Über mich

Schon als kleines Mädchen war ich sehr empfänglich für die Stimmungen der Menschen um mich herum. Noch lange nach einem zwischenmenschlichen Ereignis dachte ich über die Akteure nach, verinnerlichte ihre Mimik, die stumme Sprache ihrer Augen und ihr Gesagtes. Ich empfand, was sie empfanden. Ich dachte, was sie dachten. Ich erklärte die Welt aus ihrer Perspektive heraus und litt, worunter sie litten. Und das länger, als es einem kleinen Mädchen gut tat.

Als ich dann in der Grundschule endlich das Schreiben lernte, erkannte ich schnell, dass Stift und Papier meine Rettung sein würden. All die ineinander verwobenen Eindrücke, die mich zuweilen in meiner kindlichen Machtlosigkeit überfluteten, würden nun durch das Konstrukt der Sprache, in Kohärenz und Sinn geformt werden. Also packte ich zu Stift und Papier und begann, die Welt aus meinen Augen zu beschreiben und landete dabei immer öfter bei mir selbst. Anfangs darüber enttäuscht, erkannte ich sehr bald, dass – bevor ich mich an die Welt und Euch herantraue – ich die Miniaturausgabe dieser Welt zumindest ein bisschen verstehen sollte: nämlich mich selbst.

An beiden scheitere ich noch heute. Weder die Welt, noch Euch, noch mich verstehe ich. Aber das ist nicht mehr so schlimm wie damals. Die Leidenschaft meines Wunsches nach Erkenntnis, ließ mich zwar nicht die Weltformel entdecken, aber wenigstens ein paar Zeilen formulieren, in denen auch Ihr Euch in einsamen Nächten wieder finden könnt. Für mich ist das schön, wenn wir gemeinsam ähnlich fühlen. Es erwärmt mich wie ein Lagerfeuer, bei dem wir zusammen sitzen und das selbe Lied singen. Ich hoffe, ich kann Euch geben, was Ihr mir gebt, wenn Ihr mich lest und versteht. Also bitte, seid meine Gäste.