Atheismus

Als Atheismus wird die weltanschauliche Grundhaltung des Nichtglaubens bzw. des Fehlens eines Glaubens an einen Gott bezeichnet („glauben“ im Sinne von „annehmen“, „für wahr halten“). Atheismus kann mit der ausdrücklichen Verneinung der Existenz einer Gottheit (oder mehrerer Götter) und transzendenter Wesen allgemein einhergehen (siehe Atheologie). Der Begriff „Atheismus“ leitet sich vom altgriechischen Adjektiv „ἄθεος“ („átheos“) ab und bedeutet wörtlich: „ohne Gott“ (Alpha privativum ἄ + θεός (theós) = Gott). In seiner latinisierten Form tauchte der Begriff wohl erstmals bei Cicero auf. Im deutschen Schrifttum erschien das Wort in lateinischer Form ab Ende des 16. Jahrhunderts, ab Beginn des 18. Jahrhunderts gilt es als eingedeutscht.

Die Bezeichnung „átheos“ war lange Zeit ein Kampfbegriff, der von den Nicht-Gläubigen zunächst nicht übernommen wurde. Es handelte sich um eine abwertende Wortschöpfung, die von den sich als rechtgläubig Bezeichnenden gegen angeblich oder wirklich Ungläubige benutzt wurde. Atheismus wurde im Sinne von „gottlos“ auf Anschauungen angewendet, die im Konflikt mit den etablierten Religionen standen. Vielfach wurden religiöse Strömungen mit eigenen neuen Gottesvorstellungen als atheistisch bezeichnet, beispielsweise wurden die ersten Vertreter der großen monotheistischen Religionen des Christentums, des Islams und des Judentums teilweise von ihren polytheistischen Gegnern als Atheisten qualifiziert.

Heute wird die Bezeichnung „Atheismus“ tendenziell weniger abwertend verwendet. Im philosophischen Diskurs ist „Atheismus“ ein wertneutraler Begriff. Sein direkter Gegenpart ist der Theismus.

Als eine gute Unterscheidung gilt hier allgemein die zwischen schwachem (negativem, implizitem) und starkem (positivem, explizitem) Atheismus. Die Unterscheidung liegt im Unterschied der beiden Aussagen:


Ich bin nicht überzeugt, dass es Götter gibt. (= schwacher Atheismus)
Ich bin überzeugt, dass es keine Götter gibt. (= starker Atheismus)


Schwacher Atheismus

Der schwache Atheismus kommt ohne den Glauben an Götter aus, verneint jedoch nicht die Möglichkeit der Existenz von Göttern. Dabei werden verschiedene Begründungen geltend gemacht:

* Pragmatischer Atheismus: Dieser behauptet, dass eine Erklärung der Welt auch ohne Annahme von Göttern auskomme. Die Existenz von Göttern wird zwar nicht ausgeschlossen, aber die Vorstellung, sie würden existieren, wird als unnötig oder unnütz bezeichnet. Ein Pragmatiker (Alltagsbegriff) und Pragmatist (Philosophie) ist jemand, der die Wahrheit von Dingen nach ihrer praktischen Bewährung und ihrem Nutzen für die Praxis beurteilt. Gott oder Götter sind für viele Pragmatiker und Pragmatisten (wenn auch nicht für alle) unnütz, weil sie bei der Beurteilung und Erklärung der Welt aus ihrer Sicht keinen Nutzen bieten.

* Agnostizismus: Dieser behauptet, dass Götter mit den Mitteln menschlicher Vernunft nicht erkennbar seien (intelligibler Agnostizismus) oder dass für die Annahme von Göttern nach wissenschaftlichen Gesichtspunkten die Beweise/Belege fehlten (szientistischer Agnostizismus). Im intelligiblen Agnostizismus kann man wieder unterscheiden zwischen stark und schwach: Der schwache Agnostizismus behauptet nur, dass Götter möglicherweise nicht, oder noch nicht erkennbar seien, der starke hingegen, dass Götter mit den Mitteln der menschlichen Vernunft prinzipiell nicht erkennbar seien (siehe hierzu weiter unten Rationalistischer Atheismus). Die Zuordnung des Agnostizismus zum Atheismus ist umstritten, er kann auch als eigenständige weltanschauliche Grundhaltung angesehen werden.

* Szientistischer Atheismus (siehe Kapitel Analytische Philosophie) hält die Rede über Götter für Unsinn, weil Sätze, in denen diese Begriffe vorkommen, nicht wahrheitsfähig seien. Der szientistische Atheismus behauptet jedoch nicht – genauso wenig wie der schwache Atheismus – dass es keine Götter gäbe. Für ihn ist der Satz „Es gibt keine Götter“ genauso inhaltsleer wie „Es gibt keine Elfen“.

* Postulatorischer Atheismus: Dieser meist von Wissenschaftlern selbst vertretene Atheismus geht davon aus, zunächst einmal Götter aus dem System der Erkenntnisse (ergo Wissenschaft) herauszulassen, also keine Götter zu postulieren im Gegensatz zur Theologie. Theistische Annahmen können jedoch später an Grenzbereichen der Wissenschaft oder in unerforschten oder als unerforschbar angesehenen Teilen wieder zugelassen werden (Beispiel: Stephen Hawking Pre-Big-Bang God). Diese Spielart des Atheismus wird oft in Verbindung mit der oben als Pragmatischer Atheismus bzw. Nominalistischer Atheismus bezeichneten Auffassung vertreten.

Starker Atheismus

Vertreter eines starken Atheismus sind davon überzeugt, dass es keine Götter gibt. Sie verneinen also direkt die Existenz von Göttern. Hierfür findet sich gelegentlich auch der Begriff Antitheismus. Wiederum werden verschiedene Begründungen unterschieden:

* Rationalistischer Atheismus: Dieser geht von der zusätzlichen Annahme aus, dass nur das existieren könne, was auch durch menschliche Vernunft prinzipiell erkennbar ist (ontologischer Epistemologismus). Und weil Götter prinzipiell nicht erkennbar seien, könnten sie auch nicht existieren.

* Radikal-szientistischer Atheismus: Während für normal-szientistische Atheisten nur die Rede über Götter unsinnig ist, darf für deren radikale Vertreter nur das als existierend angenommen werden, was nach intersubjektiv überprüfbaren Verfahren wissenschaftlich beweisbar ist. Da dies für Götter und andere transzendentale Ideen nicht gelte, können sie nach dieser Überzeugung nicht existieren.

* Theodizee-Atheismus: Dieser behauptet, dass es auf Grund des Leidens und der Ungerechtigkeit auf der Welt keine(n) (allgütigen oder allmächtigen) Gott oder Götter geben könne. In seiner weniger radikalen Form kann der Theodizee-Atheismus auch als schwacher konditionaler Atheismus auftreten: „Wenn ein Gott existiert, dann kann er angesichts des Übels auf Erden nicht allmächtig oder nicht allgütig sein“. Die Existenz eines Gottes wird dabei zwar nicht verneint, jedoch in seinen Eigenschaften begrenzt. Es ist dann eine theologische Frage, ob ein solches Wesen noch als Gott bezeichnet werden kann. Der Theodizee-Atheismus wird durch die typische Frage: „Warum lässt ein Gott zu, dass…“ begründet sowie durch die Ablehnung eines endgültigen Erklärungsversuches: “Gottes Wege sind unergründlich.”.

