Die Steigerung von Einsamkeit

„Ich dachte, es gäbe keine Steigerung von Einsamkeit, aber jetzt weiß ich, es gibt sie. Sie heißt: Ausgeliefertsein.“

„Ich verstehe nicht so recht!“, warf die andere ein. Sie hatte Einsamkeit immer als eine Art Nullzustand empfunden, der in seiner Nichtheit nicht mehr übertroffen werden konnte. Einsamkeit, das bedeutete, irgendwo im Dunkeln zu sitzen und nicht mehr darauf hoffen zu können, dass irgendwann irgendjemand kommt. Wie kann es da eine Steigerung geben? Löschte man die Singularität des Einsamen, indem man ihn aus der Szenerie rausholte, könnte man da noch von Einsamkeit sprechen? Bildlich vielleicht schon. So würde man vermutlich sagen: „Das hier ist ein einsamer und verlassener Ort“. Doch dem Ort würde das nichts ausmachen, er wäre sich seiner Einsamkeit nicht gewahr, also wäre er auch nicht einsam.

“Das kann ich dir erklären”, leuchteten die Augen der einen. “Wenn du einsam bist, weil du wirklich alleine bist, also weil wirklich keine Person um dich anwesend ist, dann kann diese Einsamkeit doch noch ganz gut ertragen werden, weil sie die absolute Ausweglosigkeit gar nicht erst entstehen lässt. Immerhin kann man in solch einer Situation noch von der eigenen ‚Wahl’, einsam zu bleiben, ausgehen; im Sinne von: ‚Wenn ich wollte, könnte ich unter Menschen gehen, und wenn ich mich noch ein wenig mehr anstrengen würde, könnte ich vielleicht sogar einen geselligen Abend mit ihnen verbringen, der mir wenigstens durch einige, wenn auch wenige, gemeinsame Berührungspunkte mit ihnen die Einsamkeit verjagt’, nicht wahr? Aber was machst du, wenn du schon in Gesellschaft bist und neben deiner eigenen Angst, aus dir rauszukommen, schon beim leisesten Versuch, es zu tun, auf groben Widerstand in Form von Missachtung stößt? Was dann? Dann fühlst du dich machtlos der Einsamkeit ausgeliefert. Dann weißt du, du kannst ihr nicht so recht entkommen. Das wäre schon einmal die erste Steigerung von Einsamkeit”, beendete sie ihren Satz nachdrücklich.

„Ich glaube, du verwechselst das Alleinsein mit der Einsamkeit. Die Person, die in ihrem Zimmer hockt und noch eine Wahl sieht, ihren Zustand in irgendeiner Weise zu ändern, ist alleine, nicht einsam“, entgegnete ihr die andere.

„Nein, das ist nicht ganz wahr. Warum sollte man sich dazu entscheiden, einsam zu sein, wenn man unter der Einsamkeit leidet und die Wahl hätte, es nicht zu sein? Aber jetzt stopp hier. Ich war nicht fertig. Das war erst die erste Steigerung von Einsamkeit, ich bin noch nicht beim Ausgeliefertsein angekommen.“

Die andere versuchte ihr zu folgen.

