13f / 50f [Verletzlich]

Mir fällt es schwer, dieses Bild für das Projekt 50f zu nutzen, denn es ist mehr als eine Überlegung und Inszenierung für ein Bild. Dieser alte Mann, der da einsam an der Straße stand, brach mir das Herz. Ich reagiere auf alte Menschen sehr empfindlich. Ich projiziere sehr viel Einsamkeit und Hilflosigkeit in sie hinein. Und lange kann ich sie dann nicht vergessen. Ich finde, dieses Bild repräsentiert zum Wort “Verletzlich” viel passender als meine ursprüngliche Idee. Wie plump sie mir im Nachhinein nun vorkommt.


12f / 50f [Mystisch]

Ich habe mich entschieden, das Death Note zu fotografieren und dazu ein moralisch verwerfliches Accessoire hinzuzufügen. Ihr werdet es sicherlich entdecken. Wer wissen will, was das Death Note ist, kann das hier nachlesen: Das Death Note und Du. Das Bild ist anklickbar. In der Originalgröße könnt Ihr die To-Do-Liste auch lesen.

10F / 50F [Verbunden]

Zwei junge Menschen saßen einst hier auf dieser Bank und hatten nichts Dringenderes zu tun, als ihre Liebe in Holz zu schnitzen. Warum tun Menschen soetwas? Es ist genauso wie das Heiraten, nur in einer kindlicheren Form. Durch rituelle Handlungen gibt man seiner Verbindung und Liebe eine Art Besonderheit und Gültigkeit. Etwas Andauerndes, ja am liebsten Ewiges. “Solange dieses Herz in diese Bank oder in diesen Baum geschnitzt ist und unsere Namen dort stehen, kann unserer Liebe niemand etwas anhaben – und schon gar nicht wir.” Genauso ist es mit den Ringen und den weißen Hochzeitskleidern. Der Gang der Braut mit dem Vater zum Altar, die Übergabe aus der Obhut des Vaters in die Arme des Ehemannes, das Gelöbnis vor allen Leuten und vor Gott. All diese Dinge sind dazu da, um fragile Bindungen wie die Liebesbindung robust gegen unsere eigenen Zweifel und äußeren Widerstände zu machen. Wir Menschen sind Meister im Festhalten. Und das ist nicht immer gut. Aber wenn schon festhalten, dann doch so. Mit Schnitzereien, Herzen, Liebesschwüren. Mit kleinen Mädchen, die weiße Blüten werfen, mit schönen Bräuten und Freudentränen. So sind wir einfach. Sentimental und zerstörerisch in einem. Mal innig einig, mal innig entzweit – aber immer irgendwie ineinander im Guten und im Bösen verkeilt.

9F / 50F [Alt] Meine deutsch-tschechischen Vorfahren

Was man mir nicht ansieht ist: Ich bin zu einem Viertel Deutsch. Und meine Ur-Großmutter war Tschechin. Eine berüchtigt schöne Frau mit dunklen Haaren und markanten Gesichtszügen, die Strenge und Wärme zugleich ausstrahlten. Mein Ur-Großvater verliebte sich damals auf der Stelle in sie, doch die Geschichte ihres Zusammenkommens ist fast so kompliziert, wie die Liebesgeschichte meiner eigenen Eltern. Als mein Ur-Großvater starb, starb meine Ur-Großmutter nur wenige Monate später mit ihm. Wenn man die Selbstaufgabe und die Notwendigkeit, morgens aufzustehen und das Fenster zu öffnen einen Tod aufgrund eines gebrochenen Herzens nennen kann, dann kann man sagen, sie starb an einem gebrochenen Herzen. Ja.