* Logischer Atheismus: Besitzt Ähnlichkeit mit dem Rationalistischen Atheismus. Während der Rationalismus sagt, dass es irgendwelche spezifischen – bis in seine biologische Struktur reichenden – Eigenschaften des menschlichen Verstands seien, die die Erkenntnis von Göttern verhinderten, besagt der logische Atheismus zunächst nur, dass alle Gottesbeweise sich in Widersprüche (Antinomien) verwickelten. Unter der Prämisse, dass etwas Widersprüchliches nicht existieren könne, werden Götter als eigenständige Wesen abgelehnt. (→ Bsp.: Steinparadoxon: “Ein allmächtiger Gott kann jeden Stein erschaffen. Auch einen, den er selbst nicht heben kann.”)

Eine interessante These ist auch, Angehörige einer monotheistischen Religion als “Atheisten” zu bezeichnen, da sie im Grunde alle anderen in der Geschichte bestehende Götter negieren. Der Unterschied ist nur, dass der als heute bekannte Atheist konsequent alle Götter negiert, während der Angehörige einer monotheistischen Religon alle Götter außer den Einen negiert.

Hinduismus – Eine polytheistische Philosophie?

Der Hinduismus ist eine Religion in der viele verschiedene Glaubensrichtungen und Denksysteme gleichberechtigt nebeneinander existieren. Entgegen dem ersten Anschein ist der Hinduismus keine polytheistische Religion. Die westliche Religionswissenschaft und die Indologie bezeichnet ihn als Henotheismus, da alle Götter – je nach individueller Glaubensausrichtung – Ausdruck des einen höchsten persönlichen Gottes oder auch der unpersönlichen Weltseele (Brahman) sein können.

Die wichtigsten Götter sind – Brahma, der Weltenerschaffer: Vishnu, der Weltenbewahrer und Shiva der Weltenvollender und –zerstörer. Die entsprechenden Göttinnen, die oft als deren Gemahlinnen dargestellt werden, sind – Durga, die weibliche Kriegerin, die vor allem als die dunkle und schreckliche Kali bekannt ist; Lakshmi, die Göttin des Glücks und des Reichtums; sowie Sarasvati, die Göttin der Poesie und der Musik als auch des Lernens.

Viele Hindus sehen in dieser Vielfalt an Göttern die verschiedenen Gesichter eines Gottes bzw. die unterschiedlichen Aspekte eines höheren, unpersönlichen Prinzips (brahman). Wieder andere Hindus sehen in Shiva oder Vishnu den einen ‚wahren’ Gott, was zum Shivaismus bzw. Vishnuismus führt. Ebenfalls zu erwähnen ist das Prinzip der Dreifaltigkeit in dem die drei ‚höchsten’ Götter (Brahma, Shiva, Vishnu) die Manifestation des brahman verkörpern.

Der Hinduismus kennt auch keine gemeinsame Gründerperson. Jede Glaubensrichtung hat eigene nur für sie verbindliche heilige Schriften: z.B. Vishnuiten das Bhagavatapurana, Shaktianhänger das Devi Mahatmya, einem puranischem</a Werk zur Verehrung der Göttin. Dagegen gelten die Veden mit den Upanishaden und die Bhagavad Gita (als Bestandteil des Mahabharata) als die grundlegenden Heilige Texte für alle Hindus.

Im Hinduismus wird der Kosmos als geordnetes Ganzes angesehen, der vom Dharma, dem Weltgesetz, welches die natürliche und sittliche Ordnung darstellt, beherrscht wird. Die Zentren der hinduistischen Religiosität sind neben dem eigenen Haus die Tempel. Einer der größten Tempelkomplexe und Pilgerzentren ist Tirumala Tirupati in Südindien. In Nordindien zieht die heilige Stadt Varanasi am Ganges immer wieder Unmengen von Pilgern an.

Gottesbild

Die verschiedenen hinduistischen Traditionen und Philosophien vertreten verschiedene Gottesbilder, sie sind letztlich dem Einzelnen überlassen. Die Hauptrichtungen sind jedoch Shivaismus, Vishnuismus sowie Shaktismus, die aber wiederum völlig verschiedene Gottesvorstellungen beinhalten. Brahma, Shiva und Vishnu werden auch als Dreiheit Trimurti, dargestellt. Die Verehrung von Shiva und Vishnu, jeweils in unzähligen verschiedenen Formen und Namen, ist weit verbreitet. Brahma dagegen ist nur noch in der Mythologie präsent, in der Verehrung spielt er fast keine Rolle mehr, seine Stelle nimmt seine Shakti ein, Saraswati. Daneben gibt es aber unzählige andere Manifestationen z.B. den elefantenköpfigen Ganesha, der als Sohn von Shiva und Parvati gilt sowie Hanuman, der Diener Ramas, der wiederum ein Avatar von Vishnu ist. Es gibt auch eine große Zahl weiblicher Gottheiten, die entweder als ‘Große Göttin’ (Mahadevi) autonom auftreten wie etwa Durga oder als Gemahlinnen bzw. weibliche Seite der männlich gedachten Götter gelten, z.B. Sarasvati und Lakshmi. Die meisten Gläubigen gehen davon aus, dass die Anbetung eines jeden Gottes dem Anbeten des höchsten Göttlichen entspricht, da alle Erscheinungsweisen des Einen seien. Andere dagegen verehren das Höchste nur in einer Form, wie etwa viele der Anhänger Krishnas, und betrachten die anderen Götter als ihm untergeordnete Devas. Das Verehren des Göttlichen in Bildern dient dazu, dem Gläubigen zu helfen, Gott in einer einfacheren Weise anzubeten. Viele Hindus lehnen jedoch die Verehrung des Göttlichen in dieser Form strikt ab.



Hinduistische Theologie

Es ist begrifflich verwirrend, das deutsche Wort "Gott" in Bezug auf den Hinduismus zu verwenden. Manche Strömungen des Hinduismus glauben an einen Obersten Gott, benannt als Ishvara (wörtl.: der Höchste Herr). Es gibt auch ihm unterstellte Wesen, die Devas genannt werden. Sie können als Götter, Halbgötter, Engel, Geist oder himmlische Wesen zwischen dem Ishvara und den Menschen betrachtet werden. Eines der wichtigste Konzepte jedoch ist das Brahman – der höchste kosmische Geist.

Brahman ist die unbeschreibbare, unerschöpfliche, allwissende, allmächtige, nicht körperliche, allgegenwärtige, ursprüngliche, erste, ewige und absolute Grundregel. Es ist ohne einen Anfang, ohne ein Ende, in allen Dingen versteckt und die Ursache, die Quelle und das Material aller bekannten Schöpfung, selbst jedoch unbekannt und doch dem gesamten Universum immanent. Die Upanishaden beschreiben es als das Eine und unteilbare, ewige Universalselbst, das in allem anwesend ist und in dem alle anwesend sind.

Von manchen Richtungen wird der Ishvara (oberster Herr) als die manifestierte Form von Brahman gesehen. Die Illusionskraft, die das Brahman veranlasst als die materielle Welt, die einzelnen Seelen und der Ishvara gesehen zu werden, wird Maya genannt. Alle Devas des Hinduismus gelten dieser Sichtweise zufolge als die weltlichen Äußerungen des einen Ishvara.

