Alltagsobsessionen

Wenn Pflichten mir den Kopf verschleißen, das Leben zu einem Wettrennen um jeden To-Do-Punkt wird und ein Stapel nach dem Nächsten abgearbeitet und wieder aufgetürmt werden muss, mache ich mir mit aller Gewalt eine Nische frei, die nur mir gehört. Zugang finden die wenigsten dazu, sollen sie auch nicht. Die Exzesse, die ich in dieser Nische auslebe, soll niemand verstehen. Meistens bleiben sie auch unauffällig und leise. Oft verbeiße ich mich einfach nur in ein Thema, das keine großen Ressourcen raubt, und ich werde zu einer kleinen Expertin darin. Oder ich beschäftige mich in meinen Pausen mit der Lösung hypothetischer Probleme, bis die Lösungen bei verschiedenen Problemstellungen immer schneller hervorkommen. Oder ich fange an, ein paar anatomische Strukturen in Name, Lokalisation und ihrer Funktion auswendig zu lernen und stelle mir zu jedem Bereich eine prägnante Geschichte vor. Oder ich vertiefe mich in eine Serie und identifiziere mich so stark mit einer bestimmten Rolle, dass sie mir Kraft gibt, um meinen belastenden Alltag zu bewältigen. Nach fünfzehn Jahren Deodorants und dem selben BodyShop Parfüm, habe ich urplötzlich entschieden, in jeder mir hart erkämpften freien Minute herauszufinden, welche(s) Parfum(s) der Richtige für mich ist. Schon war ich in meiner Nische, in der kleinen Obsession, die ich brauche, um meine Triebwerke in Stand zu halten.

Ich habe sämtliche Douglas Verkäuferinnen zur Verzweiflung gebracht, ich habe Kaffeebohnen gefordert, um nach dem Riechen des einen Parfums die Nase mit ihnen neutralisieren zu können. Und ich habe selbst ernannte Duftexpertinnen freundlich während ihrer Ausführungen korrigiert. Vor kurzem noch wusste ich rein gar nichts – wirklich gar nichts – über Parfums. Ich wusste, dass sie sehr chique Markennamen tragen, und jedes Parfum ein Image hat. Das Image ging mir immer auf die Nerven. Diese Frauen hatten nichts mit mir gemein, also wollte ich auch ihre Parfums nicht. Aber jetzt weiß ich fast alles. Alle Duftstoffe, was sie für Noten haben, ob sie in der Basis, der Mitte oder im Kopf des Duftes liegen, was ihre Haltbarkeit ausmacht, wie man Düfte destilliert und ihnen den Charakter verleiht, den sie brauchen, um betörend zu wirken – und ich habe eine sehr feine Idee darüber, welche Art von Parfum zu welchem Temperament passt. Ich möchte jetzt meine Wahl zeigen, von der zwei sich vollständig glücklich in mein Wesen legen und zwei mir noch einige Schuhgrößen zu groß sind. Ein Duft wird noch hinzukommen, dann habe ich ein Parfum für besondere Tage, Jahreszeiten und Situationen.

Am Besten zu mir passt „Sí“ von Armani. Es riecht regelrecht nach persischen Zutaten in einem süßlichen Gericht oder persisches Eis mit Safran und Rosenwasser oder Faloodeh. Safran, Vanille, leicht Zitrone – für meine Nase ist alles dabei, was sich heimisch anfühlt. Und dennoch ist es nicht schwer, es fliegt leicht um mich herum. Ich will dem Duft folgen und kann ihn nicht greifen, dafür freue ich mich über jede Brise, auf der sie sich zu meiner Nase tragen lässt. Alle anderen drei sind von Thierry Mugler. „Angel“ und „Alien Absolue“ sind zwei Nummern zu groß für mich – noch. Aber zum Ausgehen kann ich sie schon tragen. Das „Alien“ im lila Flacon hingegen passt wunderbar zu mir. Es ist eine kleine Diva, aber eine junge und unbeholfene. Hihi. Voilà …




Monster abzugeben

Nein, das ist nicht die Masterarbeit, das ist ein ganz normales Diagnostisches Gutachten für eine Klientin, das wir im Rahmen des Studiums erstellen müssen. Sind ja nur achtzig Seiten, also umfangreicher als meine Bachelorarbeit. Diese Leistungen müssen wir nebenher erbringen. Neben Praktika, Präsentationen, weiteren Hausarbeiten, Klausuren, Hausaufgaben und Seminaren mit Anwesenheitspflicht. Es ist wirklich an der Zeit, dass die Uni bald zu Ende geht.

[Ohne Titel]

Das bricht mir ja schon manchmal das Herz, wenn ich Hunde ganz brav, konzentriert und hoffnungsvoll warten sehe. Als würden sie kurz denken, dass Herrchen oder Frauchen diesmal vielleicht doch nicht wieder zurück kommen werden …

Orchideen

Früher waren Blumen für mich einfach nur hübsch, ich konnte nicht wirklich etwas mit ihnen anfangen. Seit ich mir Grünes und Blühendes durch das Fotografieren genauer ansehe, verliebe ich mich immer mehr in die filigrane Kunst, zu der die Natur fähig ist. Ich habe mich nun entschieden: Die Orchidee ist meine absolute Lieblingsblume. Ich habe eine leise Ahnung, warum das so ist, aber ich kann es noch nicht ausformulieren. Hier, drei Versionen, die ihr immer noch nicht gerecht werden und die nicht vermitteln können, wie ich sie sehe. Danke, Geliebter, für dieses schöne Geschenk. Ich ich bin vernarrt in sie.