Aus dieser seltsamen iranisch-deutsch-tschechischen Verbindung sind meine wunderschöne Mutter und mein Onkel hervorgekommen. Beide haben sie smaragdgrüne Augen, eine helle Haut und kastanienbraunes Haar. Ihre Gesichtszüge sind nicht iranisch, aber auch nicht deutsch. Niemand kann wirklich einschätzen, woher sie stammen. Sprechen sie deutsch, haben sie einen persischen Akzent. Und auf Persisch unterhalten sie sich lieber als auf Deutsch. Groß und schlank sind sie, so ganz anders als meine Familie väterlicherseits, die sehr iranisch ist – einerseits persisch, andererseits azari – und die eher eine kräftige und robuste Muskulatur und Skelletur hat, während mütterlicherseits alles sehr zart, schlank und groß ist. Wir sind nun aus dieser schönen Mischung hervorgegangen. Ich habe schwarzes Haar und typisch iranische Augen und Augenbrauen, aber bin recht hellhäutig und groß für eine Iranerin. Meine Schwester scheint der Linie meiner Mutter eher zu entsprechen. Sie ist sehr hellhäutig und hat hellere Augen als ich, ihr Haar ist kastanienbraun – aber sie ist kleiner als ich. Mein Bruder hat dunkelbraunes Haar, ist von der natürlichen Statur her sehr groß, aber hat die starke Muskulatur und das starke Skellet meiner Familie väterlicherseits bekommen. Dennoch hat er zierliche Anteile mütterlicherseits im Gesicht und an den Händen.

Meine Oma mütterlicherseits – eine Frau von außergewöhnlicher Schönheit, der man große Ähnlichkeiten zu Elizabeth Taylor nachsagte – ist sehr früh verstorben, so dass meine Mutter mir nicht viele alte Geschichten aus jener Zeit erzählen kann. Doch die fünfhundert Bilder in schwarz-weißer Seelenmalerei, die wir von meinen Ur-Großeltern entgegen genommen haben und in Ehren halten, erzählen Geschichten, die heute noch leben. Alte Briefe sind darin versteckt und mit Liebe zusammengefaltet. Postkarten, kleine Notizen, schüchterne Liebesbekundungen, erzählen von heimlicher Liebe und Trennungen und Vereinigungen durch Krieg und Frieden. Ich fand zwei selbstgemalte Bilder, die meine Mama als Kind gekritzelt hatte und ihrer Oma – meiner Ur-Oma – geschenkt hatte. Sie hatte es datiert und aufbewahrt. Weiterlesen

7f / 50f [Spiel] oder: Hello Kitty Against Sexism!

Gestern waren Mr. Serious und ich in der Stadt und suchten nach einem passenden Spielzeug für meine heute frisch zwei Jahre alt gewordene Klein-Cousine. Nennt man das so? Ich sehe mich dann doch eher als Tante. Jedenfalls, es war erschreckend, zu sehen, was es für Spielzeug gibt für Mädchen. Erst einmal: Alles ist quasi Rosa. Nicht, dass ich etwas gegen Rosa hätte, aber ich finde es furchtbar, darauf getrimmt zu werden. Meine Rosa-Sucht ist ja eher von selbst entstanden, nachdem ich jahrelang hochjungenhaft gelebt hatte und fast nur Jungsspiele für Jungs und mit Jungs spielte. Jedenfalls (die Zweite), war das Rosa nicht das größte Problem. Das größte Problem war, dass wir versucht haben, ein Spielzeug zu finden, das a) das verwöhnte Mädchenauge für Ästhetik und Formschönheit befriedigt und b) dennoch kognitive Fähigkeiten fördert. Das heißt, es wäre gut gewesen, etwas zu finden, das nicht kämmbar, schminkbar, stillbar oder streichelbar wäre – oder wenn, dann nicht ausschließlich.

Aber alles Intelligenzfördernde war in schwarz-blau-kriegerisch-jungenbezogen. Es war dunkel, männlich, heldenhaft, aggressiv, hoch technologisch. Nichts für eine Zweijährige. Nichts für ein Mädchen, eigentlich auch nichts für einen Menschen, den man eben nicht zum Kriegerischen erziehen will – und das sollte man am Besten niemanden. Ich war innerlich ganz geknickt, während ich äußerlich mit meinen “Alice Schwarzer-Sätzen” (so nennt Pepe das immer, wenn er mich zur Weisglut bringen will) so rumspie. Er konnte mich gar nicht mehr zügeln, so übel wurde das. Immerhin waren wir unter Zeitdruck, und so ein Spielzeug konnte die ganze weitere Entwicklung eines kleinen Mädchens beeinflussen. Irgendwann meinte er nur noch: “Schatz, muss das jeder mitkriegen, dass Du in Deinem letzten Leben Xena, die Kriegerprinzessin warst?” – Schachmatt. Ich fauchte wortlos – und wir gingen nach Hause und aßen erst einmal, bevor wir uns dann in die hitzende Einkaufsstraße begaben, um noch einmal unser Glück zu suchen. Und siehe da, wir wurden fündig. Sowas von fündig.