Nach Auffassung des Advaita Vedanta ist der Mensch in seinem innersten Wesenskern mit dem Brahman identisch und diese Identität gilt es zu erkennen. Advaita Vedanta (Nichtdualität) ist die Lehre Shankaras (788-820 n. Chr), die auf diese Erkenntnis der Einheit zielt. Nach Lehre des Vishishtadvaita (qualifizierter Monismus) von Ramanuja dagegen ist Gott alles was existiert, es besteht jedoch ein qualitativer Unterschied zwischen Individueller Seele und höchstem Gott. Am anderen Ende des Spektrums steht die rein dualistische Philosophie des Dvaita Vedanta des Madhvas, die streng zwischen Seele und Gott unterscheidet. (siehe: Indische Philosophie)


Wiedergeburt und Erlösung

Götter, Menschen und Tiere durchwandern nach hinduistischer Glaubensvorstellung in einem durch ewige Wiederkehr gekennzeichneten Kreislauf Samsara die Weltzeitalter Yuga. Während des Lebens wird je nach Verhalten gutes oder schlechtes Karma angehäuft. Dieses Gesetz von Ursache und Wirkung von Handlungen beeinflusst nach hinduistischer Vorstellung zukünftige Reinkarnationen und die Erlösung (moksha), das Aufgehen des Atman (Atman ist das innewohnende Brahman). Es ist nur bedingt zu vergleichen mit der Seele, da die Seele etwas Individuelles (also bei jedem verschieden) und das Atman immer das gleiche ist im "kosmischen Bewusstsein" (Brahman). Die persönliche Erleuchtung ist der Endpunkt der Entwicklung des Geistes und je nach Realisation des Suchenden kann diese durch die klassischen vier Methoden erreicht werden: 1. Bhakti Yoga, die liebende Verehrung Gottes, 2. Karma-Yoga dem Weg der Tat, 3. Jnana Yoga, dem Weg des Wissens, 4. Raja Yoga, dem "Königsweg" des Yoga.

Baha'i


Die Baha´i sind eine Weltreligion, die zwar aus dem Islam hervorgegangen ist, aber sich grundsätzlich vom Islam unterscheidet. Ihr Gründer ist Mirza Husayn Ali, der Baha-u-llah (persisch: Herrlichkeit Gottes) genannt wird. Baha-u-llah setzte sich für den Weltfrieden ein und propagierte eine Weltordnung in der göttliche Gerechtigkeit herrschen solle und ist durch ihre regionale Verstreutheit wohl die am weitesten "gestreute" Religion.

Die Baha´i gehen davon aus, dass die Geschichte der Menschen in Weltzeitaltern verläuft, die jeweils durch die großen Religionsgründer bzw. Propheten eingeläutet werden, die dann auch dem Zeitgeist und Entwicklungsstand der Menschen die entsprechenden Worte finden. Und so berufen sich die Baha´i auf Zarathustra, Jesus und Mohammed, aber im speziellen auf Baha-u-llah.

Die Baha´i Religion kennt weder Kirche noch Priester. Gottesdienst bedeutet praktische Umsetzung der Lehren, d.h. jeder Gläubige ist gleichzeitig auch Baha´i-Lehrer.

Am Anfang eines jeden Monats (der Baha´i-Kalender besteht aus 19 Monaten mit je 19 Tagen) versammeln sich die Gemeindemitglieder zu Andacht, Beratung und anregendem Zusammensein. Ridvan, der Ort der öffentlichen Bekundung Baha-u-llahs ein Gesandter Gottes zu sein, ist auch der Name des wichtigsten Festes. Es dauert 9 Tage lang. In dieser Zeit finden auch die demokratischen Wahlen der örtlichen, nationalen und internationalen Räte statt.

Überall auf der Welt gibt es "Häusern der Andacht", in denen ohne Kommentar aus den unterschiedlichen heiligen Schriften vorgelesen wird. Das einzige "Haus der Andacht" in Europa steht in Langenhain im Taunus.

Gott an sich ist in der Vorstellung der Baha´i unermesslich. Es gibt nur den einen Gott, und der ist in allen Religionen gleich. Oberstes Ziel ist es eine Einheit der Menschen in allen Bereichen zu schaffen, unter dem Aspekt, dass alle Menschen gleichwertig sind. Es wird kein Unterschied zwischen Geschlechtern, Rassen oder Nationen gemacht. Die Gläubigen üben sich in Liebe, Gerechtigkeit, Barmherzigkeit und Wahrhaftigkeit. Sie möchten die Entwicklung der Menschheit fördern.

Das erklärte Ziel der Baha´i ist der Weltfrieden in einer gerechten Welt. Sie kämpfen gegen Vorurteile, setzen sich für die Menschenrechte ein, schaffen Programme gegen Hunger und Armut und unterstützen Umweltschutzprogramme. Sie fungieren als Berater in verschiedenen Ausschüssen der UNO und beim Kinderhilfswerk UNICEF.

Es wird angenommen, dass mehr als 5 Millionen Menschen der Baha´i Religion angehören.

Advaita – Das Weltbild der Nicht-Dualität

Bei Advaita-Vedānta (Sanskrit, m., अद्वैत वेदान्त, advaita vedānta, advaita = „Nicht-Dualität“ oder ‘ohne Zweites’) handelt es sich um ein monistisches System, das die Welt auf ein Prinzip zurückführt.

Der Begriff Advaita entstammt dem Vedanta, einer der klassischen Philosophien Indiens. Basis dieser Weltensicht ist ein Monismus, der davon ausgeht, dass alles eins ist, bzw. dass die Welt, wie sie uns erscheint, eine Täuschung ist, und nur Brahma real ist.

Anders als in den meisten spirituellen Lehren wird die Welt als Einheit gesehen. Alles was existiert, ist Gott bzw. eine Erscheinungsform Gottes – oder dieser einen universellen Kraft. Es gibt keinen Unterschied zwischen dem Bewusstsein des Einzelnen und dem des Allumfassenden. Wir sind alles und alles ist in uns.

Die Welt, wie sie uns erscheint, ist nur eine Überlagerung der Wirklichkeit, die unser ‚Normal-Bewusstsein’ kunstvoll konstruiert, denn wir haben gelernt uns zu identifizieren und zu separieren. Doch wir sind und waren nie vom dem Einen, das ist, getrennt. Es geht also darum, sich mit nichts zu identifizieren, denn unsere Seele ist nur eine Illusion.

Natürlich ist jeder eine eigene körperliche Einheit, doch das was wir Seele nennen, ist nur ein Traum, aus dem wir jeder zeit erwachen können. Wir sind alle kleine Wassertropfen in einem großen Fluss, und dieser Fluss sind wir.

Die Tradition des Advaita entspringt den Upanischaden, einer philosophischen Sammlung. Das Wort Upanischaden bedeutet übersetzt ungefähr "sich in der Nähe des Lehrers niederlassen".

Bekannte Vertreter dieser Richtung sind zum Beispiel: Ramakrishna, Vivekananda, Sri Ramana Maharshi, Sri Poonjaji, Gangaji oder in Deutschland OM C. Parkin.

Quelle

Sufismus – Das mystische Weltbild (Teil 1)

Ich werde mich bei der allgemeinen Erklärung & der Geschichte des Sufismus’ vorerst auf Wikipedia beziehen und später selber nochmal anhand gewisser Quellen Stellung dazu beziehen. Eines dennoch schonmal vorweg: Man sollte die Ursprünge des Sufismus vom Islam trennen, denn der Sufismus an sich ist viel älter und eine asketische Tadition, die in jeder religiösen Epoche anwendbar war und noch heute ist, da sie sich jeweils an die herrschende Religion anpasste. Man sollte bedenken, dass die meisten Sufis heute noch den Regeln des Korans so dermaßen zuwider handeln, dass sie von einigen islamischen Gelehrten für "Ungläubige" gehalten werden. Dazu später mehr.

