Diese Art von Mensch

Das neue Jahr entpuppt sich genau als das, was ich vorher bereits erspürt hatte. Eine Welle von Veränderungen spült alte Persistenzen fort; nach kurzem Trennungsschmerz kann die Wunde endlich ausfließen und letztendlich abheilen. Die Würfel sind erneut gefallen. Ich weiß, dass sich die Richtung in meinem Leben nun ändern wird. Das Gewand der Angst muss einem Neuen weichen. Ich werde wieder lernen, was es bedeutet, tief aus der Brust zu atmen und im schallenden Gelächter auszuatmen. Wir stecken uns gegenseitig an. Unsere Dynamik wird verflochten – und anstatt, dass wir uns durch unsere negativen Kräfte blockieren, werden wir heute zu elastischen Aufständischen, die einander die Rücken und die Haut decken.

Ich glaube, ich bin erwachsen geworden. Aus mir und meinem Anspruch auf Loyalität schlauer geworden. Meine Halsstarrigkeit ist zu Bruch gegangen und damit auch meine Forderungen, die ich an die Falschen gestellt habe. Ich will nur noch begegnen in dem Wissen, dass Trennungen dazu gehören. Immer weniger brauche ich zum Festhalten; und immer mehr Mut, um so zu leben, wie ich es für richtig halte. Den Mut bringe ich auf, weil ich in diesen Tagen etwas verstanden habe: Wenn ich muss, schaffe ich fast alles. Mit der Erkenntnis, dass nichts für ewig wärt, lerne ich zu schmusen. Noch verbrenne ich mich dabei. Noch brauche ich Zeit.

Kennt ihr diese Menschen, die einen verderben? Für alles, was davor war und danach noch kommen wird? Solche, die euch mit ihrer Echtheit und Leidenschaft mitreißen, ohne dass sie es wollen? Einfach nur durch das, was sie sagen und mit dem, was sie suchen? Ich bin einer Person begegnet, die sich bei der Suche nach Erkenntnis noch mehr Narben geholt hat als ich. Jemand, der noch weniger Kompromisse eingeht. Eine Person, die, wenn sie könnte, sich selbst gegen die Wahrheit eintauschen würde. Dieser Mensch ist ein Künstler: ein Wissenschaftler durch und durch. Mit all der Verzweiflung, die jemand mit so wenig Mitteln und diesen viel zu großen Sehnsüchten haben kann.

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38 Gedanken zu “Diese Art von Mensch

  1. das muss wahrlich eine sehr verwandte seele sein!

    verderben im sinne von: anstecken mit einer sehnsucht, die dich danach nie mehr loslässt – gell, das meinst du?
    ja, solche menschen kenne ich auch. und ich bin ihnen dankbar für diese art verdorbenheit, die mich jedes mal ein bisschen mehr weitet (von den wunden jetzt mal nicht zu reden).

    dein text, all das, was du von dir erzählst, stimmt mich froh und hoffnungsvoll. es macht mir mut.

    danke fürs teilen, herzlich, soso

    • Liebe Soso,

      ich glaube gar nicht so sehr, dass diese Seele verwandt mit meiner ist, ich bewundere sie eher. Es gibt sicherlich mehr Wege, zum Kern von irgendetwas zu gelangen. Die erste Hälfte meines Lebens habe ich geschaut, wie man das emotional und spirituell tun kann, im Moment bin ich aber fasziniert vom intellektuellen Aufwand, den ein Mensch betreiben kann. Gerade auf dieser Ebene ist es so verdammt schwer, sich am Ende des Tages selbst zu verarschen, sich mit dem Ergebnis zufrieden zu geben, das einem emotional am ruhigsten stellt. Ich sehe diese Person, wie sie gedanklich so weit gekommen ist und uns allen so sehr voraus zu sein scheint und denke nur: Wie schafft diese Person es, sich all dessen bewusst zu sein und daran nicht zugrunde zu gehen?

