Und wir schlafen

Der Tag ist kühl. Große Felder weiten sich. Die Sterne kommen zu Besuch und spielen Verstecken mit mir, doch ich find’ sie nicht. Kristallklar ist die Nacht, die auf mich wartet. Verschwiegen ist meine Zuneigung und voller Angst, vom Wunsch nach Einheit zum Besitzdenken zu gleiten. Mein Jähzorn ist außer Gefecht gesetzt. Nie gefundene Gefühle werden zu greifbaren Gedanken. Ich lasse sie wachsen, sich zu Wolken erheben und an mir vorbeiziehen, als seien sie nicht nur mein, sondern gehörten uns allen. Loslassen – das ist die größte Herausforderung meines Lebens. Ich sitze in Gedanken auf dieser Spätsommerwiese, die Luft riecht nach Gewitter, der Wind durchweht alles, was ich an Kopf und Leib habe. Ich vermisse niemanden, niemanden, nur manchmal uns alle zusammen. Ich versuche mich in den Tautropfen der Grashalme zu sehen und erkenne mich nicht wieder. Wann bin ich zu einer jungen Frau geworden, und wann habe ich das kleine Mädchen verlassen? Wann bin ich aus den Locken rausgewachsen, und wann habe ich von der Suche nach meinem Glück abgelassen? Nicht jeder Nachtgedanke ist richtig, aber er ist nah an meinem Bauch, dem Zentrum meines Wesens. Dort, wo alles sich zusammenzieht vor Sehnsucht oder die Liebe sich zu aller erst meldet. Wenn ich singen könnte, ich würde uns freisingen, bis das Universum vor meiner Wut und vor meiner Freiheitsliebe kapituliert und seine schiefen Gesetze in Ordnung bringt. Und der Satz kommt immer wieder hoch in mir. “Wenn es etwas gibt, das der Vollkommenheit am Nächsten ist, dann ist es doch wirklich die Musik …” Weiterlesen

[Assoziativ] Leben wir wohl damit

Vier Leben hatte sie verbrannt. Vier Leben hatten sie verbrannt. Es gibt nichts, was man verschweigen könnte, was einem nicht doch die Augen runterlief wie eine gesteinigte Seele, in sich zusammengefaltet wie ein enger Sarg in der Tiefe der Meere, verschlossen wie das dunkelhaarige Kind mit den traurigen Puppen in der Hand, die sie immer und immer wieder fallen ließ. Was wir nicht wissen ist immer das Selbe. Der Kern der Erkenntnis verflüchtigt sich mit dem Versuch, unseren Blick nach Innen durch uns durch zu richten. Doch was ist da? Freud mystifizierte uns, sagte, in uns sei eine unbewusste Welt, ein nicht sichtbares Universum. Und deshalb fühlen wir uns noch magisch von seinen Sätzen angezogen und verteufeln die kalten Wissenschaften, die uns unmystisch darstellen. Aber was wir nie begriffen haben ist: er hat uns als absolut triebgesteuert gesehen, weniger wert als unser Verstand, mehr ruht da nicht, da in den Tiefen, dem Unbewussten, sagt Freud. Weiterlesen