„Stell’ dir vor, du bist mit jemandem zusammen, schon seit Jahren. Und er oder sie kennt dich besser als du ihn, einfach, weil er sich all die Jahre unauffällig bedeckter hielt als du. Als du dich ihm naiv hingegeben hast mit all deinen tiefsten Ängsten und kindlichsten Wünschen, unterhielt er dich mit vagen Aussagen über sich und sein Leben. All die Schwachpunkte von dir legtest du ihm in seine Hände. Hände, von denen du dachtest, sie seien dazu erschaffen worden, dich, nur dich allein zu beschützen. Und nun stell’ dir vor, nach einigen Jahren nutzt er all sein Wissen über dich dazu, dich zu quälen. Du kannst weder gehen noch bleiben. Einmal, weil du zugelassen hast, dass du eine starke emotionale Abhängigkeit ihm gegenüber entwickelst und zum anderen, weil dir nicht in den Kopf will, dass das die selbe Person ist, der du dich jahrelang geschenkt hast. Du suchst also nach dem alten Wesen in ihm, versuchst es zu finden, mit aller Hoffnung, die du noch hast. Nun stehst du also da, auf diesem einen Fleck, diesem einzigen Punkt, der sich ‘Ich’ nennt. Du bist mit dir ‚alleine’. Man könnte sagen ‘Ja nun, dann sei dir eben selbst ein Freund, immerhin hast du ja dich selbst’, aber das geht nicht. Vergiss’ nicht, er quält dich. Er sagt und tut Dinge, die dich in den tiefsten Schlund deiner Albträume stürzen, die an dir selbst zweifeln, nein nagen lassen – und noch mehr …”

“Was noch mehr?”, unterbrach die andere sie.

“Warte. Lass mich bei meinem Bild bleiben. Du kannst dir nicht dein eigener Freund sein, weil du ein einziger, wunder Punkt bist, der im Sekundentakt malträtiert wird. Die Phasen, in denen er dich kurz zur Ruhe kommen lässt sind jene, in denen du anfängst, dich selbst zu hassen. Dich zu hassen für deine Schwäche, deine Abhängigkeit, deine bodenlose Stolzlosigkeit. Ja, Stolz ist nicht immer schlecht, auch wenn man versucht, es uns anders zu lehren. Zuviel davon ist gewiss ein Zeichen von Schwäche, aber zu wenig davon macht am Ende den Unterschied aus.

„Den Unterschied zwischen wem oder was?“

„Warte. Lass mich zu Ende reden. Stolz ist wichtig. Stolz sind harte Mauern, die im größten Ernstfall hochschießen und alles und jeden an sie abprallen lässt. Stolz gehört zum Immunsystem unserer Seele. Er kämpft gegen Bedrohungen von Außen, damit dein Kern unberührt bleibt, damit du überhaupt als Persönlichkeit noch deine Integrität wahren kannst“, erklärte sie erregt und benutzte Hände, Arme und Augen für das, was sie zu vermitteln suchte.

„Wie hätte Stolz mir hier in der Situation helfen können?“, wollte die andere wissen.

„Denk’ nach. Wenn du Stolz hast, hast du Mauern um dich herum, die bewirken, dass du dich selbst halten, ja sogar be-halten kannst. Aber wenn du ihn nicht hast – weil Liebe und Stolz nicht gut Hand in Hand gehen – bist du dieser brennend heiße, ewig wunde Punkt, der gequält wird. Du bist dir im Augenblick der Ausweglosigkeit selbst dein größter Feind, denn du leidest an deinen Schmerzen, an und durch dich selbst. Du bist dir eine Last, die es gilt, loszuwerden, um Ruhe zu erlangen. Und sich selbst loswerden zu wollen – durch die Anwesenheit eines anderen, der dich malträtiert – das ist der einsamste Punkt, den du dir vorstellen kannst. Du bist machtlos gegen die andere Person, machtlos gegen dich und deine wunden Punkte und hast, wenn überhaupt, noch diesen einen Versuch: dich selbst loszuwerden. Verstehst du das? In der normalen Form der Einsamkeit kannst du dich und deine Gedanken gegen dich selbst irgendwann vielleicht durch kurzes Aufatmen bremsen. Es ist ein kalter Schmerz, dem man sehr abgeneigt ist, aber vor dem man nicht so panisch flüchtet wie der, den jemand einem zufügt, den man geliebt hat, dem man seine ganzen seelischen Innereien auf ein goldenes Tablett vor die Füße gelegt hat. Deshalb ist die Steigerung von Einsamkeit das Ausgeliefertsein. Du verlierst dich sogar selbst dabei, indem du dich nicht haben willst, nein, indem du es sogar als einzigen Ausweg siehst, dich deiner selbst zu entledigen. Ich bin mir sicher, auf Dauer führt das entweder zum Tod oder zum Wahnsinn.“