Der Sufismus (arabisch: تصوف, tasawwuf, persisch: عرفان, Erfan), veraltet auch Sufitum oder Sufik, gilt allgemein als die islamische Mystik. Die Anhänger des Sufismus sehen ihre Lehre nicht als ein spirituelles Produkt der islamischen Religion, sondern er offenbart lediglich die esoterische Wahrheit ( des Islams). Die sufische Lehre als solche zieht sich wie ein Faden durch die gesamte Menschheitsgeschichte, aus der Sicht der Sufis ist und war diese zu jeder Zeit und in jeder Kultur in verschiedenen Aspekten allgegenwärtig. Einen Anhänger des Sufismus nennt man Sufi oder auch Darwisch.

Entwicklung

Der Sufismus wird manchmal mit dem Gnostizismus in Verbindung gebracht, wobei betont wird, dass die Sufis eigentlich unabhängig von einer Religionszugehörigkeit sind und diese Bewegung schon weitaus älter ist als der geschichtliche Islam. Die Sufis selber betonen jedoch, dass sich der Sufismus zu seiner vollen Blüte erst ab dem Auftreten des Propheten Mohammed entwickelt hat, und dass der Islam die besten metaphysischen Instrumente für die geistige und seelische Entwicklung des Menschen bereithält.

Die ersten Sufis soll es nach muslimischer Tradition schon zu Lebzeiten des Propheten Muhammad7. Jahrhundert gegeben haben. Sie waren oft einzelne Asketen, der bekannteste unter ihnen ist Uwais al-Qarani aus dem Jemen, der als Einsiedler in der Wüste lebte. Auf ihn soll der älteste Sufiorden Maktab Tarighat Oveyssi Shahmaghsoudi zurückgehen. Wissenschaftliche Belege für diese frühen Sufis gibt es jedoch nicht.

Ein sehr einflussreicher früher Sufi war der Asket Hasan al-Basri (642728). Seine Vorstellung von einem spirituellen Leben waren: wenig Schlaf, sich weder über Hitze noch über Kälte zu beklagen, keinen festen Wohnsitz zu haben und stets zu fasten. Ebenfalls in der Stadt Basra (im heutigen Irak) lebte und wirkte Rabia al-Adawiyya (714 oder 717/8-801), eine der bedeutendsten weiblichen Sufi-Heiligen. Es wird angenommen, dass sie nie einen Lehrer hatte und sie wird als eine „trunkene
Gottesliebende“ bezeichnet, die als eine strenge Asketin lebte: zum Trinken und für ihre rituellen Waschungen soll sie einen zerbrochenen Krug, eine alte Schilfrohrmatte zum Liegen und einen Flussstein als Kopfkissen verwendet haben.

Im 9. Jahrhundert war Dhu’n-Nun al-Misri († 859) einer der ersten Sufis, der eine Theorie über „Fana“ und „Baqa“ entwickelte, eine Lehre über die Vernichtung bzw. Auflösung des Selbst (nafs). Außerdem formulierte er die Theorie von Ma’rifa (intuitive Gotteserkenntnis). Durch seine poetischenGebete führte er einen neuen Stil in die ernste und asketische Frömmigkeit der damaligen Sufis ein. Er vernahm – dem koranischen Wort getreu – aus allem Geschaffenen den Lobpreis Gottes und beeinflusste so die späteren Naturschilderungen persischer und türkischer Sufis.

Bayezid Bistami (803-875) hielt vor allem die Liebe für das Wichtigste, um die Einheit mit Gott zu erreichen. Darüber hinaus erlangte er den Zustand von absolutem Einssein mit dem Schöpfer durch strenge Selbstkasteiung und Entbehrungen. Andererseits war ihm jedoch bewusst, dass er paradoxerweise alle seine Bemühungen aufgeben musste, denn er sagte, er erreiche Gott nur allein mit Gottes Hilfe. Er legte seinen Schülern nahe, ihre Angelegenheiten in die Hände Gottes zu geben, und er ermutigte sie, die reine Lehre der Einheit Gottes zu akzeptieren. Diese Lehre bestand aus fünf Merkmalen: die Verpflichtungen entsprechend dem Koran und der Sunna einzuhalten, immer die Wahrheit zu sprechen, das Herz frei von Hass zu halten und verbotene Nahrung und Erneuerungen zu meiden.

Einen eher nüchternen Weg des Sufismus vertrat Dschunaid (gest. 910) aus Bagdad, welches zur damaligen Zeit als ein religiöses uns spirituelles Zentrum galt. Er hatte durch seine Lehre einen großen Einfluss auf spätere Sufis, er betonte die Liebe, die Vereinigung und die Übergabe des individuellen Willens an den Willen Gottes. Zur damaligen Zeit betrachtete die islamische OrthodoxieMansur al-Halladsch (858-922) ab, der die Geheimnisse des Sufipfades in aller Öffentlichkeit aussprach. Von diesem stammt einer der bekanntesten Aussprüche eines
Sufis: „ana’l Haqq“. Dieser Ausspruch, der übersetzt soviel wie „Ich bin die absolute Wahrheit“ bedeutet, war in den Augen der Orthodoxie pure Ketzerei, al-Halladsch wurde dafür schließlich mit der öffentlichen Hinrichtung bestraft. In den Augen der meisten Sufis war es jedoch nicht er, der
diese Worte sprach, denn es heißt er habe sie im „trunkenen“ Zustand der Vereinigung mit Gott gesprochen.

Ein wichtiger Vertreter des Sufismus ist al-Ghazali (gest. 1111), der einer der ersten war, der seine Ideen zu einem mystischen System ordnete. Der ursprüngliche Rechtsgelehrte erkannte eines Tages, dass er nur durch eine der Welt entsagende Lebensweise wirklich zu Gott finden könne. Er gab deshalb seinen Lehrstuhl an der Universität in Bagdad auf, um als wandernder Derwisch viele Jahre in der Abgeschiedenheit zu verbringen. Er hinterließ der Welt zahlreiche religiöse und spirituelle Schriften, und schaffte es sogar, für eine Zeit lang die Orthodoxie mit dem Sufismus ein wenig zu versöhnen und beide Systeme aneinander anzunähern. Durch Abmilderung des radikalen Asketismus der frühen Sufis und die Systematisierung des sufischen Gedankenguts trug al-Ghazali
maßgeblich zur allgemeinen Anerkennung des Sufismus im Islam bei. Er lehnte eine starre Dogmatik ab und lehrte den Weg zu einem Gottesbewusstsein, das aus dem Herzen entspringt.

Ebenso bedeutend wie al-Ghazali ist Ibn Arabi (1165-1240), der etwa ein halbes Jahrhundert nach al-Ghazalis Tod in der spanischen Stadt Murcia geboren wurde. Ibn Arabi ist ebenfalls Autor etwa 500 wichtiger sufischer Schriften und man sagt, er habe keinen spirituellen Lehrer gehabt, sondern sei von dem verborgenen Meister Khidr direkt in den mystischen Islam initiiert worden. Ibn Arabi wird auch als der „Sheikh al-akbar“ („der größte Sheikh“) bezeichnet, wobei seine Ideen über „wahdat al-wudschud“, der Einheit des Seins, schon vor ihm Teil der Sufi-Metaphysik war. Doch er formulierte diese Ideen als erster in schriftlicher Form, wodurch sie der Nachwelt und späteren Sufis gut erhalten blieben.

