Monster abzugeben

Nein, das ist nicht die Masterarbeit, das ist ein ganz normales Diagnostisches Gutachten für eine Klientin, das wir im Rahmen des Studiums erstellen müssen. Sind ja nur achtzig Seiten, also umfangreicher als meine Bachelorarbeit. Diese Leistungen müssen wir nebenher erbringen. Neben Praktika, Präsentationen, weiteren Hausarbeiten, Klausuren, Hausaufgaben und Seminaren mit Anwesenheitspflicht. Es ist wirklich an der Zeit, dass die Uni bald zu Ende geht.

Gedankenabriss

In den letzten Tagen frage ich mich immer wieder, wie es wohl ist, wenn man älter ist und davon ausgeht, dass man vielleicht noch nur zehn oder zwölf Jahre zu leben hat. Wie fühlt sich das an? Aus heutiger Sicht würde mir wohl ein wenig der Panikschweiß von der Stirn brechen, und ich würde “Oh Gott, oh Gott” rufen, weil ich ja noch soviel vorhatte. Aber wenn ich mir vorstelle, ich wäre gealtert, hätte die Möglichkeit bekommen, zu reifen und das Langsamwerden des Körpers zu erleben und allmählich zu akzeptieren, dann würde ich mit dieser Erkenntnis vielleicht umgehen wie mit einer Gewissheit, die für uns alle gilt – und ich könnte mich beruhigen. Vielleicht altern wi auchr deshalb: damit ein Ende akzeptabler erscheint. Vielleicht ist Altern eine Art Konfrontation mit dem Sterben und eine Möglichkeit, neben diesem den Kontrast des Lebens besonders besonnen zu genießen. Vielleicht ist es also gut, die Sache mit dem Altern.

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Große Schätze

Das hier ist keine Angeberei, sondern eher Schwärmerei. Ich habe hart dafür gearbeitet, um mir die meisten Lehrbücher auch kaufen zu können und nicht nur auszuleihen. Wie hätte ich sie sonst entdecken können, so ganz ohne Totaleinverleibung? Ich verkaufe sie auch nicht weiter, immerhin habe ich viel Zeit mit ihnen verbracht und durfte magische Aha-Effekte erleben. [Außerdem sind die meisten neon-markiert.] Andererseits habe ich erlebt, dass Lesen allein nicht ausreicht, um Wissen am Besten in mir zu manifestieren. Ich bin nicht ausschließlich Primatin der Kognition, deshalb brauche ich noch einen anderen Zugang, und das ist das Zeichnen von Fakten, das Verändern von Modellanteilen, um dann zu schauen, wie die Konsequenz ohne Variable X aussehen würde. Man könnte sagen, ich lerne viel dadurch, indem ich mit Faktoren rumwürfele und das Verhalten einer Sache simuliere, um aus der Abweichung, die sich ergibt, die Natur des Gegenstandes zu verstehen. Wenn ich es schaffen würde, all den Stoff so zu lernen – und nicht anders -, könnte ich mit Sicherheit behaupten, dass ich es nie wieder vergessen würde, was ich gelernt habe. Aber nein, das Studium lässt keine Zeit zum Lernen. [Ja, den Satz muss man sich erst einmal auf der Zunge zergehen lassen.] Ich hoffe, die Bilderlastigkeit der letzten Tage macht euch nichts aus. Falls ihr euch für einige Bücher interessiert, klickt einfach drauf, dann könnt ihr die Titel und Autoren lesen.



Fluchtreflexe

Nach nur zehn Tagen Vorlesungsbeginn, sah mein Ordner bereits so aus. Jetzt, paar Tage später, füllt sich bereits der Zweite. Da kann ich wieder nur den Kopf schütteln. Was denken die Dozenten eigentlich? Vermutlich hält jeder von ihnen ihre eigene psychologische Disziplin für die Wichtigste. Ich fühle mich jetzt schon erschlagen und nehme den mir schon vertrauten Fluchtreflex wahr, den ich jedes Semester von Neuem habe. Bis ich mich beim Durcharbeiten all des Materials selbst wieder dabei ertappe, wie wundervoll es ist, was ich da lesen darf. Aber mal etwas Anderes: Ich sollte mich vielleicht ernsthaft daran gewöhnen, die PDFs am MacBook zu lesen, damit ich nicht soviel Papiermüll produziere. Aber wie bei den Meisten, erfasse ich Dinge besser, wenn ich sie in der Hand habe, berühren und unterstreichen kann – und vor allem meine Notizen [Fragen] festhalten darf.

Wissenschaftskritik – oder: Ψ = f (Φ)?