Am Ende ihres Monologs war sie atemlos, aber lächelte erschöpft und zufrieden. Die andere schwieg und dachte nach. Was die eine sagte, das leuchtete ihr ein. Einsamkeit in der Anwesenheit anderer war gewiss ein stärkeres Gefühl als es die Einsamkeit in den eigenen vier Wänden je sein würde, weil sie sich gewählter anfühlte, kontrollierbarer. Aber Einsamkeit ohne sich selbst haben zu wollen, weil man sich nicht mehr ertragen konnte, weil man eben jener, lästige wunde Punkt war, der immer und immer wieder gepeinigt wurde, konnte viel unerbittlicher sein. Sie überlegte, wie die eine zu diesen Gedanken gekommen war und fürchtete, sie kenne die Erfahrung, von der sie hier leidenschaftlich, ja verzweifelt sprach. Vielleicht steckte sie sogar mittendrin.

Sie betrachtete sie. Sie wirkte etwas blass, auch wenn ihr spitzbübiges Lächeln noch auf ihren Lippen weilte. Ihre Augen waren wach, aber diese Wachheit wirkte auf einmal fiebrig. Ihre Haare waren in den letzten Wochen etwas matter geworden, sie schien müde und ging später nach Hause aus der Bibliothek als sonst. Sie seufzte kurz auf und fragte die eine:

„Warst du schon einmal … ausgeliefert?“

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22 Gedanken zu “Die Steigerung von Einsamkeit

  1. hab das gefühl, dass deine gedanken viel tiefer gehen als du eigentlich ausdrücken kannst. diese geschichte hat´s in sich, weil sie um nen bestimmten kern herumkreist und das schon verrückt machen kann. diese art des ausgeliefertseins ist vielleicht so weit weg vom alltag einiger dass das hier nicht von jedem verstanden werden kann. vielleicht nicht bewusst. aber irgendwie kennen wirs. mir gefällt die story, weil sie versucht was zu zeigen was uns allen angst macht. das ist der punkt der macht, dass wir uns nicht sofort auf ne partnerschaft einlassen oder warum wir auch nur schweigen anstatt wut zu zeigen. viel hält uns ab, immer aber die angst.

    gruss

    • Darks, das hast du richtig gespürt. Ich habe es nicht geschafft, wirklich über das zu schreiben, was ich eigentlich meine. Mir ist die Begrenzung der Sprache hier aufgefallen, mehr dennje. Angst spielt eine Rolle, ja. In allem, was wir tun. Warum sind wir nur so? Und während ich das frage, verstehe ich diese Angst wiederum so gut.

  2. Liebe Sherry,
    Dein Text erinnert mich an einen Beitrag von der Mützenfalterin. Dort ging es, meine ich, ganz ähnlich um die Frage der Steigerung dieses besonderen Zustands.
    Vermutlich erinnere ich mich daran, weil ich das Thema mehr als spannend finde und selbst so gerne Worte dafür hätte.
    mb

    • Ich erinnere mich vage daran, liebe mb. Ich wünschte auch, ich würde Worte dafür finden. Warum ist das nur so schwer? Je dunkler und tiefer man in Seelen hineinhorcht, desto weniger reicht die Sprache als Mittel. Danke für’s Lesen …

  3. “das Leuchten der Augen der anderen”, ihr Enthusiasmus und “fiebrige Wachheit” während sie ihren Punkt zu dem Thema einkreist und dann fixiert, ihr eigenartiges Verhalten in Bezug zu der wirklich ernsten Problematik, macht den Text für mich sehr intensiv. Ich möchte gern in die Augen dieser Frau blicken und ergründen, was hinter jenem Leuchten steckt, welche Wahrheit sie kennt. Ist es gar ein Hilfeschrei?

