Rastlos

Warum immer ich es bin
die keine Rast findet
Warum meine Träume zu
jedermanns Ängsten werden
und nicht wie einst
Märchen malen

Ein gedankenloses Gähnen
verwandelt sich
in einen rissigen Rachen
Ich möchte doch nur
„Gute Nacht“ murmeln
Die Lider schließen
„Danke“ seufzen
und Ruhe finden

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Was tun jetzt? – [Oder: Je suis Charlie]

Heute ist etwas Schreckliches passiert: Ein verheerender Anschlag auf die Redaktion der Satirezeitung „Charlie Hebdo“ wurde ausgeübt. Viele Menschen sind dabei ums Leben gekommen. Das war ein gezielter Angriff auf westliche Werte, sagt man. Sie stelle einen Angriff auf die Meinungs- und Pressefreiheit dar, sagte Francois Hollande. Und so, wie ich Islamisten erlebe, ist es auch so. Alles, was mit dem freien Lebensstil der westlichen Welt zu tun hat, wird abgrundtief von ihnen gehasst. Wie die Menschen sich anziehen, wie sie feiern, wie sie frei nach Schnauze sagen, was sie denken und wie sie Satire betreiben und alles auf den Arm nehmen, auch religiöse Persönlichkeiten.

Was soll man nun tun?, frage ich mich. Das tun, was sich intuitiv anfühlt oder das, was nun am Effektivsten ist? Ich höre andere oft sagen, dass Muslims sich von islamistischen Strömungen distanzieren müssen, damit sie weiterhin glaubwürdig bleiben. Ihr Schweigen würde den Verdacht aufrechterhalten, dass sie hinter all diesen Dingen stünden. Andererseits könnte man argumentieren, dass es falsch ist, von einer Glaubensgemeinschaft zu erwarten, der Welt beweisen zu müssen, dass sie nicht zu der extremsten und radikalsten Form dieser Ideologie gehören, wo sie sich und ihre Religion doch selbst als missbraucht ansehen und genauso verletzt oder schockiert über solche Ereignisse sind wie alle anderen auch (zumal die Konsequenzen für ihr Alltagsleben durch etwaige Diskriminierungen sogar weitreichend sein könnten). Man verlange auch nicht von jedem Deutschen, er möge sich von Hitler distanzieren, man erwarte auch nicht von jedem Amerikaner, sich von der Sklaverei zu distanzieren und auch nicht von jedem anderen Europäer, sich vor dem ersten Satz noch von seiner Kolonialgeschichte zu distanzieren. Weiterlesen

Ich liebe Dich, Köln …

Gestern Abend waren wir berauscht vor dem Glück des Zusammenseins; und ich habe gespürt, wie sehr ich diese Stadt und ihre Menschen liebe und wie sehr sie uns liebt. So lange habe ich auf diese Liebeserklärung gewartet und sie endlich bekommen. Da waren sie alle: Kölner und Kölnerinnen, Seite an Seite, mit einem dunklen unbeleuchteten Kölner Dom als wütende, große Mutter, die schützend ihre Hand über uns hält – und wir haben uns alle gegen die Pegida-ianer gestellt und ihnen ihren Demonstrationszug versperrt. Selten habe ich mich so zugehörig, so angenommen, so beschützt gefühlt wie gestern, als man gegen Migranten marschieren wollte, aber nicht mehr vom Fleck weg kam, weil sich ganz Köln quer stellte. Kleine dunkeläugige Kinder müssen keine Angst mehr haben. Ihre Väter und Mütter können sie beruhigen mit den Worten „Nein, mein Kind. Wir sind hier nicht unerwünscht. Siehst du die Menschen auf diesen Straßen? Sie kämpfen dafür, dass wir hier bleiben dürfen.“

Ich <3 Dich, Köln …

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Dienen [mit Leib & Seele]

Das Leben wäre umso vieles einfacher, wenn man tatsächlich ernten würde, was man sät. Umso unglaublicher ist es, dass wir trotz der erlebten Widersprüchlichkeit von universellen oder göttlichen Gerechtigkeitskonzepten immer noch überzeugt davon sind, dass Gutes zu tun uns Gutes bringen wird. Und dennoch sehe ich, dass soviele von uns die guten Dinge nicht tun, weil sie erwarten, dass Gott oder das Universum es im Nachhinein gut mit ihnen meinen, sondern weil es ihnen einfach ein Bedürfnis ist, so zu handeln, dass es andere heilt und beflügelt. Ich gebe nicht aus altruistischen Gründen, ich gebe, weil es mich verdammt nochmal erfüllt. Ein lieber Mensch sagte einst in einer Diskussion, es wäre viel schwieriger gut zu sein und gut zu handeln, deshalb wäre es soviel wert, den anderen Impulsen nicht nachzugeben. (Vielleicht hat er es anders gemeint, aber ich gebe wieder, wie ich es verstanden habe). In dem Moment wurde mir klar, dass es (für mich) genau umgekehrt ist. Gut zu sein, zu hegen, pflegen, helfen und lieben fällt doch umsovieles leichter, ist es doch der aller erste Impuls in jeder vertrauenswürdigen Begegnung, den ich empfinde. Zu zerstören, zu distanzieren, zu erkalten und mich abzuwenden fällt mir so unglaublich schwer, selbst bei Menschen, die mir Schlechtes getan haben. Noch vor Wochen kam eine Person auf mich zu, von der ich weiß, dass sie hinter meinem Rücken Läster- um Lästerattacken über mich von sich gibt; und der erste Impuls war, sie einfach zu umarmen in der Hoffnung, dass all ihre negativen Gedanken über mich abfallen. Erst im zweiten Impuls dachte ich, dass sie das vielleicht nicht will und dass ich mich vielleicht entsprechend ihrer „Bösartigkeit“ mir gegenüber verhalten und auf Distanz gehen müsste. Die beiden konkurrierenden Impulse ergaben eine lauwarme Umarmung. Meine Zuwendung war eher ein unerfüllter Wunsch als ein Willkommensgruß in meine Seele hineingehen zu dürfen, wenn sie wollte. Weiterlesen