Pepes ingenieurtypischen Einfluss seht Ihr in den Legobausteinchen. Sie sind groß und super geeignet für patschige, neugierige zweijährige Händchen. Und da seht Ihr den Einfluss des Mädchen- und Frauseins (von mir): Hello Kitty. Rosa, Lila, Gelb, Türkis – alles, was das Mädchenherz an hellen, frohen Farben begehrt. Und keine Kriegerburg, keine Ritter, keine Transformers-Elektrik-Robot-Knarre-Gedönsi, aber trotzdem gut für’s Köpfchen. Ich bin hellauf begeistert und total glücklich. Wenn sie sich also heute desinteressiert anstellt, meine kleine Klein-Cousine, dann nehme ich das Spielzeug einfach mit, baue ein Legohaus mit Garten, setze Hello Kitty drauf und benutze es als Deko für unsere Vitirine. Für den Fall, dass sie es doch liebt, habe ich eben ein Erinnerungsfoto von diesem Prachtspielzeug gemacht und kann’s einrahmen und in die Vitrine stellen. Mr. Serious weiß noch nichts von meiner Idee. Aber das ist auch irrelevant. Ich sehe, ich werde verstanden!

6f / 50f [Hölzern]

Hier ist mein Bild zum Wort “Hölzern”. Irgendwie ist es relativ dazu so wunderbar weich geworden. Mein Peyman mit Holz und Blumen in der Hand. Anbietend, offen, auffordernd, liebevoll. Auch dieses Bild mag ich. Und neben all den Lollipop-Farben der letzten Tage, kuschel’ ich mich so gern’ an die ruhigen, achromatischen Farben, die meinen vollen Kopf leeren und mein aufgewühltes Herz besänftigen.

5f / 50f [Gefühlt]

Diese sterbende Diva habe ich in der Nähe unserer Haustüre gefunden. Sie kämpfte sich durch Gestrüpp ihren eigenen Weg in die Aufmerksamkeit von Wesen, die ihre Schönheit zu schätzen wissen. Sie hat soviel Kraft dafür aufgebraucht, um diesen einen Augenblick von Ruhm zu erleben, dass sie sehr müde aussah – aber dafür umso schöner, stolzer und erleichterter, als sie merkte, dass ich mich in sie verliebte und ihre Schönheit festzuhalten suchte. Ihre Farben waren blass und sie war müde von ihrem eigenen Traum. Deshalb habe ich mir erlaubt, ihren Ruhm und Glanz wie den der alten Diven in Schwarz-Weiß abzulichten. Ich liebe dieses Foto. Es bedeutet mir etwas. Aus irgendeinem Grund war ich zutiefst berührt, als ich sie ansah. Auch, wenn es vielen gewöhnungsbedürftig erscheinen dürfte, Blumen in Schwarz-Weiß zu bewundern. Ich hoffe, ihr liebt sie genauso wie ich. Ich hoffe, Ihr seht sie so, wie ich sie sehe.

Nachträglich hinzugefügt: Ich habe sie mit in das Profjekt 50f reingenommen. Gestern, beim Durchlesen der Wortliste sprang mir “Gefühlt” entgegen. Und obwohl meine Grundidee zu diesem Wort als Fotografie eine andere war, passte diese Diva besser für mich rein. Denn als ich sie entdeckt hatte, habe ich sie tatsächlich gefühlt.

4f / 50f [Musik]

Leider nur ein Schnappschuss und kein bedachtes Bild. Und am regnen war es auch. Und der Liebste quengelte. Er hatte doch Hunger, wurde nass, musste mal. Also eigentlich hat er meine sonstigen Quengeleien diesmal komplett übernommen. Es fehlte nur noch ein “Wenn Du wüsstest. Wenn Du wüsstest, was für eine unbändige Lust ich auf Eis mit mit mit allemdrumunddran habe, dann…!” (Das “dann” müsst Ihr Euch donnernd vorstellen!) Aber das ist eine andere Geschichte…