Die poetischen Werke Fariduddin Attars (1136-1220) sind im Westen nicht sehr bekannt, jedoch nimmt seine Dichtung über Jahrhunderte hinweg Einfluss auf einige Mystiker sowohl östlicher als auch westlicher Herkunft. Außerdem gilt er als einer der wichtigsten Figuren des Sufismus. Er wirft ein neues Licht auf die Lehre, indem er wie niemand vor ihm den Pfad mit der Kunst eines Geschichtenerzählers beschreibt.

Eines der berühmtesten seiner 114 Werke ist das Mantiq ut-tair („Die Vogelgespräche“). Dieses Epos berichtet von dreißig Vögeln, die eine Reise durch sieben Täler zum Vogelkönig, dem Simurgh,
unternehmen. Letztendlich erkennen die Vögel im König ihre eigene Identität; Attar benutzt hier ein Wortspiel, denn der Name des Vogelkönigs bedeutet simurgh, dies ist eine Sagengestalt, vermutlich der Phönix. Wenn man den Namen aber si murgh schreibt, wird hieraus „dreißig Vögel“.

Es wird heutzutage von den meisten Historikern angenommen, dass die erste Sufi-Ordensgemeinschaft (Tariqa) im 12. Jahrhundert von Abd al-Qadir al-Dschilani (1088 oder 1077-1166) gegründet wurde, die deshalb auch den Namen Qadiri-Tariqa trägt. Kurz darauf entstanden die Yesevi- und die Rifai-Tariqa. Später entwickelten sich weitere Tariqas, von denen viele größtenteils noch heute existieren, einige jedoch nicht mehr im Blickpunkt des öffentlichen Lebens. Die Zentren bzw. Versammlungsorte der Orden nennt man Khanqah (persisch: خانگاهchānegāh und خانقاه chāneghāh), Dergah (persisch درگاه dargāh „Türschwelle“, „Palast“; osmanischdergâh auch Derwischkonvent), Tekke (osmanisch تكيه tekke, tekye) oder Zawiya (arabisch زاويةzāwiya pl. زوايا zawāyā). Manchmal ist auch von Konventen oder Klöstern die Rede, man kann aber eine Tekke nicht mit der christlichen Vorstellung eines Klosters vergleichen.

Eine der bekanntesten Tariqas ist die der Mevlevis, die auf den Sufipoeten Dschalal ad-Din RumiDhikr mit religiöser Musik und drehen sich dabei um die eigene Achse. Dieses Ritual ist im Westen als „Derwischtanz“ (sema) oder „Tanz der drehenden Derwische“ bekannt. zurückgeht.

Weitere bekannte und große Sufi-Orden neben den bereits genannten sind Naqschbandi, Bektaschi, Kubrawi, Suhrawardi, Chishti oder Halveti. Diese Orden sind darüber hinaus in zahlreiche Unterverzweigungen gegliedert und haben manchmal auch Überschneidungen untereinander.
(siehe auch: Liste der Sufi-Orden)

Der Sufismus ist in den Augen der Sufis immer lebendig geblieben und hat seine Dynamik bewahrt, weil er sich stets den Zeiten anpasst und sich dementsprechend wandelt. Gleichzeitig bleibt er aber der Essenz der Tradition treu, die die innere Ausrichtung des Herzens auf Gott sowie das Aufgeben des Ego ist. Da Gesellschaften und Kulturen sich ständig weiterentwickeln und verändern, antwortet auch der Sufismus äußerlich gesehen auf diese Veränderungen. Hierzu ein Zitat:

„Sufismus ist die alte Weisheit des Herzens. Er ist
nicht durch Form, Zeit oder Raum begrenzt. Er war immer und wird immer
sein.“

Llewellyn Vaughan-Lee

 

Der Begriff Sufismus ist der Name einer alten Lehre, die sich in der heutigen Zeit hauptsächlich durch den Islam manifestiert. Das Wort Sufismus kam in einer Zeit auf, in der diese Lehre mit dieser Weltreligion verbunden war, die essentielle Lehre des Sufismus kann aber durch alle Religionen und Weltanschauungen über viele Jahrtausende zurückverfolgt werden.



Etymologische Herkunft

Etymologisch ist unklar, ob das Wort Sufi von arabisch suf صوف – „Schurwolle“, das auf die wollenen Gewänder der Sufis hinweist, oder von safa صفا – „rein“ stammt. „Rein“ meint in diesem Zusammenhang gereinigt von Unkenntnis bzw. Unwissenheit, Aberglauben, Dogmatismus, Egoismus und Fanatismus sowie frei von Beschränkungen durch die soziale Schicht, politische Überzeugung, Rasse oder Nation.

Eine andere Erklärung bietet auch der Begriff ahl as-suffa, was „Leute der Veranda“ bedeutet. Dies bezieht sich auf die Gruppe von Personen, die sich zu Lebzeiten Mohammeds um den Propheten scharten und wahrscheinlich in Armut lebten. Es wird außerdem behauptet, dass das Wort Sufismus auf die Leute der ersten (Gebets-)Reihe (saff-i awwal) hindeuten kann. Andere, vor allem westliche Vertreter eines „universellen Sufismus“, bringen es wiederum mit dem griechischen Wort sophia („Weisheit“) in Verbindung.

Ergänzend zur Wortherkunft sei erwähnt, dass der Begriff Sufismus nicht von Anhängern dieser Lehre eingeführt wurde. Vielmehr wurde er von Personen außerhalb dieser mystischen Strömung geprägt. Ein Sufi bezeichnet sich selbst in der Regel nicht als solcher, vielmehr verwendet er Bezeichnungen wie „Suchender“, „Schüler“, „Reisender“, etc.

 

Lehre

Es gibt Sufi-Orden, die als sunnitisch oder schiitisch klassifiziert werden können, aber auch solche, die beiden, und andere, die keiner der beiden islamischen Richtungen zuordenbar sind. Diese stellen einen separaten Bereich des muslimischen Glaubens dar. Die meisten Sufis bewegen sich aber innerhalb des orthodoxen Islams von Sunna und Schia und sind somit entweder Sunniten oder Schiiten.

Ihr Weg folgt vier Stufen, die auf die Prägung aus dem indischen Raum verweisen; bis heute ist jedoch offen, wie und in welche Richtung diese Beeinflussung historisch verlief:

  1. Auslöschen der sinnlichen Wahrnehmung.
  2. Aufgabe des Verhaftetseins an individuelle Eigenschaften.
  3. Sterben des Ego.
  4. Auflösung in das göttliche Prinzip.

Das oberste Ziel der Sufis ist, Gott so nahe zu kommen wie möglich und dabei die eigenen Wünsche zurückzulassen. Dabei wird Gott bzw. die Wahrheit als „der Geliebte“ erfahren. Der Kern des Sufismus ist demnach die innere Beziehung zwischen dem „Liebenden“ (Sufi) und dem „Geliebten“ (Gott). Durch die Liebe wird der Sufi zu Gott geführt, wobei der Suchende danach strebt, die Wahrheit schon in diesem Leben zu erfahren und nicht erst auf das Jenseits zu warten. Dies spiegelt sich klar in dem Prinzip zu sterben bevor man stirbt wieder, das überall im Sufismus verfolgt wird. Hierzu versuchen die Sufis, die Triebe der niederen Seele bzw. des tyrannischen Ego (an-nafs al-ammara) so zu bekämpfen, dass sie in positive Eigenschaften umgeformt werden. Auf diese Weise kann man einzelne Stationen durchlaufen, deren höchste die reine Seele (an-nafs al-safiya) ist. Diese letzte Stufe bleibt jedoch ausschließlich den Propheten und den vollkommensten Heiligen vorbehalten. Die mystische Gotteserfahrung ist der Zustand des Einsseins (tauhid) mit Gott, die sogenannte „unio mystica“.