In den nächsten Tagen habe ich mir vorgenommen, mir die guten Schriften und Gegenargumente gegen den Determinismus und für den freien Willen durchzulesen. Ich glaube nämlich, ich habe eine kleine Lücke gefunden in meiner Argumentation, die ich nicht bedenken konnte, weil ich sie nicht so ganz verstanden habe. Es geht um das Beobachtungsprinzip der Komplementarität [ja, Lieblingsthema gerade] und die Heißenbergsche Unschärferelation als Resultat dieser. Sollte nun genau in dieser Unschärfe das Bewusstsein liegen oder der freie Wille, dann hätte ich echt eine Lücke gefunden, in der der Funke des freien Willens Platz finden würde. Andererseits ließe sich dann immer noch nicht sagen: “Weil wir ein antimaterielles Bewusstsein haben, das sich neurologisch auch nicht einfachso lokalisieren lässt, haben wir einen freien Willen.” Dieses Bewusstsein kommt ja von irgendwoher [und nicht von uns, wir haben alles bekommen] und scheint eine Verbindung mit uns als Natur- und Sozialwesen mit all den genetischen Prädispositionen und den damit einhergehenden sozialen Determinanten einzugehen. Die Formel hieße also immer noch: “Wäre ich wie du und wäre mit exakt den selben Innen- und Außenbedingungen auf die Welt gekommen und hätte die selben Erfahrungen gemacht wie du, wäre ich auch du. Exakt wie du.” Das Problem an der Geschichte ist nur, dass es niemals zwei identitische Menschen geben kann, nicht einmal Zwillinge können diese Bedingungen leisten, denn selbst, wenn alles komplett identisch wäre [organisch und sozial], hätten wir immer noch das Problem der Lokalität: d.h. zwei identische Menschen können nicht exakt selben Raum einnehmen, weil der eine ja schon einen Teil einnimmt und der andere sich nicht einfach in ihn und seinen Körper hinein legen kann. Und allein diese Differenz der Lokalität kann einen so derart ausgeprägten Butterfly Effect mit sich ziehen, dass wir schon wieder nicht von identischen Bedingungen sprechen könnten und demnach die Hypothese “Wäre ich exakt wie du, wäre ich du” gar nicht erst überprüfbar wäre [außer man könnte Realität simulieren, aber das ist Zukunftsmusik]. Hier bleibt also immer noch unbeantwortet, welcher Aspekt in uns die Unschärfe darstellt und was diese Unschärfe in uns bewirken kann. Weiterlesen

Komplementarität

Der Grund, warum ich bei dem, was ich tue, das erste Mal in meinem Leben das Gefühl angekommen zu sein genießen darf ist der, dass ich in der wissenschaftlichen Psychologie eine Gratwanderung leisten muss, die meinem stark komplementären Interessenscharakter in einer Weise entspricht, die mir die Erfüllung geben kann, die mir damals mit all meinen problematisch vielseitigen Interessen und Abzweigungsneigungen versagt worden war. Damals bin ich von Ast zu Ast gesprungen [Naturwissenschaft, Geisteswissenschaft, Kunst] und empfand bereits im ersten Semester meines vorangegangenen Studiums eine innere Leere und einen Überdruss, der mich aggressiv machte. Ich litt unter dem Gefühl, dass ich einige Aspekte meiner Selbst abkapseln musste, um weiterzukommen. Doch heute habe ich all die Äste beieinander – und man erlaubt mir nicht nur, sie trotz ihrer Komplementarität zu besitzen, sondern macht sie sogar zur notwendigen Bedingung für die Arbeit an einem wichtigen, großartigen Puzzle bei dem das Fehlen der verschiedenen Äste das Endbild verzerren würde.

Psychologie muss in gewisser Weise Natur- und Geisteswissenschaft sein, wenn sie Menschen in ihrer Doppelnatur begreifen will. Der Mensch ist eine komplementäre Verbindung zweier Komponenten, die auf dem ersten Blick nicht ganz zueinander zu passen scheinen: Er ist durch und durch ein der Natur untergebenes Wesen, ein Produkt biologischer, physiologischer Prozesse, eine Rasse, die genauso sehr dem Selektionsdruck der Evolution unterlegen war [und heute noch ist] wie alle anderen Lebewesen auf diesem Planeten auch. Andererseits produziert er jedoch Geistiges und Kultur. Er ist ein Wesen, das Kunst, Literatur, Religion und Musik erschafft und sich seiner Biografie bewusst ist. Es wäre unsinnig, diese Aspekte durch rein naturwissenschaftliche Messverfahren analysieren und begreifen zu wollen. Deshalb muss Psychologie zumindest teilweise beides sein; und deshalb gibt mir diese Disziplin fast alles, was ich brauche, um sogar für mein Ast-zu-Ast-Springen nicht nur nicht getadelt, sondern im besonderen Maße gelobt zu werden, weil es ein Vorteil ist, das zu können. Weiterlesen

