Gedankenkreise anhalten

Letztens habe ich daran gedacht, dass das Leben kurz ist; und beunruhigt wurde mir bewusst, dass wir eindrittel unseres Tages einfach schlafen. Wie gut, dass ich zumindest ein paar aufregende Träume habe – und dennoch: Mit fortschreitender Reife meldet sich der Druck, (noch) mehr vom Leben mitzunehmen und sich hinzugeben. Hingabe und Druck beißen einander, schalten sich gegenseitig aus, das funktioniert nicht. Und Hingabe und Mitnahme können miteinander funktionieren, aber nur mit der richtigen Haltung. Nimmt man zu viel, sind Arme und Hände durch das Greifen und Halten verschlossen. Sind sie verschlossen, ist die Hingabe blockiert; denn dazu bedarf es des Mutes, schutzlos und mit offenen Armen all dem gegenüber zu stehen, das man wirklich sehen wollte. (Sehen im Sinne einer echten Berührung und Verbindung). Weiterlesen

Monster abzugeben

Nein, das ist nicht die Masterarbeit, das ist ein ganz normales Diagnostisches Gutachten für eine Klientin, das wir im Rahmen des Studiums erstellen müssen. Sind ja nur achtzig Seiten, also umfangreicher als meine Bachelorarbeit. Diese Leistungen müssen wir nebenher erbringen. Neben Praktika, Präsentationen, weiteren Hausarbeiten, Klausuren, Hausaufgaben und Seminaren mit Anwesenheitspflicht. Es ist wirklich an der Zeit, dass die Uni bald zu Ende geht.

Gedankenabriss

In den letzten Tagen frage ich mich immer wieder, wie es wohl ist, wenn man älter ist und davon ausgeht, dass man vielleicht noch nur zehn oder zwölf Jahre zu leben hat. Wie fühlt sich das an? Aus heutiger Sicht würde mir wohl ein wenig der Panikschweiß von der Stirn brechen, und ich würde “Oh Gott, oh Gott” rufen, weil ich ja noch soviel vorhatte. Aber wenn ich mir vorstelle, ich wäre gealtert, hätte die Möglichkeit bekommen, zu reifen und das Langsamwerden des Körpers zu erleben und allmählich zu akzeptieren, dann würde ich mit dieser Erkenntnis vielleicht umgehen wie mit einer Gewissheit, die für uns alle gilt – und ich könnte mich beruhigen. Vielleicht altern wi auchr deshalb: damit ein Ende akzeptabler erscheint. Vielleicht ist Altern eine Art Konfrontation mit dem Sterben und eine Möglichkeit, neben diesem den Kontrast des Lebens besonders besonnen zu genießen. Vielleicht ist es also gut, die Sache mit dem Altern.

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Große Schätze

Das hier ist keine Angeberei, sondern eher Schwärmerei. Ich habe hart dafür gearbeitet, um mir die meisten Lehrbücher auch kaufen zu können und nicht nur auszuleihen. Wie hätte ich sie sonst entdecken können, so ganz ohne Totaleinverleibung? Ich verkaufe sie auch nicht weiter, immerhin habe ich viel Zeit mit ihnen verbracht und durfte magische Aha-Effekte erleben. [Außerdem sind die meisten neon-markiert.] Andererseits habe ich erlebt, dass Lesen allein nicht ausreicht, um Wissen am Besten in mir zu manifestieren. Ich bin nicht ausschließlich Primatin der Kognition, deshalb brauche ich noch einen anderen Zugang, und das ist das Zeichnen von Fakten, das Verändern von Modellanteilen, um dann zu schauen, wie die Konsequenz ohne Variable X aussehen würde. Man könnte sagen, ich lerne viel dadurch, indem ich mit Faktoren rumwürfele und das Verhalten einer Sache simuliere, um aus der Abweichung, die sich ergibt, die Natur des Gegenstandes zu verstehen. Wenn ich es schaffen würde, all den Stoff so zu lernen – und nicht anders -, könnte ich mit Sicherheit behaupten, dass ich es nie wieder vergessen würde, was ich gelernt habe. Aber nein, das Studium lässt keine Zeit zum Lernen. [Ja, den Satz muss man sich erst einmal auf der Zunge zergehen lassen.] Ich hoffe, die Bilderlastigkeit der letzten Tage macht euch nichts aus. Falls ihr euch für einige Bücher interessiert, klickt einfach drauf, dann könnt ihr die Titel und Autoren lesen.