    • Ich frage mich auch, ob es ein Hilfeschrei war, Lara. Ich bin mir so unsicher, denn wenn ich sie lese, diese Frau, dann scheint sie so klar zu sein, so klar bei sich, so klar und voller analytischer Erkenntnis – trotz des Themas. Und dennoch spürt man ihr Ringen, nicht wahr? Wie wichtig es ihr ist, gehört zu werden, wenigstens ein wenig. Leblos wirkt sie nicht, vielleicht ein wenig übereifrig, erschöpft vom Erklären, vom Verstehenwollen. Danke, Lara, dass du das gelesen hast … Ich hoffe, dass ich für irgendeinen Menschen auf dieser Welt die richtigen Worte gefunden habe.

  4. Liebe Sherry,
    für mich ist der Text sehr intensiv. Sehr eindrücklich finde ich, wie sie die Situation beschreibt. Sie wirkt ruhelos, will unbedingt zum Punkt kommen, möchte verstanden werden. Ich frage mich, warum ihr die Erkenntnis so wichtig ist. Ich sehe da viele Gefühle in ihr. Die stärksten sind Leidenschaft und Verzweiflung. Obwohl die andere Person später auf sie eingehen möchte und nachhaken will, erschien sie mir nicht hilfebedürftig und das ja, obwohl ich am Ende schon sicher war, dass sie sich selbst in dieser Situation befindet. Danke, liebe Sherry.

    Herzlichst
    Marcus

    • Marcus, du hast das so wundervoll erfühlt, besser hätte ich es vielleicht gar nicht beschreiben können. Ich kenne meine Figuren nicht wirklich, ich kann mich nicht professionell an eine Geschichte ransetzen und ihre Figur konsistent gestalten, wenn ich schreibe, tut es im Grunde jemand anderes, nicht ich. Nicht bei allen Texten, aber bei diesem hier war’s so. Sie wirkt nicht hilfebedürftig, und ich weiß noch immer nicht, ob sie Hilfe braucht. Auf jeden Fall will sie gehört werden, verstanden werden. Recht hast du da … Danke, Marcus.

  5. wieder bin ich von einem text von dir sehr aufgewühlt. du redest da auch über scham, ohne das wort aber zu erwähnen. es ist wohl auch die scham, entdeckt zu werden in dieser ausgeliefertseienden einsamkeit, die ich bei jener frau vermute, die mehr redet. ich denke, sie ist selbst betroffen, ist sich aber dessen erst so langsam am bewusstwerden. möglicherweise ist das der erste schritt – zum plan-schmieden (link zum neulich von dir verfassten text).
    die freiheit, die auf das gequältwerden oder der einsamkeit folgen kann, istl kaum fassbar. und noch weniger vorstellbar, wenn frau/man drinsteckt.
    ich hoffe, sie findet sie, diese frau. sie und alle anderen.

    • Soso, wie schön du das hier kommentiert hast. Als würde ich ein wenig Verletztheit in dir spüren. Die Scham habe ich nicht gefühlt, als ich schrieb. Aber doch, ich bin mir sicher, dass sie dabei ist. Allein deshalb, weil ich davon überzeugt bin, dass etwas, das man schreibt oder malt, das man fotografiert oder komponiert, von anderen einfach weitergewoben werden muss, damit es wirklich einen Wert hat. Einen Wert für alle. Für mehr als nur mich selbst. Und du hast etwas erkannt, das ich selbst vermutlich nicht erkannt hätte, nämlich, dass “Der Plan” und dieses Stück hier tatsächlich irgendwie miteinander zusammenhängen. Danke.

  6. erster einfall, nachdem ich nur anfang und schluß genau gelesen und den mittelteil nur überflogen hab, da mir das thema und deine schreibart doch sehr ans herz greift:
    das “fiebrig” fällt etwas aus dem rahmen. sonst scheinst du dich völlig auf dein eigenes vokabular zu konzentrieren, eben diesem zu vertrauen. nur hier greifst du in die kiste der “jahrhundertwende-wörter”, die für mich sofort zu thomas mann und hjalmar söderberg führen. ist das dostojewski-inspiriert? oder woher das wort?
    ich mag deine art zu schließen hier sehr.

