Generation Y: Die angepassten Okay-Studenten

Ich möchte euch einmal diesen unverschämten Artikel einer Dozentin vorstellen, die ein wenig Werbung für ihre Generation auf unsere Kosten machen möchte. Dabei schildert sie Aussagen von Studierenden, die in meinen Ohren absolut unrealistisch wirken. Dieser Artikel wurde auf der Uni-Köln Seite veröffentlicht. Es wurde von den Studierenden dort darum gebeten, dass ich meinen Kommentar dazu weiterverbreite. Hier erst einmal der Artikel: Generation Y: Die angepassten Okay-Studenten. (Mein Kommentar – leicht abgeändert zum besseren Verständnis):

Für mich grenzt dieser Artikel an Ignoranz, und wenn ich ehrlich bin, glaube ich ihr auch einige Aussagen, die Studierende angeblich getätigt haben sollen, nicht (z. B. „Uns bringen diese Diskussionen nichts …” – Wir waren jedesmal hellauf dankbar, wenn irgendetwas im Seminar vom Lehrplan abwich). Weiterlesen

Das Selbstexperiment

Die von Selbstzweifeln geplagte Frau ist mir irgendwie abhanden gekommen. Seitdem hat sich sogar mein Gedächtnis verbessert, und ich kann mir Lernstoff viel schneller einprägen. Wie kann es sein, dass der Ballast der Selbstablehnung so heftig auf die Leistung schlägt?

Ich habe vor acht oder neun Wochen ein Experiment begonnen, nachdem ich nach einem Seminar bemerkte, dass ich an das, was ich über Psychotherapie und Interventionstechniken lernte, nicht glaubte. Dass eine sehr laute und sarkastische Stimme in mir sagte: „Oh Mann, mit dem Scheiß willst du später Menschen, die Hilfe brauchen, helfen? Das glaubst du doch selbst nicht.“ Also habe ich nur einen kleinen Therapiebaustein genommen und ihn sogar unter sehr suboptimalen Bedingungen durchgesetzt: Ich habe tagtäglich gegen meine automatischen Gedanken angekämpft („Du kannst das nicht“, „Du bist zu blöd dazu“, „Du bist fett“, „Du bist hässlich“, „Du bist nicht liebenswert“), indem ich die Komplementärgedanken dazu bewusst „gedacht“ habe (“Du kannst das”, “Du bist sehr intelligent, schön, liebenswert”). Mit der Zeit habe ich die automatischen negativen Gedanken mit viel Mühe und einsetzenden Kopfschmerzen immer und immer wieder korrigiert, bis ich vor Erschöpfung wütend wurde. Diese Wut war aber verdammt gut und heilsam. Sie hat mir nämlich plötzlich die Frage gestellt, warum ich mir überhaupt seit Ewigkeiten das Recht verwehrte, mich wirklich in Ordnung zu finden? Warum eigentlich? Wo bin ich denn soviel schlechter als andere? “Ja, zähl’ mal auf, Sherry. Worin genau bist du denn so abgrundtief schlecht, dass du dich verachten müsstest?” Diese wirklich konkrete Frage erforderte eine konkrete Antwort, die ich gar nicht geben konnte. Wenn ich etwas nicht beantworten konnte, dann doch, weil das Gefühl gar nicht auf Fakten beruhte. (Simple Schlussfolgerungen sind manchmal sehr heilsam.) Weiterlesen

Monster abzugeben

Nein, das ist nicht die Masterarbeit, das ist ein ganz normales Diagnostisches Gutachten für eine Klientin, das wir im Rahmen des Studiums erstellen müssen. Sind ja nur achtzig Seiten, also umfangreicher als meine Bachelorarbeit. Diese Leistungen müssen wir nebenher erbringen. Neben Praktika, Präsentationen, weiteren Hausarbeiten, Klausuren, Hausaufgaben und Seminaren mit Anwesenheitspflicht. Es ist wirklich an der Zeit, dass die Uni bald zu Ende geht.