Dazu ein Zitat von Abu Nasr as-Sarradsch, einem Zeitgenossen des bekannten islamischen Mystikers Dschunaid: „Sufismus bedeutet, nichts zu besitzen und von nichts besessen zu werden.“

Oder eine etwas ausführlichere Beschreibung von Abu Said: „Sufismus ist Ruhm im Elend, Reichtum in der Armut, Herrschaft in Dienstbarkeit, Sättigung im Hunger, Leben im Tode und Süße in der
Bitterkeit… Der Sufi ist der, der mit allem zufrieden ist, was Gott tut, so dass Gott mit allem zufrieden ist, was er tut.“

Ein wichtiger Aspekt der sufischen Lehre ist außerdem, dass man die „Wahrheit“ erfährt und nicht nur intellektuell erfasst. Gemäß dem Grundsatz „Den Glauben sieht man in den Taten“ ist es für die Sufis entscheidend, oft eher mit gutem Beispiel in der Welt aufzutreten als über den Glauben zu reden. Darüber hinaus ist „Aufrichtigkeit“ unentbehrlich und man sollte versuchen, nach außen hin so rein zu werden, wie man es auch nach innen hin anstrebt.

Viele Sufis, so sie nicht Anhänger einer strengen Scharia sind, glauben, dass in allen Religionen eine grundlegende Wahrheit zu finden ist und dass die großen Religionen von ihrem Wesen/Geist her dasselbe sind. Manche Sufis gehen deswegen sogar so weit, dass sie den Sufismus nicht innerhalb des Islams (also einer Religion) angesiedelt sehen, sondern dass die Mystik über der Religion steht, ja diese sogar bedingt.

 

Der Weg des Darwish

Der Begriff Derwisch leitet sich her vom persischen Wort dar („Tor“, „Tür“), ein Sinnbild dafür, dass der Bettler von Tür(schwelle) zu Tür(schwelle) wandert. In der sufischen Symbolik bedeutet dies auch die Schwelle zwischen dem Erkennen der diesseitigen irdischen (materiellen, siehe auch dunya) und der jenseitigen göttlichen Welt.

Die volle persische Übersetzung für Derwisch (persisch: درويش darwīsch) ist „Bettler“. Dabei ist es aber nicht unbedingt wörtlich zu verstehen, dass jeder Sufi ein Bettler ist; sondern dieser Begriff dient auch als Symbol dafür, dass derjenige, der sich auf dem Weg des Sufismus befindet, seine eigene „Armut gegenüber Gottes Reichtum“ erkennt.

Auf dem Weg eines Derwisch gibt es folgende Stationen, die er zu meistern versucht:

  1. Schari’a („islamisches Gesetz“)
  2. Tariqa („der mystische Weg“)
  3. Haqiqa („Wahrheit“)
  4. Ma’rifa („Erkenntnis“)

(In der Alevi-Bektaschi-Glaubenslehre kommt Ma’rifa vor Haqiqa.)

Die Sufis sehen diese Stationen auch als „Türen“ auf dem Weg zu Gott, die sich aber nicht neben-, sondern hinter-, oder besser noch „ineinander“ befinden. Man muss also erst eine Tür durchschritten haben, bevor man daran arbeiten kann, die nächste in Angriff zu nehmen.

Ibn Arabi beschreibt die vier Stationen folgendermaßen: Auf dem Niveau von Schari’a gibt es „dein und mein“. Das heißt, dass das religiöse Gesetz individuelle Rechte und ethische Beziehungen zwischen den Menschen regelt. Auf dem Niveau von Tariqa „ist meins deins und deins ist meins“. Von den Derwischen wird erwartet, dass sie sich gegenseitig als Brüder und Schwestern behandeln, den jeweils anderen an seinen Freuden, seiner Liebe und seinem Eigentum teilhaben lassen. Auf dem Niveau der Wahrheit (Haqiqa) gibt es „weder meins noch deins“. Fortgeschrittene Sufis erkennen, dass alle Dinge von Gott kommen, dass sie selbst nur die Verwalter sind und in Wirklichkeit nichts besitzen. Diejenigen, die die Wahrheit erkennen, interessieren sich nicht für Besitz und Äußerlichkeiten im Allgemeinen, Bekanntheit und gesellschaftlichen Stand inbegriffen. Auf dem Niveau der Erkenntnis (Ma’rifa) gibt es „kein ich und kein du“. Der einzelne erkennt, dass nichts und niemand von Gott getrennt ist. Dies ist das oberste Ziel des Sufismus.

 

Die Liebe

Der Mittelpunkt der sufischen Lehre ist die Liebe (arabisch hubb, ‘ischq, mahabba), die immer im Sinne von „Hinwendung (zu Gott)“ zu verstehen ist. Die Sufis glauben, dass sich die Liebe in der Projektion der göttlichen Essenz auf das Universum ausdrückt. Dies lässt sich oftmals in den „berauschten“ Gedichten vieler islamischer Mystiker erkennen, die die Einheit mit Gott und die Gottesliebe besingen. Da diese poetischen Werke meist mit Metaphern durchsetzt sind, wurden sie in der Geschichte oft von islamischen Rechtsgelehrten argwöhnisch betrachtet. In ihren Augen haben sie ketzerische Aussagen, wenn beispielsweise der Suchende vom „Wein“ berauscht ist; wobei in der Symbolik des Sufismus der Wein für die Liebe Gottes steht, der Sheikh für den Mundschenk und der Derwisch für das Glas, das mit der Liebe gefüllt wird, um zu den Menschen getragen zu werden.

Al-Ghazali bezeichnet die Liebe zu Gott als die höchste der Stationen und sogar als das eigentliche Endziel der Stationen auf dem Weg zu Gott. Er sagt, dass nur Gott allein der Liebe würdig ist; die Liebe zu Muhammad nennt er jedoch als lobenswert, weil sie nichts anderes ist, als die Liebe zu Gott. Die Liebe zu den Gottesgelehrten und Frommen erwähnt er ebenfalls als lobenswert, denn „man liebt die jenigen, die den Geliebten lieben“.


Der Prophet Jesus wird im Islam als der Prophet der Liebe gesehen, weshalb er oftmals auch als der Prophet der Sufis
bezeichnet wird.