    • Danke für deine Kritik, liebe Lena. Ich kenne die Jahrhundertwörter nicht, Thomas Mann habe ich kaum gelesen {zu meiner Schande} und Hjalmar Söderberg kenne ich nicht einmal vom Namen her. Das “fiebrig”, das fällt für mich auch nicht aus dem Rahmen, vielleicht empfindest du es anders, wenn du den Mittelteil liest, weil da das Tempo erhöht wird, dann passt es vielleicht wieder besser. Ich weiß es wirklich nicht! Ob ich von Dostojewski inspiriert war? Bestimmt, wie könnte ich es nicht sein? Wie könnte ich überhaupt nicht von etwas inspiriert sein, das ich je gesehen, gelesen und erlebt habe? Aber bewusst war es diesmal nicht.

      Die Art zu schließen heißt “das Ende” der Geschichte, oder?

  7. Hmm, ich finde es erschütternd, wenn Menschen so etwas mit sich machen lassen. Der Punkt, an dem jemand anfängt mich zu quälen, wäre sofort der Punkt an dem ich gehe. Was also könnte es geben, das sie dazu bringt bei ihm zu bleiben? Seelische Abhängigkeit? Irgendwie kann ich das ja nachvollziehen, aber es fällt mir sehr schwer, ich glaube ich würde ihn zu hassen beginnen, vielleicht weil ich nie fähig wäre so zu lieben. Er würde sterben bei mir. Nicht körperlich. Und wenn das nicht möglich wäre, würde ich gehen. Selbst wenn ich meine Familie dafür verlassen müsste, selbst wenn ich in ein anderes Land müsste, ich würde gehen. Abhängigkeit ist ertragbar, solange es fair zugeht (manchmal hat der andere keine Schuld an der Abhängigkeit), aber ich könnte es nie ertragen jemanden ausgeliefert zu sein.
    Entweder ich würde gehen, oder ihn sterben lassen.

    • Hallo Liebes …

      Wie oft war ich wütend, wenn Freundinnen genau das mit sich machen ließen? Wie oft? Ich kann deine Sichtweise sehr gut nachvollziehen, aber es gibt da eben auch die andere Sache. Ich glaube, fast alle normalen Menschen, die so etwas von außen lesen, können es erst einmal nicht nachempfinden. Doch ist man mitten in so einer Beziehungskonstellation, fallen einem diese Dinge viel später auf, als uns. Ich habe es in dieser Geschichte sehr leicht dargestellt, der Mann war einfach nur fies. Doch ich lasse kurz aufleuchten, dass man als Mensch im anderen, den man geliebt hat, immer wieder mit Hoffnung und Verzweiflung das Gute in dem Menschen sucht, den man geliebt hat. Er hatte immerhin diese Seiten, dieses Schöne muss er doch irgendwo gehabt haben, oder? Allein die Erfahrung schöner Stunden, Tage und Jahre, die man geteilt hat, lässt Menschen vielleicht trotz der Pein an jemanden festhalten, weil man nicht verstehen kann oder nicht davon ausgehen kann, dass diese Person gänzlich Vergangenheit ist.

      Wenn du wüsstest, was ich schon für eigenständigen Frauen und Männern begegnet bin, die aus einer Beziehung, die sie quälte, nicht rauskamen. Es ist eine schöne, aber auch grausame Eigenschaft von einigen wenigen Menschen, nie das Lieben aufgeben zu können. Trotzdem wünsche ich dieser Person die Kraft, den anderen entweder – wie du sagtest – zu schlagen oder zu gehen.