Der Versuch sich selbst zu erschaffen

Seit Monaten beschäftige ich mich mit den kreisenden Gedanken um ein Tattoo. In meinem Alter ist das seltsam, wo ich diesen Verführungen in Teeny-Jahren trotz besonderer Anfälligkeit erfolgreich entsagen konnte (Mit Hilfe meiner Eltern natürlich). Ich habe noch keine genaue Vorstellung, wie es aussehen soll, weil ich nicht weiß, wie das, was ich auf meiner Haut ausdrücken will, überhaupt in ein Bild gebracht werden könnte. Also halte ich einfach nur an diesem Vorhaben fest, ohne eine genaue Idee zu haben und warte nur noch auf diese eine Sache – diese eine Hürde – die ich noch zu überwinden habe, um mir danach die Markierung in meinem Lebenslauf aus einzugravieren. Nicht irgendwo in der virtuellen Welt, in einem Tagebuch, das verloren gehen könnte oder irgendwo außerhalb von mir, sondern auf mir selbst. Immer da als Beweis dafür, dass alles wirklich geschehen ist und ich überlebt habe.

Wie es der Zufall so wollte, bekam ich in diesem Semester den Kurs “Körperdysmorphe Störungen” auch wirklich zugeteilt. Bei der Körperdysmorphie handelt es sich um eine überdimensional ausgeprägte Beschäftigung mit einem “Makel” am Körper, der vielleicht gar keiner ist oder von der sozialen Umwelt gar nicht als solcher wahrgenommen wird – aber dafür umso extremer vom Betroffenen selbst. Dabei kann es sich um alles Mögliche handeln: Um die Nase, den Mund, die Füße, die Akne, die Sommersprossen, ja, sogar die Muskeln und die Figur. Es gibt Männer, die tragen unter ihren Klamotten drei bis vier Schichten andere Klamotten, nur weil sie davon überzeugt sind, dass sie spargeldünn und schwächlich aussehen müssen. Vom Gegenteil überzeugen kann man sie nicht ohne Weiteres. Weiterlesen

Große Schätze

Das hier ist keine Angeberei, sondern eher Schwärmerei. Ich habe hart dafür gearbeitet, um mir die meisten Lehrbücher auch kaufen zu können und nicht nur auszuleihen. Wie hätte ich sie sonst entdecken können, so ganz ohne Totaleinverleibung? Ich verkaufe sie auch nicht weiter, immerhin habe ich viel Zeit mit ihnen verbracht und durfte magische Aha-Effekte erleben. [Außerdem sind die meisten neon-markiert.] Andererseits habe ich erlebt, dass Lesen allein nicht ausreicht, um Wissen am Besten in mir zu manifestieren. Ich bin nicht ausschließlich Primatin der Kognition, deshalb brauche ich noch einen anderen Zugang, und das ist das Zeichnen von Fakten, das Verändern von Modellanteilen, um dann zu schauen, wie die Konsequenz ohne Variable X aussehen würde. Man könnte sagen, ich lerne viel dadurch, indem ich mit Faktoren rumwürfele und das Verhalten einer Sache simuliere, um aus der Abweichung, die sich ergibt, die Natur des Gegenstandes zu verstehen. Wenn ich es schaffen würde, all den Stoff so zu lernen – und nicht anders -, könnte ich mit Sicherheit behaupten, dass ich es nie wieder vergessen würde, was ich gelernt habe. Aber nein, das Studium lässt keine Zeit zum Lernen. [Ja, den Satz muss man sich erst einmal auf der Zunge zergehen lassen.] Ich hoffe, die Bilderlastigkeit der letzten Tage macht euch nichts aus. Falls ihr euch für einige Bücher interessiert, klickt einfach drauf, dann könnt ihr die Titel und Autoren lesen.



Fluchtreflexe

Nach nur zehn Tagen Vorlesungsbeginn, sah mein Ordner bereits so aus. Jetzt, paar Tage später, füllt sich bereits der Zweite. Da kann ich wieder nur den Kopf schütteln. Was denken die Dozenten eigentlich? Vermutlich hält jeder von ihnen ihre eigene psychologische Disziplin für die Wichtigste. Ich fühle mich jetzt schon erschlagen und nehme den mir schon vertrauten Fluchtreflex wahr, den ich jedes Semester von Neuem habe. Bis ich mich beim Durcharbeiten all des Materials selbst wieder dabei ertappe, wie wundervoll es ist, was ich da lesen darf. Aber mal etwas Anderes: Ich sollte mich vielleicht ernsthaft daran gewöhnen, die PDFs am MacBook zu lesen, damit ich nicht soviel Papiermüll produziere. Aber wie bei den Meisten, erfasse ich Dinge besser, wenn ich sie in der Hand habe, berühren und unterstreichen kann – und vor allem meine Notizen [Fragen] festhalten darf.