 

Sufismus – Gut & Böse: Die Rolle des Satans (Teil 2)

Zu den faszinierendsten Aspekten der mystischen Psychologie im Islam gehört die Art, wie die Sufis Satan, die Macht des Bösen, behandelt haben. Satan ist nach koranischer Aussage entweder ein gefallener Engel oder ein aus Feuer geschaffener Djinn und spielt eine wichtige Rolle in der Schöpfungsgeschichte, wie sie in Sura 2:28-34 berichtet wird. Nach Meinung einiger Mystiker war er der Lehrer der Engel gewesen und wurde als solcher sogar zum Thema bengalischen Epost im frühen 17. Jahrhundert, des Iblisname von Sayyid Sultan. Darin sagt der Verfasser, dass den Engeln befohlen wurde, Iblis selbst ach seiner Verfluchung durch Gott noch zu ehren, da er einst ihr Lehrer gewesen war – das Gleiche gilt auch für den Jünger, der seinen Shaikh immer zu lieben und zu ehren hat, selbst wenn dieser ein wahrer Satan sein sollte (( Quelle: Enmaul Haq, Muslim Bengali Literature (1957), S. 119 ))

In gewissen mystischen Kreisen versucht man sogar eine Art Rehabilitierung des Satans. Offenbar wurde dieser Gedanke zuerst von Hallaj formuliert: "Satan rühmt sich, Gott Tausende von Jahren gedient zu haben, ehe Adam noch geschaffen war, und sein Stolz, aus Feuer geschaffen zu sein, lässt ihn Gottes Befehl, sich vor dem aus STAUB geschaffenen Adam niederzuwerfen, zuwiderhandeln. Hallaj erkannte nur zwei echte Monotheisten an, nämlich Muhammad und Satan; aber während Muhammad der Kämmerer der göttlichen Gnade ist, wird Iblis zum Schatzmeister des göttlichen Zorns. In Hallajs Theorie wurde Satan als monotheistischer als Gott selbst, denn Gottes ewiger Wille ist, dass niemand außer Ihm angebetet werden soll; aus diesem Grunde weigerte sich Satan, vor einem Geschöpf niederzufallen, obgleich es Gott ausdrücklich befohlen hatte.


Hallaj übersetzt seinen Aufschrei in einem berühmt gewordenen Vielzeiler:


"Mein Aufruhr heißt:
Dich heilig zu erklären!"

Iblis wurde zwischen Willen und Befehl festgehalten "gefesselt ins Wasser geworfen". (s. Enamul Haq, S. 108)

Diese tragische Lage Satans hat eine Anzahl von Dichtern inspiriert,
ihre Sympathie mit ihm zu bekunden, da sein Dilemma in gewisser Weise
die Schwierigkeiten vorwegnahm, die der Mensch in dieser Welt auf sich
zu nehmen hat. (( Quelle: Annemarie Schimmel "Mystische Dimensionen des Islam" ))


Und nun meine Fragestellung:

Was genau hat das wirklich mit dem Islam zu tun? Es gab noch viel abwegigere "Theorien" als diese. Sufis sind vorallem darauf aus, die emotionalen Facetten – ja ihre Liebe zu Gott – auszuleben. Was haben Wein, Homosexualität, sinnliches Auskosten des Lebens, um zum Übersinnlichen zu gelangen mit dem Islam zu tun? All diese Punkte sind islamische "Gesetzwidrigkeiten".

Sufismus – Die Verehrung des Propheten ( Teil 3 )

Muhammad wurde einst mythologisiert – quasi zum Medium der religiösen Erfahrung gemacht und das, obwohl das "Wunder" oder das Zentrum des Islams nicht der Gesandte selbst ist, sondern der Qur’an als direkte Offenbarung Gottes. (( Aus phänomenologischer Perspektive betrachtet ))

Es gab jedoch sehr viele Mystiker, die die erste Hälfte des Glaubensbekenntnisses benutzen, jedoch ohne die spezielle Stellung des Propheten anzuerkennen. Sie gaben dem Islam auf diese Weise eine pantheistische Interpretation, was von Gelehrten sehr kritisiert wurde – in gewissen Fällen sogar verfolgt.

Es gab sogar Mystiker, die offenkundig zugaben, dass die Größe ihrer Liebe zu Gott ihnen keinen Raum ließ, um den Propheten zu verehren. zahnluecke


"Eines Nachts sah ich den Propheten im Traum. Er sagte: ‘Liebst Du mich?" Ich sagte: "Verzeih’ mir, aber die Liebe zu Gott hat mich zu sehr beschäftigt, um Dich zu lieben.[...]"
( Quelle: Fariduddin "Attar, Tadhikirat al-auliya, ed. R.A. Nicholson )

Einige weigerten sich sogar, Muhammads Namen im Gebet auszusprechen.
(( Quelle: Abu’l-Qasim Al-Qushairi, Ar-risala fi ‘ilm at-tasawwuf ))

Der Beginn von einer Muhammad-Mystik war ca. im 8. Jahrhundert. Es war vorallem Mutaqil, der den Propheten in seinen Werken idealisierte. Er war es auch, der den 2. Satz des Lichtverses im Qur’an (( Sura 24:35 )) so interpretierte, dass er sich auf den Propheten bezog, dessen Licht durch die anderen Propheten scheint. Kharraz verfeinerte diesen Gedanken aus. Hallaj widmete einen großen Teil des "Kitab at-tawasin" einem Loblied an den Propheten.


[Sura An-nur, Ayeh 35]
"Allah ist das Licht der Himmel und der Erde. Sein Licht ist gleich einer Nische, in der sich eine Lampe befindet: Die Lampe ist in einem Glas; das Glas gleich einem funkelnden Stern. Angezündet (wird die Lampe) von einem gesegneten Ölbaum, der weder östlich noch westlich ist, dessen Öl beinahe leuchten würde, auch wenn das Feuer es nicht berührte. Licht über Licht. Allah leitet zu Seinem Licht, wen Er will. Und Allah prägt Gleichnisse für die Menschen, und Allah kennt alle Dinge."

Diese Faszination geht aber wieder ein Interesses zurück, das m.E. die eigentliche Basis der Verehrung des Propheten ist: -> Die Liebesgeschichte zwischen Prophet & Gott. Dies sehe ich vorallem in Hallaj’s Hymne bestätigt. Dort ist der Prophet Ursache & Ziel der Schöpfung. Um diesem Gedanken Nachdruck zu verleihen, wurde er in ein "Hadith qudsi" gekleidet: "Laulaka, laulaka, ma khalaqtu’l-aflaka" -> "Wärest Du nicht, so hätte Ich ( Gott ) die Himmel nicht geschaffen."

Daraus lässt sich schließen, dass diese Mystiker der romantischen Meinung waren, dass die Welt erschaffen worden ist, weil Gott seine Liebe zum Propheten weltlich manifestieren wollte. Dem Propheten selbst wurden Worte zugeschrieben, die seine Stellung für Gott und die "Liebesbeziehung" ( nicht sexuell ) zwischen ihnen verdeutlichen sollten:


"Das Erste, das Gott schuf, war mein Geist. Ich war ein Prophet, als Adam noch zwischen Lehm und Wasser war"

M.E. hat der Prophet so einen Ausspruch nie gemacht, da er immerwieder deutlich machte, dass er ein normaler Mensch ist, der Gottes Botschaft zu offenbaren hat. Er wollte nicht als "Heiliger" gesehen werden. Dieser Ausspruch ist m.E. eine Romantisierung seitens der Propheten-Verehrer, um ihrer Faszination weiter frönen zu können.

Der "Lichtgedanke" bezüglich des Propheten fand seine volle Entfaltung um 900. Sahl at-Tustari spricht sogar von drei Lichtern Gottes. Es entstand ein richtiger Kult – aber nicht weil die Expansionsgeschichte des Propheten so wundervoll und verehrungswürdig war, sondern weil die Mystiker sich einzig und allein auf die Liebe und Beziehung zwischen Gott & Prophet konzentrierten. Das, weil sie selbst immer bestrebt waren, Gottes Liebe empfangen zu können. Und das konnten sie nur, wenn sie aus sich entwuchsen und sich entfesselten. Ihr eigenes "Ich" aufgaben, die Einigkeit & Liebe in sich aufgehen ließen oder noch eher: In ihr aufgingen.

