucht haben?

      Ja, es ist im Prinzip egal ob man sich gegen die Todesstrafe, für den Frieden zwischen Israel & Iran oder gegen das Abschlachten von Walen einsetzt. Man muss es einfach tun, einfach versuchen.

      Haben wir eine andere Wahl? Ich denke nicht.

      Sei lieb gegrüßt,

      Joachim

    • Das hast du wirklich schön gesagt, und es klingt wirklich rund in meinen Ohren, aber auch sehr neu, weil ich das selten höre. Für irgendetwas und irgendjemand muss man sich einsetzen, weil man sich nicht für alles gleichzeitig einsetzen kann. Aber die Wenigsten fühlen sich so dazu genötigt, lieber Joachim. Daher rührt vermutlich auch deine Skepsis. Ich habe mir deinen Blog angesehen und bin froh, dass du dich dieser Themen verschrieben hast. Seit ich denken kann, versuche ich den Ausgleich in der Schönheit zu finden, ob nun in der Dekorativen oder Künstlerischen – oder in der von Menschen. Es gelingt mir nicht immer, aber dieser Blog hier ist für mich so ein Anfang für einen Ausgleich.

      Ich grüß’ dich zurück … Gute Nacht.

    • Ach Blinky … Ich wünsch’ dir gute Besserung. Ruh’ dich gut aus und bleib’ fern vom PC, das macht nur Kopfschmerzen. Mr. Serious hat sich auch erkältet, wird grad’ mal eben kurz nicht gepflegt von mir. Schlaf’ gut … :rose:

    • Danke für die Wünsche. Es war Liebermann, der gesagt hat, als die Nazis an die Macht kamen:” ich kann gar nicht so viel essen, wie ich kotzen könnte.” Hoffentlich ist dieser unschöne Satz jetzt im Israel-Iran Konflikt völlig unangebracht.

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