She …

Diesen Song habe ich heute geschenkt bekommen, indem ich von ihm daran erinnert wurde, dass es ihn gibt. Er hatte ihn auf dem Heimweg im Radio gehört und fand, „er sagt vieles von dem, wofür ich zu ungeschickt bin.“ Ich höre ihn schon den ganzen Tag, entweder mit Headset oder im Herzen. Das war mein schönstes Weihnachtsgeschenk. Diese alten Songs machen, dass ich nicht alleine bin.

„She, who always seems so happy in a crowd
Whose eyes can be so private and so proud
No one’s allowed to see them when they cry“

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Bedingungen

Am Ende des Tages hat man nur das, was man gegeben hat und durch diesen Weg erhalten hat: eine Art Gewissheit, dass man mit anderen in tatsächlicher Berührung stand. Dass das eigene Tun, das eigene Lächeln und die Zuwendung sich nicht spurenlos in der Zeit verlieren. Die Natur hat nichts Barmherziges an sich. Wer sich gierig verhält, wird anfangs aufsteigen wie die mächtige Sonne und sich am Ende des Tages selbst verbrennen. Mit „sich selbst“ ist hier aber nicht ein einziges Individuum gemeint, sondern die ganze Spezies oder gar der ganze Planet. Die Natur ist nämlich nicht gerecht, macht keinen Unterschied zwischen individueller und kollektiver Schuld. Wenn sie antwortet, dann vollkommen vernichtend. Aber wir können nicht behaupten, sie hätte uns nicht mal sanft mal hart gewarnt. Das können wir nicht behaupten. Weiterlesen

Von der Jugend und vom Schicksal

Seltsam, dass viele erst dann zufriedener mit sich werden, wenn der Zenit der jugendlichen Schönheit vorüber ist. Erst dann bekommt überhaupt das Gefühl für die eigene Schönheit Magie; Formen, die man damals ablehnte, beginnt man an sich selbst zu bewundern. Deshalb beneide ich die Teenies von heute nicht, während viele meiner Freundinnen jammern und sagen „Ach wäre ich doch wieder achtzehn.“ Ich erinnere mich aber noch genau, wie es war, achtzehn zu sein. Ich war grundsätzlich immer (!) zu dick, selbst wenn ich die untere Grenze von Normalgewicht erreicht hatte. Alles an mir stimmte nicht. Augen, Nase, Mund, Haut – ich habe immer etwas gefunden, das potenziell abstoßend war – heute weiß ich: abstoßend nur in meinem Kopf. Jede Annäherung und Liebeserklärung habe ich im ersten Augenblick immer als Verarschung interpretiert. „Wiewas? Der verarscht mich doch. Verliebt kann er unmöglich sein, nicht in mich.“ Das war nicht schön, das war ein ständiger Kampf um einen Preis, den es niemals geben würde. Andererseits gab es diese innere Aufregung, dieses Spielen mit dem Neuen – die ganze Welt: ein Rätsel. Ein noch größeres Rätsel: Das männliche Geschlecht. Und sie bereiteten uns heftige Bauchschmerzen, die wir aber niemals hätten missen wollen.

Ich weiß, dass wir Frauen häufig den Anschein machen, dass Männer uns nicht wirklich beeindrucken, dass wir sie längst durchschaut hätten, dass sie einfach gestrickt seien und man nur ein wenig mit dem Popo wackeln muss, um sie in die Falle zu locken. Aber so sehen wir Männer nicht, wir geben nur vor, es zu tun. Die größte Angst vieler Frauen ist, dass ihre Männer eines Tages sehen, dass es eigentlich keine guten Gründe mehr gibt, bei ihnen zu bleiben. „Was habe ich mehr zu bieten als andere Frauen? Jetzt altere ich auch noch, wieso sollte er bei uns bleiben?“ Dieser Gedanke basiert auf einer sehr fatalen, unbewussten Einstellung, nämlich jener, dass der Grund für die Liebe unserer Männer, fast nur im Aussehen zu suchen ist oder der Kompetenzen im Liebesspiel. Weiterlesen

In Augenblicken denken

Am Besten, man geht so des-idealisiert wie möglich an sich ran. Das entwaffnet andere, verringert die Angst vor Gesichtsverlust und Selbstwertbedrohung. Am besten, man gibt zu, dass man manchmal auch Neid empfinden kann, dass man Dingen hinterherschaut, die man gerne hätte aber nicht hat, um sich (vielleicht) im nächsten Augenblick in einem befreienden Seufzer wieder dankbar fühlen zu können für das, was man eben doch hat. Oft denken wir, die anderen mit dem Leben voller Urlaub und einem glitzernden Meer im Hintergrund von lachenden Gesichtern in Zweisamkeit, seien glücklicher als wir. Aber so ist es nicht, denn die meisten von uns neigen doch dazu, weiter fort zu schauen und den Horizont anzuvisieren; warum auch immer, aber selten sind wir da, wo wir gerade sind. Und dann sollten wir uns selbst kneifen, aufwachen und sagen “Hier bin ich” und sich kurz freuen, sich des Daseins gewahr werden, atmen, ausatmen, lächeln …

Oft werde ich gefragt, wie er und ich es schaffen, so lange zusammen zu sein, trotz allem, trotz der fünf Jahre Fernbeziehung, trotz einem nur einwöchigen (verzweifelten) Zusammensein nach unserer Trauung, trotz der Entfernung und trotz all den Trotzdems. Ich habe lange über diese Frage nachgedacht, und zwei Dinge sind haften geblieben. Einmal das Gefühl, dass ich keine andere Wahl hatte, als bei ihm zu bleiben, denn ich lieb(t)e ihn. Ein Leben ohne ihn war unvorstellbar. Punkt. Das andere sind die heute noch zelebrierten fünf Minuten dösender Augenblicke am Ende eines Tages, wenn wir müde beieinander sitzen, ob am Headset oder in real, kaum noch in der Lage, ein Wort zu sprechen, weil die Zunge schwer und der Geist lahmt; und wenn in diesen Minuten dieser eine Augenblick vorbeihuschte, der mindestens einen von uns gewahr werden ließ: “Sie ist meine Frau. Er ist mein Mann. Das ist ein Wunder …” Weiterlesen