      Ich freue mich, dass dich der Text froh und hoffnungsvoll stimmt. Kennst du das, wenn du so “magische Vorzeichen” spürst, so ein Kribbeln überall im Körper, wenn du spürst, irgendetwas tut sich gerade, große Zeiten für dich treten an, irgendetwas wird geschehen und die ganzen Kräfte in dir mobilisieren sich bald um sich zu bündeln? So ein Gefühl habe ich … Seit Wochen schon.

    • Achso: Mit “verderben” meine ich “Prägung”. Ist man von bestimmten Menschen sehr geprägt, vergleicht man alles, was davor war und danach noch kommen wird, am Standard dieses Menschen …

    • ja, dieses gefühl kenne ich auch sehr gut. ich werde dann immer ganz gelassen, was ich ja sonst nicht wirklich bin. eine art fatalismus und das “wissen”, dass es gut wird, durchdringt mich dann. ob kleine oder grosse veränderungen, die anstehen – es ist ein gefühl von gewissheit, die sich meinem alltagsgefühl von unsicherheit sozusagen in den weg stellt.

      auch ich bewundere zuweilen solche menschen, wie du sie beschreibst (wenn auch es bei mir wohl andere qualitäten sind, die meine bewunderung auslösen). doch immer wenn ich einen solchen menschen näher kennenlerne, stelle ich fest: es sind ausnahmslos höchst bescheidene, aber auch sehr bewusste menschen, denen es in der regel am wissen fehlt, wie sie auf andere wirken – zum glück.

      herzlich, soso

    • ja, das mit der prägung (verderben) kann ich sehr gut nachvollziehen. man ist dann immun für “schlechteres”. wenn man mal hinter den vorhang geguckt hat, ist das davor zuweilen banal (so geht es mir oft mit leben und tod).

  2. Das ist ein so berührender Text. Ich mag ihn sehr!
    Ja, ich denke ich kenne diese Art von Mensch und ich bin gerade sehr glücklich, dass dem so ist. Und mehr kann ich gerade gar nicht schreiben, obwohl ich so sehr fühle, dass da noch was ist, das ich dazu ausdrücken möchte. Merkwürdig. Wahrscheinlich ist es das wunderbare Gefühl, das deine Worte in mir wachgerufen haben.
    Liebe Grüße!

    • Wann bist du diesem Menschen begegnet, Meike? Ist er unnahbar und du kannst ihn nur beobachten? Oder kannst du mit ihm Gespräche führen?

    • Ich kann mit ihm Gespräche führen, ja. Unnahbar, ja, vielleicht trotzdem ein bisschen, auch wenn ich mit ihm sprechen kann.

      Glaubst du, dass wir alle ein bisschen von einem solchen Menschen in uns haben? Du hast es, oh ja, so wie du schon schriebst. Und das finde ich so faszinierend. (Das klingt so komisch, aber ich finde es wirklich faszinierend im Sinne von interessant.) Aber glaubst du, dass…letztendlich alle dies in sich tragen? Ganz tief, irgendwo in sich?

    • Liebe Meike,

      ich glaube, jeder Mensch, der es schafft, sich einerseits stark zu disziplinieren und andererseits seinem Traum durch diese Strenge und Unnachgiebigkeit zu folgen, genau das ausstrahlen kann. Weißt du, oft wurde Disziplin als Gegenspieler der Leidenschaft gesehen. Ich wäre vor ein paar Jahren noch die Erste gewesen, die dem zugestimmt hätte. Heute weiß ich es besser. Disziplin bedeutet, für seinen Traum den Weg des größten Widerstandes zu gehen, auch deshalb, um seinen eigenen Willen zu prüfen. Und ich sehe immer wieder, wie groß das Menschen werden lässt. [Bitte nicht verwechseln mit absoluter Anpassungsfähigkeit an die Gesellschaft!]