  8. Liebe Sherry,
    das ist ein wahnsinniger Text. Wahnsinnig nah an der Wahrheit von vermutlich unzähligen Menschen. Wahnsinnig gut aufgeschlüsselt. Wahnsinnig treffend.
    Ich hoffe, sie wird nicht wahnsinnig, sondern bekommt mit dem Gewahrwerden der Situation wahnsinnig viel Distanz und kann aus dem Karussell aussteigen.
    Bedeutet Stolz in diesem Fall Selbstachtung? Und wäre es so, wäre das nicht der erste Schritt zur Heilung?
    LG, Mika

    • Oh, danke, Mika, dass du diese “Raserei” hier in dem Text so gespürt hast. {Zuviel} Stolz ist glaube ich ein wenig hohler als echte Selbstachtung. Er setzt ein, wenn die Selbstachtung zu schwach ist, aber dient dennoch dazu, um die Seele zu schützen. Ich glaube, Menschen, die ein Höchstmaß an Selbstachtung erreicht haben, brauchen keinen Stolz mehr, denn man kann sie kaum noch beleidigen. Aber das ist eine Idealvorstellung … Stolz also nicht direkt als Heilung, sondern als Krücke.

      Ich wünsch’ dir ein tolles Wochenende. :rose:

    • Ja, so würde ich es auch sehen, Stolz als Krücke (gutes Wort in diesem Zusammenhang) und bei Selbstachtung kann Heilung einsetzen…
      Aber nicht nur Stolz, denke ich, kann die Mauer aufrecht erhalten und so helfen die Integrität zu wahren, sondern auch Hass. Solange man den Täter nicht an sich heranlässt, ihn aussperrt, kann man ihm Herr werden.
      Von Liebesbeziehung kann man in so einem Fall gar nicht sprechen und ich wundere mich, dass die Literatur daran festhält, die Psychologie tut es ja nicht, oder?
      Danke Sherry, ja ich hatte ein schönes Wochenende, hoffe, du auch! :-)

  9. Ich bin sprachlos auch, weil ich mich frage, warum Du dieses Thema in einem Dialog, oder besser gesagt Monolog, bearbeitest. Du hättest doch auch einfach erzählen können, was in dieser Beziehung geschah und uns mit dem Gefühl alleine lassen. Viel mehr gehst Du das Thema fast intellektuell an, und trotzdem ist es so mitreißend, dass man immer tiefer tauchen will in eine Situation, die hier nur angedeutet wird, auch wenn es immer unangenehmer wird beim Lesen. Gerne würde ich mehr erfahren. Ich sehe das wie Sofasophie, dass die letzten beiden Geschichten “Ein Plan” und diese hier miteinander zusammenhängen. Chapeau! Es wäre eine Verschwendung, wenn Du das Schreiben nicht ernster nehmen würdest.

    • Liebe Lisa …

      Das stimmt tatsächlich. Eigentlich wird das Thema hier “intellektuell” bearbeitet, frag’ mich nicht warum. Ich habe mir überhaupt keine Gedanken darüber gemacht, wie ich schreibe, nicht einmal, was ich schreiben werde und worauf das hinauslaufen wird. Aber während des Schreibens kommt man eben doch zu Gedanken, die weiterführen, die aufeinander aufbauen – und dann kommt man zu einer momentanen Erkenntnis. Ich denke, hier ist das geschehen.

  10. Sehr gut geschrieben, finde ich.
    Stolz als Krücke, und dass die Freiheit unglaublich groß scheint, wenn man sich nur erst einmal getraut hat – das ist aus dem Lesen der Kommentare hängengeblieben. Und darüber sinne ich gerade nach. Ein so spannendes Thema. So vielschichtig. So schwierig für denjenigen, der sich mittendrin befindet. Ich überlege gerade: wenn man sich mittendrin befindet, wie lange kann man sich dann selbst erzählen, dass man eine Wahl hat? Wie lange dauert es, bis man sich eingestehen kann, dass man nicht fähig ist, eine Wahl zu treffen? Und wenn man es gemerkt hat, wie weitermachen? Hm, ja – wirklich spannend. :-)
    LG!

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