Generation Y: Die angepassten Okay-Studenten

Ich möchte euch einmal diesen unverschämten Artikel einer Dozentin vorstellen, die ein wenig Werbung für ihre Generation auf unsere Kosten machen möchte. Dabei schildert sie Aussagen von Studierenden, die in meinen Ohren absolut unrealistisch wirken. Dieser Artikel wurde auf der Uni-Köln Seite veröffentlicht. Es wurde von den Studierenden dort darum gebeten, dass ich meinen Kommentar dazu weiterverbreite. Hier erst einmal der Artikel: Generation Y: Die angepassten Okay-Studenten. (Mein Kommentar – leicht abgeändert zum besseren Verständnis):

Für mich grenzt dieser Artikel an Ignoranz, und wenn ich ehrlich bin, glaube ich ihr auch einige Aussagen, die Studierende angeblich getätigt haben sollen, nicht (z. B. „Uns bringen diese Diskussionen nichts …” – Wir waren jedesmal hellauf dankbar, wenn irgendetwas im Seminar vom Lehrplan abwich). Weiterlesen

Monster abzugeben

Nein, das ist nicht die Masterarbeit, das ist ein ganz normales Diagnostisches Gutachten für eine Klientin, das wir im Rahmen des Studiums erstellen müssen. Sind ja nur achtzig Seiten, also umfangreicher als meine Bachelorarbeit. Diese Leistungen müssen wir nebenher erbringen. Neben Praktika, Präsentationen, weiteren Hausarbeiten, Klausuren, Hausaufgaben und Seminaren mit Anwesenheitspflicht. Es ist wirklich an der Zeit, dass die Uni bald zu Ende geht.

Debilium

Warum in Rätseln schreiben, wenn man das Weinen hat. Mir widerstreben diese wilden Sätze, die keinen Halt finden, geschweige denn einen geben. Mir widerstreben konstruierte Rätselhaftigkeiten, weise Worte, die sich so sehr mit Geheimnissen kleiden, dass viele nur so tun, als haben sie den tieferen Sinn darin gefühlt – aus reiner Verlegenheit -, während der Weise selbst weiß, dass er nichts Besonderes gesagt hat, als verschachtelte Sätze ineinander zu stülpen und uns zu verunsichern. Ich erinnere mich dabei immer an diese Zufallskunstwerke, die ich als Kind produzierte, mit kleinen Händen und viel Fingerfarbe. Sie waren mehr als Picasso und Monet zusammen, sie waren viel bunter, außerdem hatte ich Spaß dabei; und im Nachhinein hat jede Erzieherin ein figurales Wunder darin entdeckt – und ich nickte energisch “Ja ja, das ist genau so, wie du sagst, Sigrid! Ein Baum mit Händen dran, die sich am Himmel hochziehen! Wie hast du das gemerkt?” Und Zuhause, bei meinen Eltern, war das Bild etwas anderes, aber eben immer noch ein Kunstwerk. Na, meinetwegen. Weiterlesen

Fluchtreflexe

Nach nur zehn Tagen Vorlesungsbeginn, sah mein Ordner bereits so aus. Jetzt, paar Tage später, füllt sich bereits der Zweite. Da kann ich wieder nur den Kopf schütteln. Was denken die Dozenten eigentlich? Vermutlich hält jeder von ihnen ihre eigene psychologische Disziplin für die Wichtigste. Ich fühle mich jetzt schon erschlagen und nehme den mir schon vertrauten Fluchtreflex wahr, den ich jedes Semester von Neuem habe. Bis ich mich beim Durcharbeiten all des Materials selbst wieder dabei ertappe, wie wundervoll es ist, was ich da lesen darf. Aber mal etwas Anderes: Ich sollte mich vielleicht ernsthaft daran gewöhnen, die PDFs am MacBook zu lesen, damit ich nicht soviel Papiermüll produziere. Aber wie bei den Meisten, erfasse ich Dinge besser, wenn ich sie in der Hand habe, berühren und unterstreichen kann – und vor allem meine Notizen [Fragen] festhalten darf.

