Wiegenlied

Dunkle Augen rollen
auf Pflastersteine
Füße folgen ihren Sinnen
Äxte fallen in harte Hände,
die Freigedanken zu Boden fällen

Rote Tauben krähen ihr Lied
„Ihre Wurzeln brennen
im Feuer (der Rache),
doch sterben werden sie nicht –
denn dort, wo diese Kriege beben,
die Zukunft ihrer Kinder
im Sterben liegt.“

Zepter fliegen
über hängende Köpfe
Und nur die Frauen schreien
Denn überall – von West bis Ost –
vergehen die Männer im Krieg

Die Großmutter singt
ein altes Wiegenlied
Doch die Kinder misstrauen
ihm

Sie schlafen
mit einem Auge nur
doch mit dem anderen
lieber nie
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Rastlos

Warum immer ich es bin
die keine Rast findet
Warum meine Träume zu
jedermanns Ängsten werden
und nicht wie einst
Märchen malen

Ein gedankenloses Gähnen
verwandelt sich
in einen rissigen Rachen
Ich möchte doch nur
„Gute Nacht“ murmeln
Die Lider schließen
„Danke“ seufzen
und Ruhe finden

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An der Tür

Deine Wegweiser
suchen Zuflucht
in einen einzigen Moment
ohne Fragen
Lass kurz ab
Sei still

Du erschaffst Teufelskreise
in Gedankenfarben
Die Farben leiten andere
doch du selbst bist
farbenblind

Die Tage zählen
deine Stunden
Wenn ein Kind dann lacht
und du es hörst
war niemals alles
einfach nur Nichts

Sobald du willst
vergib dir selbst
Jemand wartet
an der Tür gelehnt
er lächelt
bis du dich endlich
liebst

Nicht …

Da redest du. So, wie du nun einmal bist – so ganz und gar am Puls der Gegenwart vorbei. Da sind Worte, die sprichst du kraftvoll und doch nur mit kalter Zuversicht. Neben dir ein Drama. Hinter dir eine ungewollte Zukunft. Vor dir die Verzweiflung. Doch all das interessiert dich nicht. Deine Hände gestikulieren, während deine Augen hilflos in deinem Schoß liegen. Wohin du auch gehst, hinterlässt du Fragen. Doch Antworten? Die gibt es nicht. Was auch immer du tust, deine Heimat suchst du am falschen Ort. Doch die Heimat, die zu dir kam und um Obdach bat, die willst du nicht. Wir schnüffeln an der Vergangenheit wie Seemänner an ihrem letzten Atemzug in einem sinkenden Schiff. Doch unser Erstickungskampf währt ewig. Die Sirenen schweigen schwer, denn dich zu verführen, dass gelingt ihnen nicht. Lass uns schlafen, Geliebter. Müde bist du. Ein wenig vergessen und das Leben liegen lassen. Für alles andere gibt es dieses unvollendete Gedicht.

Der alte Mann

Wir hatten nur diesen einen Tag
Er zerrieselte uns
durch offene Hände
Wer das Festhalten
nicht versteht
der kennt unseren
Überlebenskampf nicht

Manchmal – spät
in der kühlen Weinschenke
spricht ein alter Mann zu mir
Sonst hört ihn niemand
denn alle schauen tief
in ihre hundert Gläser Wein
immer nur zurück
doch nie ins Hier

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