Über Sherry

Eine Symbiose zwischen vielen Dingen, die nicht zueinander passen.

Wiegenlied

Dunkle Augen rollen
auf Pflastersteine
Füße folgen ihren Sinnen
Äxte fallen in harte Hände,
die Freigedanken zu Boden fällen

Rote Tauben krähen ihr Lied
„Ihre Wurzeln brennen
im Feuer (der Rache),
doch sterben werden sie nicht –
denn dort, wo diese Kriege beben,
die Zukunft ihrer Kinder
im Sterben liegt.“

Zepter fliegen
über hängende Köpfe
Und nur die Frauen schreien
Denn überall – von West bis Ost –
vergehen die Männer im Krieg

Die Großmutter singt
ein altes Wiegenlied
Doch die Kinder misstrauen
ihm

Sie schlafen
mit einem Auge nur
doch mit dem anderen
lieber nie
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Nächtliches Gedankendrängen

Und dann, irgendwann, sprichst du über den Tod, als sei er eine Person, die es dir heimzahlen will. Heimzahlen, weil du das andere Ende seiner Existenz bist, weil du sorglos warst und dennoch achtlos mit dir und deiner Zeit. Und dann, irgendwann, hast du Angst, ihn zu provozieren. Mit deinem Lachen und dem Zerwürfnis mit der Realität – deiner lächerlichen Zuversicht. „Akzeptanz ist die höchste Bedingung des Werdens“, sagst du dir. Akzeptiere, egal, was kommst, denn es kommt so oder so; und dann wirst du. So oder so.

* * *

Unsere Schmerzen werfen immer längere Schatten in die Kulissen, die wir uns einst erbaut. Und wir begegnen einander und tun so, als würden wir weder selbst diese Schatten werfen noch unser Gegenüber. Das nennen wir Höflichkeit (oder Einsamkeit). Weiterlesen

Zurückweisungen: Das malträtierte Kind in uns

Zurückweisungen. Warum sie uns treffen und warum wir bei der nächsten Gelegenheit eine ähnlich geartete Beziehung suchen, nur um dem Schicksal die Möglichkeit geben, uns doch noch ein Happy End zu bescheren. Im Grunde wollen wir so den Gegenbeweis erfahren, dass die vorangegangenen Verletzungen und Demütigungen nichts mit uns und unserer Wertig- und Liebenswürdigkeit zu tun haben. So entstehen die tragischen Geschichten von jungen Frauen, die nach jeder Beziehung einer noch stärkere Überzeichung ihres Ex-Freundes hinterher jagen. Egal, wie berüchtigt diese für ihre grobe Natur auch waren, die Schuld suchen die Zurückgewiesenen sehr häufig bei ihrem eigenen „Minderwert“. Spekulierte man über Ursprungserfahrung, würde ein Analytiker vielleicht behaupten, dass die erste Zurückweisung die des Vaters war – und alle folgenden Beziehungen der Versuch des Kleinkindes, seinen eigenen Wert zu spüren oder noch tragischer: wiederherzustellen. Weiterlesen

Sprache

Ich kann deine Sprachlosigkeit verstehen. Es ist, als würdest du nur in die Luft greifen, auch wenn die Essenz, die du pflücken und verschenken willst, sich vor deinen Augen auszieht und sich dann deinen Händen entzieht. Sprache ermöglicht uns die Verhandlung im und um den Alltag, aber sie beschneidet uns auch gleich den Sandkastenbackformen, die aus einer ineinander ruhenden Einheit aus Sand, kleine abgehackte Kästen schmieden. Doch wir haben keine andere Wahl. Da gibt es nur das Wort und das Bild oder die harte Mechanik eines Instrumentes, das eine Melodie zu dem Schleier macht, dem du in die Ferne folgen willst und doch nicht kannst, fehlen dir doch die Flügel. Die größte aller Sprachen bleibt wohl immer die Liebe. Sie zerberstet zwar die Brust vor Freude und vor Schmerz, aber sie bleibt meistens doch ganz still.

Suchen

Zum Wort anhalten und am Ende doch innehalten. Das Meiste unausgesprochen liegen lassen und das Unwichtigste ausgiebig (hin)ausführen. Das Dinghafte überbewerten und sich nach der Schönheit einer Seele sehnen. Die Nähe wollen, aber bei jeder Wärme das Weite suchen. Nachts von einem erfüllten Leben träumen, doch tagsüber jedes lächelnde Gesicht übergehen. Am Ende des Tages die Frage stellen, was man denn falsch mache und die Antwort in einer schnellen Nacht (ver)suchen.

Gedankenkreise anhalten

Letztens habe ich daran gedacht, dass das Leben kurz ist; und beunruhigt wurde mir bewusst, dass wir eindrittel unseres Tages einfach schlafen. Wie gut, dass ich zumindest ein paar aufregende Träume habe – und dennoch: Mit fortschreitender Reife meldet sich der Druck, (noch) mehr vom Leben mitzunehmen und sich hinzugeben. Hingabe und Druck beißen einander, schalten sich gegenseitig aus, das funktioniert nicht. Und Hingabe und Mitnahme können miteinander funktionieren, aber nur mit der richtigen Haltung. Nimmt man zu viel, sind Arme und Hände durch das Greifen und Halten verschlossen. Sind sie verschlossen, ist die Hingabe blockiert; denn dazu bedarf es des Mutes, schutzlos und mit offenen Armen all dem gegenüber zu stehen, das man wirklich sehen wollte. (Sehen im Sinne einer echten Berührung und Verbindung). Weiterlesen

Wir müssen nicht

Wir müssen nicht jede Emotion zu Ende fühlen und uns fragen, was sie zu bedeuten hat. Und eine Erklärung für sie gefunden zu haben, heißt nicht, dass man die Richtige gefunden hat. Wir erklären uns selbst dieses und jenes, um Ruhe zu finden, nicht um die wahrhaftigen Ursachen zu verfolgen. Insgeheim wissen wir das; denn die Ausgangsfrage ist aussichtslos unlösbar und die Lebenszeit zu knapp. Um das Leben zu sehen, zu spüren, anzufassen und manchmal sogar zu pflücken, brauchen wir Pause von uns selbst und nicht immer mehr davon. Loslassen gilt nicht nur für Probleme, Menschen und die Vergangenheit. Loslassen gilt auch einem selbst.