Fluchtreflexe

Nach nur zehn Tagen Vorlesungsbeginn, sah mein Ordner bereits so aus. Jetzt, paar Tage später, füllt sich bereits der Zweite. Da kann ich wieder nur den Kopf schütteln. Was denken die Dozenten eigentlich? Vermutlich hält jeder von ihnen ihre eigene psychologische Disziplin für die Wichtigste. Ich fühle mich jetzt schon erschlagen und nehme den mir schon vertrauten Fluchtreflex wahr, den ich jedes Semester von Neuem habe. Bis ich mich beim Durcharbeiten all des Materials selbst wieder dabei ertappe, wie wundervoll es ist, was ich da lesen darf. Aber mal etwas Anderes: Ich sollte mich vielleicht ernsthaft daran gewöhnen, die PDFs am MacBook zu lesen, damit ich nicht soviel Papiermüll produziere. Aber wie bei den Meisten, erfasse ich Dinge besser, wenn ich sie in der Hand habe, berühren und unterstreichen kann – und vor allem meine Notizen [Fragen] festhalten darf.

Wissenschaftskritik – oder: Ψ = f (Φ)?

In den nächsten Tagen habe ich mir vorgenommen, mir die guten Schriften und Gegenargumente gegen den Determinismus und für den freien Willen durchzulesen. Ich glaube nämlich, ich habe eine kleine Lücke gefunden in meiner Argumentation, die ich nicht bedenken konnte, weil ich sie nicht so ganz verstanden habe. Es geht um das Beobachtungsprinzip der Komplementarität [ja, Lieblingsthema gerade] und die Heißenbergsche Unschärferelation als Resultat dieser. Sollte nun genau in dieser Unschärfe das Bewusstsein liegen oder der freie Wille, dann hätte ich echt eine Lücke gefunden, in der der Funke des freien Willens Platz finden würde. Andererseits ließe sich dann immer noch nicht sagen: “Weil wir ein antimaterielles Bewusstsein haben, das sich neurologisch auch nicht einfachso lokalisieren lässt, haben wir einen freien Willen.” Dieses Bewusstsein kommt ja von irgendwoher [und nicht von uns, wir haben alles bekommen] und scheint eine Verbindung mit uns als Natur- und Sozialwesen mit all den genetischen Prädispositionen und den damit einhergehenden sozialen Determinanten einzugehen. Die Formel hieße also immer noch: “Wäre ich wie du und wäre mit exakt den selben Innen- und Außenbedingungen auf die Welt gekommen und hätte die selben Erfahrungen gemacht wie du, wäre ich auch du. Exakt wie du.” Das Problem an der Geschichte ist nur, dass es niemals zwei identitische Menschen geben kann, nicht einmal Zwillinge können diese Bedingungen leisten, denn selbst, wenn alles komplett identisch wäre [organisch und sozial], hätten wir immer noch das Problem der Lokalität: d.h. zwei identische Menschen können nicht exakt selben Raum einnehmen, weil der eine ja schon einen Teil einnimmt und der andere sich nicht einfach in ihn und seinen Körper hinein legen kann. Und allein diese Differenz der Lokalität kann einen so derart ausgeprägten Butterfly Effect mit sich ziehen, dass wir schon wieder nicht von identischen Bedingungen sprechen könnten und demnach die Hypothese “Wäre ich exakt wie du, wäre ich du” gar nicht erst überprüfbar wäre [außer man könnte Realität simulieren, aber das ist Zukunftsmusik]. Hier bleibt also immer noch unbeantwortet, welcher Aspekt in uns die Unschärfe darstellt und was diese Unschärfe in uns bewirken kann. Weiterlesen