    • Das Leben bis zum Anschlag leben … Auch das ist eine Möglichkeit, ja. Eine von vielen. Ich glaube, ich mag es, an meine Grenzen zu gehen. Wie ist es bei dir?

  3. Moin Sherry,
    dieses Mal muss ich gestehen, dass ich nicht so recht weiß, was ich schreiben soll. Dieser Text hinterlässt bei mir eine Leere und Nüchternheit. Er hinterlässt bei mir geradezu eine Traurigkeit gepaart mit Lähmung.
    Schönen Sonntag noch
    M.W.

    • Ich hab’ überlegt, warum das so sein könnte. Und ich kann das durchaus verstehen, dass dich der Text auf diese Art anspricht, die ich gar nicht so erwartet hätte. Aber ich kann’s auch nicht definieren. Vielleicht ist es die Mischung aus unumgänglichen Veränderungen und Desillusionierungen, bevor man wieder ein Stück weiter kann, bevor man wieder Glück empfinden kann – oder doch Zufriedenheit.

      Was ist es, was dich so leer zurücklässt?

    • Hm, ich denke, dass es zwei Sätze sind, die mich so empfinden lassen. Zum einen ist da: “Das Gewand der Angst muss einem Neuen weichen.” Das klingt für mich so, als wenn man nie die Angst überwinden könnte, als wenn sie immer zu jeder Zeit anwesend ist und das ist doch trauriges und hoffnungsloses Bild.
      Und dann: “Wenn ich muss, schaffe ich fast alles.” Das klingt als seiest du Dingen ausgeliefert, sie, wenn sie anfallen, erledigen zu müssen. Ein Zwang! Wäre es nicht viel schöner, wenn bei den Dingen, die man erledigt leidenschaft empfindet, Lust bekommt/ hat sie anzugehen.
      Natürlich sollte man sich selbst nicht betrügen und irgendwelche illusionen errichten, die keine sind, aber sollte man auch keine negativen Gedanken erzeugen.

    • Danke für die Erläuterung. Angst ist doch in verschiedenen Ausprägungen recht oft ein Begleiter, nicht wahr? Je nachdem, was man für Vorerfahrungen hat, ist sie bei dem einen stärker als beim anderen. Verlustsängste spielen da bei mir z.B. eine Rolle. Aber hoffnungslos ist das Bild nicht, finde ich. Alles, was davor und danach steht zeigt ja, dass sich vieles verbessert oder gar neu einkleidet.

      Was den Zwang angeht, da hast du auch sehr schön hingehört, lieber Winterschein. Aber auch das muss nicht immer schlimm sein. Man wächst sehr oft doch erst über sich hinaus, wenn es keinen anderen Ausweg oder keine Möglichkeit des Ausweichens gibt. Für mich ist es etwas Gutes, zu wissen, was ich alles schaffen kann. Das hat mich stärker gemacht.

    • Moin, ich hatte ganz vergessen dir zu antworten. entschuldige bitte.
      Ja, nun, wo ich den Text nochmal gelesen habe, sehe ich ihn auch deutlich positiver. Er erzählt einen Verwandlungs-/ Entstehungsprozess.

      Du hast sicherlich nicht unrecht, wenn du sagst, dass aus dem Zwang auch positive Dinge erwachsen, aber trotzdem mag ich dieses nicht so sonderlich. Muss es dann wirklich immer bis zum Zwang kommen? Kann man nicht eher für sich herausfinden, weshalb man das machen möchte oder wozu man das braucht um so die Motivation dafür zu finden? Das ist nun eine rein subjektive Sache von mir.
      Du sagst, dass es dich froh stimmt, wenn du darüber nachdenkst, was du alles schaffen kannst, aber wieso kannst du diese Dingen schaffen, bzw. unter welcher Voraussetzung kannst du etwas schaffen? Nur wenn du dich zwingst oder gezwungen wirst? Wäre es nicht besser Dinge aus freien Stücken zu bewerkstelligen?