Komplementarität

Der Grund, warum ich bei dem, was ich tue, das erste Mal in meinem Leben das Gefühl angekommen zu sein genießen darf ist der, dass ich in der wissenschaftlichen Psychologie eine Gratwanderung leisten muss, die meinem stark komplementären Interessenscharakter in einer Weise entspricht, die mir die Erfüllung geben kann, die mir damals mit all meinen problematisch vielseitigen Interessen und Abzweigungsneigungen versagt worden war. Damals bin ich von Ast zu Ast gesprungen [Naturwissenschaft, Geisteswissenschaft, Kunst] und empfand bereits im ersten Semester meines vorangegangenen Studiums eine innere Leere und einen Überdruss, der mich aggressiv machte. Ich litt unter dem Gefühl, dass ich einige Aspekte meiner Selbst abkapseln musste, um weiterzukommen. Doch heute habe ich all die Äste beieinander – und man erlaubt mir nicht nur, sie trotz ihrer Komplementarität zu besitzen, sondern macht sie sogar zur notwendigen Bedingung für die Arbeit an einem wichtigen, großartigen Puzzle bei dem das Fehlen der verschiedenen Äste das Endbild verzerren würde.

Psychologie muss in gewisser Weise Natur- und Geisteswissenschaft sein, wenn sie Menschen in ihrer Doppelnatur begreifen will. Der Mensch ist eine komplementäre Verbindung zweier Komponenten, die auf dem ersten Blick nicht ganz zueinander zu passen scheinen: Er ist durch und durch ein der Natur untergebenes Wesen, ein Produkt biologischer, physiologischer Prozesse, eine Rasse, die genauso sehr dem Selektionsdruck der Evolution unterlegen war [und heute noch ist] wie alle anderen Lebewesen auf diesem Planeten auch. Andererseits produziert er jedoch Geistiges und Kultur. Er ist ein Wesen, das Kunst, Literatur, Religion und Musik erschafft und sich seiner Biografie bewusst ist. Es wäre unsinnig, diese Aspekte durch rein naturwissenschaftliche Messverfahren analysieren und begreifen zu wollen. Deshalb muss Psychologie zumindest teilweise beides sein; und deshalb gibt mir diese Disziplin fast alles, was ich brauche, um sogar für mein Ast-zu-Ast-Springen nicht nur nicht getadelt, sondern im besonderen Maße gelobt zu werden, weil es ein Vorteil ist, das zu können. Weiterlesen

“Der Schmerz ist noch heiß”

Ich sitze schon seit einer halben Stunde hier an meinem Bildschirm, höre Musik und fühle den Drang, etwas schreiben zu müssen, weiß aber nicht was. Ich empfinde eine Mischung aus Erleichterung und Bewegungsdrang und frage mich, wie ich die beiden miteinander verbinden soll. Ersteres ist Entspannung, Zweiteres Anspannung. Draußen ist es so kalt wie schon ewig nicht mehr, und ich stelle mir vor, wie ich in einen zugefrorenen See springe, in dieses eine, für mich extra geschnittene Loch hinein. Ich tue mir weh, tausend Kältenadeln bohren sich in meine Haut, ich erleide einen sensorischen Schock und mein Kreislauf spielt kurz Kollaps, bevor sich alles langsam wieder in Gang setzt und ich jede Bewegung in mir spüre, jede Sehne spannen höre und jeder Muskel gegen die eigene Erstarrung kämpft, indem jede Kontraktion wie im Überlebenskampf zuckt. Alles, was ich bei dieser hier für euch unangenehmen Beschreibung empfinde, ist ein wohliges Gefühl von Freiheit, während Ihr beim Lesen vermutlich das Bild wegzuscheuchen sucht.

Oft schon habe ich mich gefragt, warum ich die Kälte so liebe. Auf eine eindeutige Antwort bin ich nicht gekommen, doch geahnt habe ich immer, dass ich die Hitze in mir nur mit ihrer Hilfe beruhigen kann. “Heiß” bedeutet auf Persisch “Daagh” [das A lang ausgesprochen]. Wenn wir sagen wollen, dass ein Schmerz noch sehr frisch ist, dass er tief in einem sitzt, pocht und wund ist, dann sagen wir: “Der Schmerz ist noch heiß … [Dardesh daagh-e …]” Vielleicht suche ich deshalb die Kälte. Die Wunden sollen nicht weiter atmen, sondern in einen erleichternden Dornröschenschlaf fallen … Weiterlesen

Liebesberufung

Mein Smiley sieht hier so herrlich verzweifelt aus, da dachte ich, das muss ich euch einmal zeigen. Ich muss gerade den Mathekram aus den ersten zwei Semestern [Statistik & Stochastik] wiederholen, damit ich die jetzige Vertiefung in die Materie besser verstehe. Ich staune immer wieder darüber, dass man ein 600-seitiges Buch, in dem vor allem Zahlen, Formeln und ihre Herleitungen eine Rolle spielen, so gut aufbereiten kann [praxisbezogen anhand von Forschungsbeispielen], dass ich es richtig mit Interesse lese und wissen möchte, “wie es weiter geht”. Weiterlesen