Liebesberufung

Mein Smiley sieht hier so herrlich verzweifelt aus, da dachte ich, das muss ich euch einmal zeigen. Ich muss gerade den Mathekram aus den ersten zwei Semestern [Statistik & Stochastik] wiederholen, damit ich die jetzige Vertiefung in die Materie besser verstehe. Ich staune immer wieder darüber, dass man ein 600-seitiges Buch, in dem vor allem Zahlen, Formeln und ihre Herleitungen eine Rolle spielen, so gut aufbereiten kann [praxisbezogen anhand von Forschungsbeispielen], dass ich es richtig mit Interesse lese und wissen möchte, “wie es weiter geht”. Weiterlesen

Die Sache mit der Projektion

Ich denke immer wieder über diese Projektionsgeschichte nach, weil sie mir in sehr vielen geliebten Blogs immer wieder begegnet und ich die Gedanken dazu sehr ausgereift und auch schön finde, aber manchmal auch ein wenig mystifiziert. Natürlich komme ich nicht zum Ende meiner Gedanken an, weil ich gerade keine wirklich klaren und präzisierenden Gedanken fassen kann. Trotzdem möchte ich einige Punkte einfach reinklatschen, ohne Anspruch auf “Wahrhaftigkeit” oder Akkuratheit stellen zu wollen. Jedenfalls glaube ich nicht daran, dass wir ständig “projizieren”, dass in jeder Begegnung und jeder unangenehmen Beziehungserfahrung der Grund allen Übels in uns selbst liegt. Immerhin sind Beziehungserfahrungen immer eine Interaktion mit dem Lebenspool eines anderen Menschen; und die Gründe könnten ja genauso gut in der anderen Person liegen, abgetrennt sind sie nicht, und ich bin auch nicht das Zentrum des Universums, als dass man davon ausgehen könnte, nur ich mit meiner Affinität für seltsame Typen sei Ursache für die Begegnung mit – ja, eben seltsamen Typen. [Vor allem, wenn keine Affinität besteht, aber ja, ich weiß, dafür gibt es dann den Satz "Ist ja alles unbewusst!" Ich nutze ihn ja selbst viel, aber inzwischen habe ich das Gefühl, dass das als Platzhalter für alles mögliche dient.] Weiterlesen

Die Antigesetze im Traum

Es gibt eine Sache, die mich immer wieder fasziniert und die ich einfach nicht in mein psychologisches Wissen integrieren kann. Aus der Wahrnehmungs- und Kognitionspsychologie weiß ich, dass wir Objekte, die wir sehen, auch konstruktiv aus unserem Vorwissen und unseren Vorerfahrungen mit der Beschaffenheit physikalischer Gesetze bewerten und somit spezifisch wahrnehmen. Diese Bewertungen aus dem Vorwissen heraus nennen wir Top-Down, den Input von außen Bottom-Up Prozesse. Praktisch bedeutet das, dass wenn ich eine Bowlingkugel in der Hand halte und sie fallen lasse, ich auch durch mein Vorwissen erwarte, dass sie durch die Schwerkraft auf den Boden prallt und sich auf dem Boden wegkegelt oder sich zumindest bewegt. Dinge, die sich andersartig verhalten – also entgegengesetzt bekannter und erfahrener physikalischer Gesetze – kommen uns sehr befremdlich vor, wir empfinden sie als falsch. Dass wir in diesen Bewertungsschemata, die ja eigentlich Sinn machen, sehr ähnlich funktionieren, sofern unser Gehirn eine normale Struktur aufweist oder keine Läsionen hat, merkt man daran, dass optische Täuschungen bei fast allen Menschen die selbe Täuschung verursachen. Sogar, wenn uns die optische Täuschung nachträglich erklärt wird, können wir unsere Wahrnehmung nicht wirklich korrigieren. Wir haben eine Erklärung für sie und können den Effekt etwas eindämmen [nur ganz kurz mit sehr viel kognitivem Aufwand], aber sobald wir wieder auf den Automatischmodus schalten, lassen wir uns vollends täuschen. Hier ein paar Beispiele aus der Vorlesung meiner Hassliebedozentin [Naja, nennen wir's beim Namen: Ich liebe sie.]

Abbildung 1: Hier seht ihr Kegel über einem Schachbrett, die ein identisches Lage- und Größenverhältnis aufweisen. Nur aufgrund der neuen Lage der Schattierung bewerten wir dieses Bild anders, weil unsere Erfahrung sagt: Bei so einer Schattierng kann es sich nur um schwebende Objekte handeln.

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