    • … weil du manche Hürden erst dann überwinden kannst, wenn sie vor einem stehen, wenn überhaupt eine Notwendigkeit besteht, dass du sie überwindest, weil du erst von ihnen überrumpelst und in die Mangel genommen werden musst, damit du sie überhaupt einmal überleben musst. Es geht nicht um so kleine Dinge, die man auf einer Wiese, genug Zeit und der Freiheit, zu experimentieren, lernen und überwinden kann. Wovon ich spreche, ist etwas mehr, es heißt vielleicht “trotz allem überleben”. Es heißt “weitermachen”, auch wenn man denkt, es geht nicht mehr, einfach weil man muss, weil man Verantwortung hat, weil man sich einfach nicht ausklinken kann, weil viel davon abhängt. Das lernt man nicht ohne Zwang. Das lernt man nur unter Zwang, weil man freiwillig nicht auf die Idee kommt, so die Zähne zusammen zu beißen, wenn man nicht muss.

  4. Ich komme gerade von Apfelesserin, ihr eingestelltes Zitat von Kerouac erinnert mich nun an das was du hier beschreibst. Brennen für die Wahrheit oder sich für sie eintauschen wollen, das ist eine große Leidenschaft! Kompromisslosigkeit und Freiheit von allen eingepflanzten Moralitäten, neben Mut, braucht es wohl für solch ein Leben.
    Vielen Dank, liebe Sherry und habe einen feinen Sonntag
    herzlichst Ulli

    • Ja, liebe Ulli. “Sich eintauschen wollen” passt so gut. Doch diese Art zu leben ist schwer. Unsere eigene Freiheit würde in die offenen Wunden anderer greifen. Wir würden rücksichtslos werden, oder?

      Ich beschäftige mich im Moment mit introvertierten Menschen. Aber eher jenen, die nicht unter Schüchternheit leiden, sondern sich einfach nur nach Innen konzentrieren wollen, um ein bestimmtes Thema zu durchstoßen. Und ich glaube, dass wir Leidenschaft vielleicht dahingehend zu einseitig interpretiert haben, als dass wir sie mehr extrovertierten oder exzentrischen Menschen zugesprochen haben.

      Danke für deine Gedanken, liebe Ulli …

  5. LOSLASSEN ist eine der Lernübungen des Lebens, wie all die Menschen, die uns begegnen. Auch die Menschen die bei uns keine Emotionen ausloesen sagen uns etwas über uns selbst.
    Spannend was du schreibst, es erleben gerade viele Menschen. Es war aber wohl schon immer so, nur jetzt reden mehr drüber.

    • Oh ja. Das habe ich schon sehr früh – mit 13 oder so – erkannt, dass mir diese Loslassgeschichte noch ganz schön viele Schwierigkeiten bereiten wird. Gibt es Menschen, die bei mir keine Emotionen auslösen? Ich glaube nicht. Darüber muss ich noch mehr nachdenken. Danke, dass du mich darauf gebracht hast. Und gut, dass du hier geschrieben hast, denn ich habe deinen Blog nicht mehr gefunden.

    • ich machs wieder gut, aber es ist wie bei einem Sandsturm, manchmal ist es auch gut sich neu zu erfinden.

