Kleine Geschenke

Nach meiner kleinen kreativen Phase, die Euch die letzten Tage vermutlich mal genervt, mal erfreut hat, schlug die totale Verkopfung wieder zu. Mein Kopf dachte systematisch, Distraktoren wurden mit aller Kraft ausselektiert und nicht mehr semantisch verarbeitet, das Verspielte wich der erzwungenen Klarheit – und meinem fokussierendes Hirnorgan entging nichts Relevantes (trotz meines sympathischen ADS). Alles klappte wie am Schnürchen.

Je zwangloser meine kreative Phase sich austobte, desto schwerer fiel es mir, einigen Aufgaben meiner Arbeit und meines Studiums gerecht zu werden. Ich soll Daten auswerten, während jedes Alpha, Beta und jede Effektstärke eine neue Geschichte in meinem Kopf fluktuieren ließ? Das ging nicht. Ich sollte für die Forschungsarbeit präzise Sätze formulieren, wenn ich dazu neigte, das zu erforschende psychologische Konstrukt nach Lust und Laune zu bewerten und nicht etwa nach der psychodiagnostischen Schablone zu gehen? Völlig unmöglich. Also lieber Verkopfungsstrategien anwenden (brutal, sag’ ich Euch!) Am anderen Ufer gelandet – also an der Kopfseite meines Geistes (und glaubt mir, das Wort “Geist” hätte ich vorhin nicht verwendet, weil ja unwissenschaftlich. Höhö!), versuchte ich mein Herz aus’m Kopf zu schieben. Ächzend, keuchend, oft auch zwecklos – heute mal nicht.

Aber dann machte er mir einen Strich durch die Rechnung. Wie so oft, wenn ich angespannt wirkte. Mit diesen beiden bunten Schmuckstücken da unten in der Hand, kam er auf mich zu, lächelte unsicher ob der knalligen Farben und zerstörte meine ganze Streiterei zwischen uns drei (Ich, Herz, Kopf) auf einem Schlag! All die Alphas, Betas und Effektstärken waren kurz verschwunden. Ich strahlte die Pinkheit meiner Freude durch die ganze Atmosphäre, um danach summend und mit mir versöhnt meine Aufgaben erledigen zu können. Mein Baby ist der Beste. Im Ernst. Er weiß Bescheid. Er weiß, dass ich mit Herz und Kopf zusammen zwar etwas länger brauche als nur mit dem Kopf, aber dass die Resultate meiner Arbeit dann umso lebendiger sind. Und darum soll’s in der Psychologie doch gehen, oder? Um das Leben.

Freiheit ist…

…wenn man ohne den Liebsten in die Stadt geht und Zeit hat, sich alles Schöne anzuschauen und zu kaufen, ohne dass man gefragt wird: “Wozu brauchst Du das?” Ja nun, wozu brauche ich zwei Halstücher? Falsche Frage. Gar nicht, sie sind einfach schön. Wozu neuen Nagellack? Gar nicht, die Farben haben mich entführt. Wozu ein neues Parfum? Nun, ich wollte es so. Ich versuche, mich gerade mit “Be Delicious” von DKNY anzufreunden. Ich bin eher der süßliche Typ, der hier ist eher fruchtig. Mal schauen, wie lange das gut geht. Und doch, ich hätte eine super Antwort für den Liebsten parat gehabt: “Ich hatte ein Douglas Gutschein, Schatz. Von Dir, Du, Selbst.”

Wenn's gleich nach der Bestellung klingelt…

…dann kann es sich nur um die Zalandobestellung handeln. Ich weiß auch, warum. Die wollen uns Frauen den normalen Kaufrauschkick in der Stadt vortäuschen, so als sei es gar kein Unterschied, ob wir in die Stadt rennen und uns Schnickschnacks kaufen oder eben per Bestellung. Ich finde den Bestellvorgang manchmal fast schöner als die Kaufattacken in der Stadt. Sie sind weniger wahllos. “Gezielter”, wie Pepe jetzt sagen würde. Er hat ja eigentlich eine unfassbare Geduld mit mir, wenn wir rausgehen. Ich bleibe nämlich nicht nur an Ladyzeugs hängen, sondern auch an Technikläden. Also gleich doppeltgemoppelt. Deshalb höre ich ihn beim Shopping immer sagen “Versuch’, gezielt zu sein. Gezieeeelt.” Tss. Leichter gesagt, als getan. Während er bei den Soundsystemen und 3-D-Fernseher hängenbleibt, um sich immer wieder zu bestätigen, dass unserer der Bessere ist, aber ein Soundsystem ja auch nicht schlecht wäre (wer braucht das schon? Hauptsache, die Bildfarben stimmen) – zieht’s mich immer wieder in die Notebook- und Konsolenabteilung.