Muhammad war nun einmal der Prophet jenes Gebietes & die Umgebung war islamisch geprägt – doch die Ambitionen der Sufis war eine ganz anderer Natur. Es war einzig und allein die fast verliebte Liebe zu Gott. Und die emotionale Nähe – ja, Einigkeit – zu ihm. Welche Philosophie/Religion kommt Euch in dem Zusammenhang in den Sinn, wenn wir von "Einsheit"-Gedanken ausgehen? Jedenfalls nicht die semitischen/abrahamischen Religionen. 

Das pantheistische Weltbild

Nach dem pantheistischen Weltbild ist das Universum ist aufgebaut vergleichbar mit einem Gehirn. So, wie sich das menschliche Gehirn zusammensetzt aus einer großen Zahl von Gehirnzellen, die, dadurch, dass sie in Wechselwirkung zueinander stehen, ein System bilden, bilden die unzähligen Elemente des Universums auch ein System.

Im Pantheismus geht man davon aus, dass die Summe aller Dinge im Universum, das Göttliche selbst bildet, etwas Höheres, was über die Einzelwirkungen der Dinge hinausgeht. Dieses Göttliche bildet natürlich etwas Unvorstellbares, über den Geist des Menschen weit Herausgehendes, was man jedoch am Ehesten mit dem Wort „Bewusstsein“ beschreiben könnte.

Und hier findet sich die Analogie zu dem System Gehirn; das menschliche Bewusstsein entsteht auch erst durch das Zusammenspielen aller Gehirnzellen – jeder Mensch im Universum ist wie eine Gehirnzelle im Gehirn und trägt zum Bestehen eines Bewusstseins bei. Das Zusammenspiel der Gehirnzellen ist natürlich nicht exakt auf das Zusammenspiel der Dinge im Universum übertragbar, aber genau an dieser Stelle setzt das Metaphysische im Pantheismus ein. Man geht davon aus, dass es eine Art Gitter, Macht, Energie oder ähnliches gibt, was als Verbindung zwischen jedem Element (im nicht-chemischen Sinne) des Universums dient. Dieses (für den Menschen!) Unerfassbare wirkt allerdings schon weniger metaphysisch, wenn man die Chaostheorie, eine der zentralen Elemente des Pantheismus, herbeizieht. Die Chaostheorie besagt, dass sich unvorhersehbare Folgen aus bestimmten Abläufen im Universum ergeben können, ganz einfach, weil der Mensch nicht alle Umstände, Faktoren und Begleiterscheinungen zu berechnen, beachten oder wahrzunehmen in der Lage ist.

Ein Beispiel: Ein Mann, der in der Natur lebt, ist in ein Mädchen verliebt. Er sitzt da, und sinniert darüber nach, wie er ihr näher kommen könnte. Während dieses Nachdenkens wirft er geistesabwesend einen Stein durch die Gegend, der ein Kaninchen tödlich trifft. Ein Fuchs schleppt das Kaninchen zu einem Fluss, um es dort zu essen. Der Fuchs erstickt an dem Kaninchen und verwest im Fluss, wodurch das Wasser vergiftet wird. Das Mädchen trinkt aus dem Fluss und stirbt, wodurch der Mann unglaublich traurig wird.

Die Folgerung: Der Mann wird dadurch unglücklich, dass er einen Stein durch die Gegend wirft. Auf den ersten Blick eine schwachsinnig anmutende, nicht nachzuvollziehende Aussage, jedoch mit dieser Begründung verständlich.

Und derart sind natürlich viel komplexere Kausalketten denkbar, die sich nicht nur in dem kleinen, menschlichen Rahmen abspielen, sondern durch das ganze Universum ziehen. Das bekannteste Beispiel für die Chaostheorie ist wohl der Schmetterling, der durch sein Flügelschlagen einen Orkan weit entfernt von seinem Aufenthaltsort auslöst. Bewiesen sind sogar schon viel größere Auswirkungen, beispielsweise dass durch die Explosion Supernovaes neues Leben auf weit entfernten Planeten entstehen kann, so ist auch das menschliche Leben nur durch eine derartige Explosion einer Sonne entstanden.

Für den Pantheismus sind diese Zusammenhänge zwischen den Elementen des Universums wichtig, weil durch die theoretisch mögliche Interaktion erst das System Universum als ganzes bezeichnet und begriffen werden kann. Wichtig ist auch, die Gesamtheit zu begreifen, die Gott für Pantheisten darstellt. So ist wirklich jeder Stein, jedes Tier, jeder Mensch und jede außerirdische Lebensform ein Teil Gottes und wirkt zum Bewusstsein Gottes als komplexeste Form des Lebens bei.

Man darf nicht von der beschränkten Sichtweise ausgehen, nach der der Mensch die Natur unterscheidet. Das gesamte Universum ist sowohl im Mikro- als auch im Makrokosmos sozusagen in Untersysteme gegliedert. Eines dieser Systeme, das wir als Maßstab zu nehmen pflegen, ist der Mensch an sich. In den Mikrokosmos hineinreichend, kann man den Menschen in Organe, gliedern, diese die Untergliederung in Zellen, Bakterien etc… dann wiederum in Moleküle, Atome, Quarks, Subquarks… etc. In den Makrokosmos hineinreichend kann man beispielsweise ein Biotop wie einen Tümpel oder eine Wüste als für sich stehendes System ansehen, dem viele Lebensformen angehören und in gegenseitiger Wechselwirkung stehen. Diese System schließen sich dann zusammen zur Lebensform Erde. Geht man weiter in den Makrokosmos, käme unser Sonnensystem, was ja dem Namen nach schon ein System ist, in Frage als nächste Lebensform – hier wird der Mensch aber einen größeren Schritt der Abstraktion gehen müssen. Das Sonnensystem ist natürlich nicht sehr ähnlich einem System wie dem tropischen Regenwald, dennoch sind einige Wechselwirkungen von großer Bedeutung bis in die kleinen Bereiche die für uns wieder von Relevanz sind, angefangen von Meteoriten, die die Dinosaurier aussterben ließen und so erst die Entwicklung des Homo Sapiens ermöglichten bis hin zum lebensspendenden Licht. Dass Himmelskörper im gesamten Universum interagieren, ist leicht vorstellbar, wenn man an große Massen, Energien, die frei werden oder Geschwindigkeiten einiger Meteoriten denkt.

Für den Glauben ist aber das Interagieren von intelligenten, sich-selbstbewussten Lebensformen wohl am interessantesten, denn genau diese können sich eben Gottes bzw. des Universums bewusst sein und ihr Leben danach ändern, während ein Opossum zwar auch ein Teil Gottes ist, aber weder beten, glauben noch sich seiner eigenen Existenz überhaupt bewusst sein kann.

Im Pantheismus steht Gott nicht außerhalb des Universums, wie es in den meisten monotheistischen Religionen wie dem Christentum, Islam oder Judentum ist, sondern Gott IST das Universum, alles ist EINS.

So, wie das Universum entstanden ist, ist Gott entstanden, der Urknall ist die Geburtstunde Gottes so wie das Zusammenfallen des Universums das Ende Gottes sein wird. Vielleicht wird ein erneuter Urknall ein neues Universum erschaffen, aber das liegt weit außerhalb jeder menschlichen Beweisfähigkeit und jeder sollte sich da eine eigene Meinung bilden.

Schließlich ist der Glaube etwas sehr persönliches und Pantheismus ist nur eine abstrakte „Richtlinie“, kein ins Detail ausgearbeiteter Glaube wie das Christentum, der durch die Bibel eine genaue Definition erhält.