  6. Liebe Sherry,
    immer freue ich mich, wenn ich sehe, dass Du einen neuen Text eingestellt hast, Deine Gedanken mitteilst. Schon so oft haben sie mich sehr berührt, und nicht selten kannte ich recht ähnliche Erfahrungen, Ängste oder Wünsche.
    Dies ist wieder so ein Text (den ich außerdem zu einer Zeit lese, in der für mich etwas zerbrochen ist und wegfallen wird), der mitten in mein eigenes Erleben platzt, beinah, als hätte ich auf ihn gewartet. Auch bei mir gab es diese Vorzeichen, die Ahnung davon, dass eine Häutung bevorsteht. Aber dass es so schwerfällt, wenn man begriffen hat, dass es eigentlich schon längst geschehen ist, das Loslassen auf beiden Seiten.
    Dein wunderbarerText löst einerseits eine tiefe Resignation in mir aus; andererseits schenkt er mir (nicht nur) diesen Satz:
    “Immer weniger brauche ich zum Festhalten; und immer mehr Mut, um so zu leben, wie ich es für richtig halte.” Das trifft es genau!
    Danke Dir von Herzen!
    mb

    • Liebe mb …

      Das ist sehr erstaunlich. Es ist nicht das erste Mal, dass ein Text von mir zu einer bestimmten und passenden Zeit in deinem Leben entstanden ist. Ich hoffe, dass dich diese Häutung nicht all zu sehr in Anspruch nimmt, so dass du danach wieder etwas befreiter durch’s Leben gehen kannst. Sorgen muss ich mir keine machen, nicht wahr?

      Als ich den Satz “Immer weniger brauche ich zum Festhalten […]” geschrieben habe, habe ich sofort die Gefahr gespürt, dass ich hier vielleicht unehrlich sein könnte. Aber ich habe noch einmal nachgehorcht, und ich habe da eine Entwicklung gesehen, die mich eigentlich nichts anderes denken lassen kann, als dass ich immer weniger zum Festhalten brauche. Es gibt natürlich die Kernmenschen in meinem Leben, die ich niemals loslassen kann und auch werde, aber die sind inzwischen wirklich auf eine Hand voll reduziert. Menschen, bei denen ich weiß, dass sie genauso sehr mein Glück wollen wie ihr eigenes. Diese Balance ist mir inzwischen sehr wichtig.

      Ich danke dir für deine lieben und ehrlichen Zeilen, liebe mb. ❤

  7. Der von mb zitierte Satz war auch für mich derjenige, der mich am meiten angesprochen hat. Aber auch die Möglichkeit, dass manche Menschen einen “Verderben” können, und mehr noch vielleicht dieses Kribbeln, diese hoffnungsvolle, erwartungsfrohe, das mitschwingt in dem Text. 2013 wird ein sehr besonderes Jahr. Davon bin auch ich überzeugt. Und immer beginnt eine wirkliche Entwicklung mit Schmerz…

    • Als ich an Menschen gedacht habe, die einen “verderben” können, musste ich auch an M. Abramovic denken. Kennst du auch solche Menschen? Das Schöne ist eigentlich, dass man trotzdem begeisterungsfähig bleiben kann.

      Und Recht hast du, Entwicklung hat mit Schmerz zu tun. Allein deshalb, weil Wachstum immer mit Stretchen und Verändern und Haltungsänderung und Loslassen bei gleichzeitiger Anstrengung, ein Ziel zu erreichen, einhergeht. [Dabei ist das Ziel oft noch nicht einmal ein Bewusstes.]

  8. Die Balance von der Du in Deiner Antwort auf mb geschrieben hast, die ist ausschlaggebend. Aber es dauert, bis man das spürt, es akzeptiert, und häufig noch länger, bis man es umsetzen kann.
    Verderben und begeisterungsfähig sein, gehört für mich sogar zusammen. Vorbilder zu haben auch. Abramovic ist so ein “Vorbild”, wobei das Wort vielleicht nicht ganz richtig ist, ich will ihr ja nicht nacheifern, ich bin nur sehr dankbar, dass sie durch ihre Kunst, ihr Leben, Türen für mich öffnet, mir Einsichten ermöglicht, die mein eigenes Leben u.U. verändern können.
    Persönlich ist es noch etwas anderes. Das sind die seltenen Momente, in denen man Menschen begegnet, die ganz in ihrer Sache aufgehen, die so in sich ruhen, dass man sich dieser Kraft und Energie gar nicht entziehen kann und beinahe unwillkürlich einen Teil davon mitnimmt.
    Erstaunlich wie parallel bei den Wachstumsschmerzen körperliche und seelische Vorgänge verlaufen, oder?