Oh, jetzt bin ich wieder voll abgeschweift. Heute kamen drei Paar Schuhe an. Ich habe nur dieses Paar abfotografiert, weil es so zu meinem neuen taubengraublauen Dior Nagellack passt, den meine Cousine mir zum Geburtstag gekauft hat. Das andere Paar ist grau und super schön, muss ich aber leider zurück schicken, weil sie mir zu groß sind. Jedesmal, wenn ich Schuhe bestelle (und das ist übrigens sehr selten der Fall und ich das auch nur getan habe, weil ich in der Stadt “Schuhe gucken” für Zeitverschwendung halte und lieber zum MediaMarkt gehe), kann ich nicht glauben, dass ich bei 1,70m wirklich nur Schuhgröße 38 habe. Also bestelle ich sie meistens eine Nummer größer. Bei manchen Schuhen geht das. Bei super bequemen, nirgends anbeißenden Blowfish-Ballerinas geht das aber nicht. Die sind nämlich darauf ausgerichtet, dass man sie beim Gehen und Tragen gar nicht erst spürt. Das heißt dann auch: Sowenig Gummi und Zwickelemente wie möglich, was sie wiederum etwas “weiter” werden lässt. Genug geredet, oder? Die Fotos, okay. Meine aller ersten blauen Schuhe. Ich hatte noch nie welche. Die hätte ich auch nie geholt, wenn da der orientalische Klunker nicht drauf wäre. Oh Mann:

Ich frage mich, wann die Affinität für echte Frauenschuhe (High Heels) endlich mal auch mich packen kommt. Ich finde High Heels strotzen nur so vor “divenhafter Kompetenz”, der ich noch nicht gewachsen bin. Außerdem machen sie den Rücken kaputt. Aber ich finde, für wirklich feine Anlässe, sollte auch ich mich dieser unmenschlichen Unbequemlichkeit fügen. Manche Frauen behaupten (und ich glaube ihnen das auf’s Wort), dass sie gar nicht mehr auf normalen Schuhen gehen können. Anscheinend hat sich ihre Schon- und Kompensationshaltung auf Basis von propriozeptischen Informationen so dermaßen manifestiert, dass sie ohne diese Pumpsbelastung einfach komplett unbequem rumlaufen. Ha-ha-ha. So.

Chanel Steel & Chanel Strong

Und wo kriegt man das nun her? Ich habe keine Lust, zu recherchieren, weil ich überhaupt nicht herausfinden möchte, wo man das kaufen kann, weil die Farbe ist mir einfach viel zu schön. Und was, wenn ich dann direkt zehn Stück davon kaufe? Uns Pleitemachen sollte auch Grenzen haben. Findet Ihr nicht? Warum macht Chanel solche abgefuckt-geilen Farben? Ich krieg’ zuviel. Ich sag’s Euch jetzt schon: Das Schmuckstück wird mich heute Nacht noch in meinen Träumen verfolgen. Verdammte, scheiß Konsum- und Farbsucht!




Quelle: http://www.temptalia.com

Mein SssaaatzZz

Das sind im Moment meine Lieblingsnagellacke. Die zwei Chanels (505 & 509) konnte ich nicht originalgetreu abfotografieren, weil meine Belichtung zu orange-lastig ist und die Farben zu sehr mattiert. Am Besten sind die Pinsel von E-S-P-R-I-T. Die sind richtig breit, und wenn man sie auf den Nagel drückt, um die Farbe zu verstreichen, nimmt es genau die Größe eines weiblichen Nagels an. Effekt: Keine Streifen, kein Vermalen, kein gar nichts. Außerdem trocknen sie sehr schnell. Der von Manhatten aber auch.

Collection Manhatten

ESPRIT

Chanel 509 Paradoxal

Das ist der nächste kleine Schatz, den ich mir gönnen werde. Und zwar dann, wenn er wieder “lieferbar” ist. Harte Arbeit, Studium, gut gemeisterter Alltag müssen belohnt werden, wie ich finde. Und da ich seit langem schon nicht mehr bei Belohnungswünschen zur Schokolade greife…

Chanel 509 Paradoxal

Chanel 509

Dazu diese Lidschattenkombination:

Loreal

Chanel 505 Particulière

Ja, dieser komisch anmutende Nagellack könnten manche als farblos und hässlich bezeichnen – oder aber einfach nur als dezent, ungewöhnlich und edelgräulich – und dennoch verspielt. Ich gehöre zu denen, die von dieser irgendwie neuartigen Farbe fasziniert ist. Den Nagellack habe ich an den Fingern einer Kollegin gesehen und er schimmerte unter dem Grau leicht lila. Ich fragte sie, was für einer das sei und sie erzählte mir, dass es ein unverschämt teuerer von Chanel sei. Ich habe die Augen verdreht und habe mir nichts mehr dabei gedacht. Doch die begeisterten kleinen Frauenhände, die diesen Nagellack tragen, häufen sich immer mehr. Jetzt geht mir das verflixte Ding nicht mehr aus dem Kopf. Obwohl ich gerade mit meinen natürlich gehaltenen Frenchnägeln sehr zufrieden bin, reizt mich diese Farbe. Aber zu den letzten Sonnenstrahlen des Spätsommers passt sie noch nicht. Also warte ich auf den warm- und grautönigen Herbst.