    • Ja, das stimmt. Überhaupt die Fähigkeit, sich sogar noch nach der Pubertät von Menschen “verderben” zu lassen hat mit Begeisterungsfähigkeit zu tun. Ich meinte aber die Begeisterungsfähigkeit, nachdem man in einem gewissen Bereich “verdorben” worden ist. Ich hätte intuitiv gedacht, dass die dann abhanden kommt, weil man so sehr auf eine bestimmte Person geprägt ist, aber dem ist nicht so, und das ist beruhigend. [Zumindest nicht, wenn die Prägung einen positiven Charakter hat.]

      Ich weiß, was du mit Vorbild meinst. Nicht, dass man dem, was die Person “erschafft”, nacheifern würde, aber vielleicht in der Disziplin, Haltung und Leidenschaft, die dabei mitschwingt. Ich werde niemals Aktionskünstlerin, aber Abramovic ist trotzdem ein Vorbild.

      Zu deiner letzten Frage: Oh ja. Es ist erstaunlich. Gut ist, wenn man diese Schmerzen direkt am Anfang durch Reflektion positiv interpretieren kann im Sinne von “Das geht vorbei und ist notwendig” … Das kann man leider nicht bei allen Schmerzen. Nicht wahr? …

  9. “Ich will nur noch begegnen in dem Wissen, dass Trennungen dazu gehören”.
    Ein radikales Begehren, das viel Mut erfordert. Wenn es gelingt, bekommen Beziehungen eine neue Qualität.

    Ja Sherry, “diese Art von Mensch” brauchen wir alle. Die lebendig geblieben sind, die sich immer wieder auf die Suche machen und an denen wir uns iwieder entzünden können. Für mich bist du auch diese Art von Mensch. :-) <3

    • “an denen wir uns immer wieder entzünden können” – Das ist ja mal ein Satz, Mika. So ist es nämlich! Danke. ❤

  10. Ich habe lange Zeit nach der Trennung meiner ersten Beziehung gedacht, der Mann habe mich für andere verdorben. Ich war damals sehr jung und er um Einiges älter. Das war die Schattenseite dessen, was Du hier beschrieben hast.

    • Das stimmt, liebe Dysbalance. An diesen Fall habe ich übrigens auch gedacht. Hast du dich denn davon erholen können? [Wenn ich fragen darf.]

  11. ich hab bei der beschreibung mit verderben und prägen an schlechte eltern gedacht. eltern die kindern auch noch ins späte alter die möglichkeit versauen gute erfahrungen zu machen einfach durch die brille die sie ihnen aufgesetzt haben…..
    ich seh in deinem text sehr positve veränderungen aber ich sehe auch, dass die mit viel mühe und schweiss erkämpft sind.

    • Auch das stimmt, lieber Darks. Es gibt natürlich auch diese negativen Prägungen, die Menschen in ihren Beziehungen und in der Selbst- und Weltwahrnehmung so dermaßen “verderben”, dass sie Schwierigkeiten haben, glücklich zu werden. Ja, die Veränderungen gehen mit Schweiß einher.

    • Danke, dass du es gelesen hast, liebe Apfelesserin. Übrigens finde ich es schade, dass ich deine eigenen tollen Zeilen nicht mehr lesen kann. Aber ich kann deine Entscheidung nachvollziehen … Wären mir meine Texte wichtig oder hätte ich irgendwie vor, sie zu veröffentlichen, wüsste ich auch nicht, wie ich vorgehen soll.

      Ich habe meine Texte übrigens schon in übersetzter Form und als “eigenes Werk” ausgegeben im World Wide Web wiederfinden dürfen. Das war nicht schön.

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